Tabuthema Sterben Körperspende: Wenn der Tod dem Leben dient

Nach dem Leben Körperspender im Dienst der Wissenschaft sein – für viele eine seltsame Vorstellung. Andere sind begeistert. So auch Renate Alt. Körperspende als letzter Wille ist das Thema im dritten Teil unserer Wochenserie.

Körperspende 5 min
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Mi 30.01.2019 11:34Uhr 04:58 min

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Ihr letzter Wille ist es, dass ihre sterblichen Überreste der Medizin und Forschung zur Verfügung stehen. Mit diesem großartigen Geschenk erweisen Körperspender, so nennt man diese Frauen und Männer, Wissenschaftlern und Studierenden einen wertvollen Dienst. Für die Vermittlung anatomischer Grundkenntnisse ist die Ausbildung an menschlichen Körpern unerlässlich. Doch warum entscheiden sich Menschen für diesen Weg? Was sind deren Motive?

Etwas Gutes tun

Renate Alt hat sich zu genau diesem Schritt entschlossen. Die sympathische Frau aus Leipzig ist Körperspenderin.

Körperspende 1 min
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Renate Alt aus Leipzig ist Körperspenderin.

Mi 30.01.2019 11:31Uhr 00:32 min

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Ich bin zwar anders erzogen, zur Erdbestattung, aber wenn man damit wieder Krankheiten aus der Welt schaffen kann, also mit der Spende, dann hat man ein gutes Werk getan. Wer ist nicht froh, wenn ihm damit geholfen werden kann?

Renate Alt, 84, Körperspenderin

Im Dienst der Wissenschaft

Von unschätzbarem Wert sind die Körperspender für Professor Ingo Bechmann, Leiter des Instituts für Anatomie in Leipzig. Jedes Jahr führt der Anatom bis zu 450 Studierende durch den "Präparierkurs"

Das Anatomische Institut unterhält eine eigene anonyme Grabstätte auf dem Leipziger Südfriedhof. "Den Toten, die euch, den Lebenden halfen" steht auf einem Gedenkstein. Grabsteine mit den Namen der Verstorbenen gibt es dort nicht.

Körperspende 1 min
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Professor Dr. med. Ingo Bechmann (Direktor des Instituts für Anatomie Leipzig) über die anatomische Ausbildung.

Mi 30.01.2019 11:29Uhr 00:50 min

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Körperspender sind entscheidend daran beteiligt, dass wir Generationen von Medizinern ausbilden können. Ohne dieses Geschenk wäre dies schlichtweg nicht möglich.

Prof. Ingo Bechmann, Direktor des Instituts für Anatomie Leipzig

Wie wird man Körperspender?

Man kann zum Körperspender werden, indem man sich bei einem anatomischen Institut in der Nähe anmeldet. Viele Universitäten nehmen nur Körperspender in ihr Programm auf, die im Umkreis von etwa 100 Kilometern leben. Häufig können sich Körperspender erst ab einem bestimmten Lebensalter, meist ab 50 Jahren, anmelden.

Kann ich es mir wieder anders überlegen?

Ganz klar: Ja! Die getroffene Verfügung ist kein Vertrag und kann jederzeit widerrufen werden.

Können auch meine Angehörigen über meinen Körper verfügen?

Nein, nur man selbst ist berechtigt über seinen Körper zu verfügen. Allerdings sollte man mit nahestehenden Angehörigen über diesen Weg des letzten Willens sprechen. Denn, es vergeht ein langer Zeitraum zwischen Tod und Bestattung und das beeinflusst das Leben und Empfinden der Hinterbliebenen erheblich.

Bekomme ich Geld für die Körperspende?

Nein.

Ist die Körperspende kostenlos oder muss ich Geld zahlen?

Einige Institute verlangen nichts, andere verlangen für die spätere Bestattung des Leichnams einen Unkostenbeitrag von 700 bis etwa 1200 Euro.

Kann man gleichzeitig Organ- und Körperspender sein?

Grundsätzlich ja. Eine Organspende hat vor einer Körperspende stets Vorrang. Allerdings kann der Leichnam nach einer Organentnahme nicht mehr zur Ausbildung verwendet werden.

Über die Autorin Inna Buckup, Jahrgang 1970, seit 1997 freie Autorin und Redakteurin für den MDR.

Weiterführende Informationen

Über dieses Thema berichtet der MDR im Fernsehen MDR um 4 | 28.01.-01.02.2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 15:45 Uhr