Tabuthema Sterben Hospiz – Menschenwürde bis zuletzt

Wie gehen wir von dieser Welt? In unserer Wochenserie wollen wir das Tabuthema Sterben in den Fokus rücken. In Folge eins gewähren uns Bewohner sowie Pfleger ehrliche Einblicke in den Alltag eines Hospizes in Thüringen.

Tabuthema Sterben - Hospiz 5 min
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Mo 28.01.2019 10:10Uhr 05:06 min

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Fragt man die Deutschen, wie Sie sterben wollen, ist die Antwort eindeutig: 76 Prozent wollen daheim, im Kreise der Familie ihre letzten Stunden verbringen. Dagegen können sich gerade einmal sechs Prozent vorstellen, im Krankenhaus ihre letzte Reise anzutreten. Und noch weniger, gerade einmal zwei Prozent der Bevölkerung, sehen das Pflegeheim als guten Ort des Sterbens.

Einen guten, einen leichten Tod – gibt es das?

Welche Möglichkeiten gibt es, das eigene Ende selbst zu planen? Was, wenn wir erfahren, dass eine tückische Krankheit uns nur noch wenig Zeit lässt? Sterben – ein Tabuthema, immer noch. Aber warum eigentlich?

Tabuthema Sterben - Hospiz 1 min
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Mo 28.01.2019 10:07Uhr 01:20 min

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Jennifer Seinsche arbeitet als stellvertretende Pflegedienstleiterin im Hospiz St. Elisabeth in Eisenach. Die junge Mutter betreut seit drei Jahren die Bewohner der Einrichtung auf ihrem letzten Weg.

Worauf kommt es an, am Ende des Weges? Ich denke, es ist wichtig, dass man in einer Umgebung ist, in der man sich wohlfühlt. Dass die Familie bei einem ist und man keine Angst haben muss. Einfach, dass man weiß, man kann sich auf jeden verlassen, der einem zur Seite steht. Egal, was passiert. Dafür stehen wir, dass wir am Ende für alle da sind und mit jedem diesen letzten Weg gehen.

Jennifer Seinsche stellvertretende Pflegedienstleiterin im Hospiz St. Elisabeth in Eisenach

Geschichte der Hospizbewegung

Eine Hand hält die Hand eines älteren Menschen
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Der Begriff Hospiz (lat. hospitum = Herberge, Unterkunft oder Raststätte; hospes = Gast bzw. Gastgeber) stammt aus dem frühen Mittelalter. Zu dieser Zeit boten Mönche in diesen Häusern Pilgern – welche sich auf einer Reise befanden – Versorgung, Hilfe, Schutz und in Krankheitsfällen Pflege an, um sie für ihre Weiterreise zu stärken. Ein Hospiz der damaligen Zeit war also ein Ort der Gastfreundschaft, ein Platz zum Ausruhen und zum "Heilwerden" auf einer beschwerlichen und gefahrvollen Reise.

Nach ersten Bestrebungen vor etwa einhundert Jahren in England wurde dann 1967 durch die Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely Saunders in London das erste Hospiz der Neuzeit, das St. Christopher's Hospices eröffnet.

Im Jahre 1971 kam die Idee dann auch nach Deutschland. Bis heute wächst das ehrenamtliche hospizliche Engagement in Deutschland stetig, zurzeit engagieren sich unter dem Dach des DHPV rund 120.000 Menschen bürgerschaftlich, ehrenamtlich oder hauptamtlich in der Hospiz- und Palliativarbeit, eine große Zahl davon ehrenamtlich.

Über die Autorin Inna Buckup, Jahrgang 1970, seit 1997 freie Autorin und Redakteurin für den MDR.