Di 17.01. 2017 20:45Uhr 29:30 min

Zwischen Tanzturnier und Propaganda; Die Stadthalle Magdeburg
Zwischen Tanzturnier und Propaganda; Die Stadthalle Magdeburg Bildrechte: MDR/ Stadtarchiv Magdeburg
MDR FERNSEHEN Di, 17.01.2017 20:45 21:15

Der Osten - Entdecke wo du lebst Zwischen Tanzturnier und Propaganda

Zwischen Tanzturnier und Propaganda

Die Stadthalle Magdeburg

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Ein Film von Karin Roxer und Andreas Tempelhof

Die großen Stars haben hier gespielt und gesungen, die hauseigene Bigband spielte auf großen Galas und bei Frauentagsfeiern. Kinderfasching und Katja Ebstein, SED-Parteitag und Udo Lindenberg - die Magdeburger Stadthalle hat viel gesehen. Jetzt wird sie 90 Jahre alt.

Für Gisela Ahrens ist die Stadthalle eine Art heiliger Ort. "Die Halle hat mein Leben geprägt", sagt sie. 1976 fing Gisela Ahrens an hier zu arbeiten. Lange war sie künstlerische Leiterin der Stadthalle. Sie hat die großen West-Stars nach Magdeburg geholt und betreut. Auch Katja Ebstein. "Das Zuhören der Texte war in der DDR wesentlich ausgeprägter", sagt die Sängerin. "Es fiel schon sehr auf, dass die sehr zugehört haben und zwischen den Zeilen anders aufgenommen haben als bei uns."

1927 entstand in Magdeburg ein einzigartiges Bauwerk, in dem sich die Geschichte der ganzen Region widerspiegelt. In ganz Deutschland herrschte Aufbruchsstimmung. Viele Kreative kamen nach Mitteldeutschland. Neues Denken, neues Bauen waren gefragt. Und so wurde innerhalb von 12 Monaten die Stadthalle in Magdeburg gebaut. Ein Tempel der Moderne. Luftige, lichte Architektur, 5.000 Plätze, modernste Bühnentechnik und Gastronomie. Eine Stadthalle aus Eisen, Klinker und Glas für jede Art von großen und kleinen Veranstaltungen - damals eine absolute Neuheit im Theater- und Festhallenbau. Magdeburg sollte mit diesem Bau zum wichtigsten Messe- und Ausstellungsort Mitteldeutschlands werden.

Von Anfang an war die Stadthalle auch ein Spiegelbild der zeitgenössischen politischen Strömungen - in der Weimarer Republik, zur Nazi-Zeit und in der DDR. Die politischen Meinungsführer nutzten die größte Halle in Mitteldeutschland auch für Parteitage und Demonstrationen. Doch genauso feierten die Magdeburger hier Fasching, wo anderntags Stars ihre oft vielbeachteten Konzerte gaben. Weil in der DDR Devisen Mangelware waren, bekamen West-Künstler oft Naturalien statt Geld. Besonders beliebt war z. B. Meißner Porzellan. Katja Ebstein allerdings kaufte sich lieber einen Flügel – auf den sie aber zehn Jahre lange wartete. "Den hab ich heute noch", sagt sie.

In der Reihe "Der Osten – Entdecke wo du lebst" zeigt der MDR die bewegte Geschichte dieses außergewöhnlichen Bauwerks.