Mi 31.07. 2019 20:45Uhr 29:30 min

Exakt - Die Story Land der Nichtschwimmer - Unterschätztes Risiko

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 Das Waldbad im Harzort Elend. Rund 20 bis 30 Elender arbeiten ehrenamtlich jeden Tag im Sommer im Bad. 30 min
Das Waldbad im Harzort Elend. Rund 20 bis 30 Elender arbeiten ehrenamtlich jeden Tag im Sommer im Bad. Bildrechte: MDR/Lisa Hentschel
MDR FERNSEHEN Mi, 31.07.2019 20:45 21:15

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Ralf Gläsing, Vorsitzender des Bürgerbads Elend, bekam vor 5 Jahren eine Nachricht vom Stadtrat. Entweder ein Förderverein gründe sich oder das Waldbad in dem Harz-Ort müsse schließen.
Ralf Gläsing, Vorsitzender des Bürgerbads Elend, bekam vor 5 Jahren eine Nachricht vom Stadtrat. Entweder ein Förderverein gründe sich oder das Waldbad in dem Harz-Ort müsse schließen. Bildrechte: MDR/Lisa Hentschel
Ralf Gläsing, Vorsitzender des Bürgerbads Elend, bekam vor 5 Jahren eine Nachricht vom Stadtrat. Entweder ein Förderverein gründe sich oder das Waldbad in dem Harz-Ort müsse schließen.
Ralf Gläsing, Vorsitzender des Bürgerbads Elend, bekam vor 5 Jahren eine Nachricht vom Stadtrat. Entweder ein Förderverein gründe sich oder das Waldbad in dem Harz-Ort müsse schließen. Bildrechte: MDR/Lisa Hentschel
Petra Dimter und Hamid vom Landesschwimmverband Sachsen-Anhalt wollen Kindern und Eltern sicheres Schwimmen vermitteln.
Petra Dimter und Hamid vom Landesschwimmverband Sachsen-Anhalt wollen Kindern und Eltern sicheres Schwimmen vermitteln. Bildrechte: MDR/Lisa Hentschel
Kai Weiße, Rettungsschwimmer der DLRG und Schwimmmeister im Waldbad Elend, wo auch er ehrenamtlich arbeitet.
Kai Weiße, Rettungsschwimmer der DLRG und Schwimmmeister im Waldbad Elend, wo auch er ehrenamtlich arbeitet. Bildrechte: MDR/Lisa Hentschel
Das Seepferdchen gilt in Fachkreisen als NICHTschwimmerabzeichen. Das dem Bronze-Abzeichen entsprechende sichere Schwimmen sollen laut Kultusministerkonferenz Schüler nach der 4. Klasse beherrschen.
Das Seepferdchen gilt in Fachkreisen als NICHTschwimmerabzeichen. Das dem Bronze-Abzeichen entsprechende sichere Schwimmen sollen laut Kultusministerkonferenz Schüler nach der 4. Klasse beherrschen. Bildrechte: MDR/Lisa Hentschel
Baden, wo es verboten ist. Das führte im Steinbruch Ermsleben 2017 zum Badetod.
Baden, wo es verboten ist. Das führte im Steinbruch Ermsleben 2017 zum Badetod. Bildrechte: MDR/Matthias Strauss
 Das Waldbad im Harzort Elend. Rund 20 bis 30 Elender arbeiten ehrenamtlich jeden Tag im Sommer im Bad.
Das Waldbad im Harzort Elend. Rund 20 bis 30 Elender arbeiten ehrenamtlich jeden Tag im Sommer im Bad. Bildrechte: MDR/Lisa Hentschel
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Fast dreimal so viele Badetote wie im Vorjahr zählte die DLRG im August 2018 deutschlandweit. Vom Land der Nichtschwimmer ist nicht nur in der Analyse die Rede. "Um sicher schwimmen zu können, bräuchte es nicht die üblichen zehn, sondern 100 Badestunden", betont Petra Dimter vom Landesschwimmverband Sachsen-Anhalt. Im Beschluss der aktuellsten Kultusministerkonferenz ist zwar vom Schwimmen als "lebenserhaltende und gesundheitsfördernde Kernkompetenz" die Rede. Offen bleibt jedoch, welches Schwimmabzeichen zum sicheren Schwimmen überhaupt notwendig ist. "Menschen denken, sie können schwimmen, nur weil sie das Seepferdchen haben. Für mich ist das stattdessen ein klares 'Nichtschwimmer-Abzeichen'", schimpft die Magdeburgerin Petra Dimter.
 
504 Badetote gab es in Deutschland 2018. Knapp 80 Prozent der Unfälle passierten an Seen, Flüssen und Bächen - also an Gewässern, an denen die Überwachung durch geschultes Personal keine Pflicht ist. Stellen private Pächter dort Verbotsschilder auf, schwimmen Badende auf eigene Gefahr - und überschätzen sich dabei oft, sagt Kai Weiße, Rettungsschwimmer aus Wernigerode: "Kaum einer beachtet mehr die klassischen Baderegeln. Wer am Ufer bleibt, guckt aufs Handy. Da kommt dann jede Rettung zu spät." Auch, weil Rettungsschwimmer fehlen. Die DLRG schätzt: 2019 wird es rund 100 Rettungsschwimmer zu wenig in Sachsen-Anhalt geben. Schließlich ist das kein Beruf zum Geldverdienen. 100 Prozent der Rettungsschwimmer der DLRG retten Leben ehrenamtlich, so auch Kai Weiße. Er macht das in einem Freibad in Elend, das es ohne Ehrenamt nicht mehr geben würde: "2014 hieß es vom Stadtrat: Entweder ihr übernehmt das Bad oder wir müssen es schließen", erzählt Ralf Gläsing, Vorsitzender des heutigen Bürgerbads. "Wer möchte, dass das Bädersterben aufhört, müsste Kommunen mehr Geld zur Verfügung stellen."  

175 öffentliche Bäder zählt die "Deutsche Gesellschaft für das Badewesen" aktuell noch in Sachsen-Anhalt, weniger als in Sachsen und Thüringen. 2018 mussten Schwimm- und Freibäder sowohl in Halle als auch in der Altmark, dem Burgenlandkreis, in Mansfeld-Südharz, im Saalekreis, in Wittenberg und in der Börde schließen. Zu letzterem Landkreis zählt Oebisfelde. Hier bringt ein Bus mehr als 40 Zweitklässler einmal die Woche zum Schwimmunterricht bis nach Haldensleben, finanziert durch die Kommune. Das macht 45 Minuten pro Strecke -und das, obwohl der Weg bis nach Wolfsburg nur halb so lang wäre. Länderübergreifendes Zusammenarbeiten: Fehlanzeige. 

Sind wir ein Land der Nichtschwimmer? Woran hapert es in der Realität? Und wer ist dafür verantwortlich? Diesen Fragen geht Autorin Lisa Hentschel in der Reportage nach.

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