Mo 03.06. 2019 22:05Uhr 58:30 min

Fakt ist! Aus Erfurt

Die Stechuhr für alle – Wie modern ist Arbeitszeitkontrolle?

Komplette Sendung

Die Gäste im Fakt-ist-Studio 59 min
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MDR FERNSEHEN Mo, 03.06.2019 22:05 23:03

Nach dem EuGH- Urteil zur Arbeitszeiterfassung sind Unternehmen künftig verpflichtet, für ihre Mitarbeiter ein System des Arbeitszeitnachweises einzuführen. Doch was bringt dieses Urteil und werden die Rechte der Arbeitnehmer wirklich gestärkt? Diese und andere Fragen diskutiert die Gesprächsrunde bei "Fakt ist! Aus Erfurt".

"Die Arbeitszeiterfassung für alle Arbeitnehmer ist ein bürokratisches Monster für den kleinteiligen Mittelstand", empört sich Günther Richter, Landesgeschäftsführer des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft in Thüringen. Die tatsächliche Arbeitszeit müsse sich sowieso nach den Anforderungen der Kunden oder Patienten richten.

Ähnlich sieht das der Hauptgeschäftsführer der DEHOGA Thüringen, Dirk Ellinger: Gerade im Hotel- und Gaststättenbereich seien die Arbeitnehmer mit ihren Arbeitgebern im Team Dienstleister für die Kunden. 85 Prozent der Thüringer DEHOGA-Unternehmen seien als "Mama-Papa-Betriebe" organisiert mit zwei bis drei Angestellten. Wenn denen jetzt ein elektronisches Arbeitszeit-Erfassungssystem für 2.000 bis 3.000 Euro aufgedrückt werde, sei das happig.

Für Sandro Witt, den stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Hessen-Thüringen, sind diese Argumente total unredlich. Allein vor dem Hintergrund, dass Thüringer Arbeitnehmer jährlich 21,5 Millionen unbezahlter Überstunden leisten müssten, sei das EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung sehr zu begrüßen.

Schon heute bestehe die Verpflichtung, Mehrarbeitsstunden zu dokumentieren, also werde sich der Aufwand zur generellen Erfassung der Arbeitszeit wohl in Grenzen halten. "Die Arbeitszeiterfassung verhindert keine Verstöße gegen das Arbeitsrecht", gibt Professor Gerlind Marx von der Hochschule Merseburg zu bedenken. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht weist darauf hin, dass die Kontrollstellen unterbesetzt sind und die Arbeitszeitkontrollen deswegen rückläufig sind.