Mi 19.06. 2019 21:15Uhr 29:40 min

Echt

Gefährliches Erbe – Krater, Höhlen, Erdrutschgefahr

Komplette Sendung

Nachterstedt 29 min
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MDR FERNSEHEN Mi, 19.06.2019 21:15 21:45
Plötzlich ist nur noch ein riesiger Krater da, wo vorher drei Mehrfamilienhäuser standen und eine Straße am Schiffsanleger vorbeiführte. Zehn Jahre ist es her, als die Welt fassungslos nach Nachterstedt in Sachsen-Anhalt blickt. Mit den Häusern werden drei Menschen in den Abgrund des Concordiasees gerissen. Ihre Leichen konnten nie geborgen werden.

Überall dort, wo der Mensch die Erde aufwühlt, den Boden aushöhlt, in natürliche Landschaften eingreift, wird der Untergrund unberechenbar. Mitteldeutschland ist eine Region, wo deshalb riesige Flächen gesperrt sind, wo es an etlichen Stellen heißt: Betreten verboten! Lebensgefahr!

Vor 13 Jahren, zur feierlichen Übergabe des Concordiasees, sollte dieses Kapitel für Nachterstedt enden. Der geflutete Tagebau sollte Touristen anlocken. Ein Traum, der in der Nacht zum 19. Juli 2009 sein jähes Ende findet. Seither liegen alle Pläne auf Eis. Der See ist gesperrt. Oft schon haben Behörden eine Teilöffnung versprochen, doch die Ursachenforschung und die Befestigung der Böschung dauern an und stellen Experten immer wieder vor neue Probleme. Wie im Juni 2016, als plötzlich ein weiterer Teil der Böschung abrutscht. Den aufwühlenden Jahrzehnten des Kohlenabbaus folgt hier ein böses Erwachen.

Ein gefährliches Erbe und das heißt es für viele Standorte des Altbergbaus. Nur 30 km von Nachterstedt entfernt liegt Staßfurt, die Wiege des Kalibergbaus. Unterhalb der Stadt ist der Untergrund voller Hohlräume, hunderte Meter tief ragen sie in den Untergrund. Auch hier kommt es im Jahre 1895 zu einem verheerenden Erdrutsch im Ortsteil Leopoldshain. Dass sich hier nun die einzige Badestelle an einem Salzsee befindet, ist zwar reizvoll, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie unkalkulierbar der Untergrund an den Altstandorten des Bergbaus ist. Ringsherum senkt sich die Erde weiter bis zu sieben Meter tief ab. Selbst Jahrzehnte später muss ein Gebäude nach dem anderen aufgegeben werden. Die Kirche, das Rathaus, die ganze Stadtmitte Staßfurts. ECHT-Moderator Sven Voss nimmt uns mit auf Spurensuche, zu den gesperrten Regionen Mitteldeutschlands. Dabei wird vor allem eines deutlich: Dieses gefährliche Erbe stellt uns und künftige Generationen vor gewaltige Herausforderungen.

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Bildergalerie

Neun Jahre danach Das Drama von Nachterstedt – und wie es weiter ging

Luftbild vom Erdrutsch in Nachterstedt vom 19.07.2009. Am Ortsrand von Nachterstedt war eine mehrere hundert Meter breite Böschung mit einem Doppelhaus und einer weiteren Haushälfte in einen Tagebausee abgerutscht.
18. Juli 2009
In den frühen Morgenstunden des 18. Juli rutschen am teilgefluteten Tagebaurestloch Concordia See etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich ab. Zwei Häuser der Wohnsiedlung "Am Ring" werden 100 Meter in die Tiefe gerissen. Drei Menschen werden vermisst.
Bildrechte: IMAGO
Luftbild vom Erdrutsch in Nachterstedt vom 19.07.2009. Am Ortsrand von Nachterstedt war eine mehrere hundert Meter breite Böschung mit einem Doppelhaus und einer weiteren Haushälfte in einen Tagebausee abgerutscht.
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In den frühen Morgenstunden des 18. Juli rutschen am teilgefluteten Tagebaurestloch Concordia See etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich ab. Zwei Häuser der Wohnsiedlung "Am Ring" werden 100 Meter in die Tiefe gerissen. Drei Menschen werden vermisst.
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Eine Luftaufnahme zeigt das Ausmaß des Erdrutsches 2009 am Concordiasee in Nachterstedt.
19. Juli 2009
Die Einwohner können für kurze Zeit in ihre Wohnungen zurück. Sie holen wichtige Gegenstände, ehe sie wieder in Ferienwohnungen oder bei Bekannten unterkommen.
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Gedenktafel des Unglücks 2009 am Seezugang
20. Juli 2009
Die Suche nach den drei Verschütten im Alter von 48, 50 und 51 Jahren wird eingestellt. Es ist technisch nichts mehr zu machen, zudem sind die Einsatzkräfte in Gefahr. Die Abbruchstelle gilt als einsturzgefährdet.
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Absperrzaun mit Schild: Betreten verboten
21. und 22. Juli 2009
Die Bergbaubehörde des Landes Sachsen-Anhalt gibt bekannt, dass das Unglücksgebiet vermutlich nie wieder bewohnt werden wird. Die Sicherheitsvorkehrungen um den Concordia See werden verstärkt, weil neue Abbrüche drohen. Zufahrtsstraßen und Wege zu dem 350 Hektar großen See werden mit Bauzäunen und Erdwällen versperrt.
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Ein Abrissbagger reißt in Nachterstedt ein Haus ab
31. März 2013
Der Abriss der Siedlung "Am Ring" beginnt. Zwölf Doppelhaushälften, ein Einfamilienhaus und 48 Nebengebäude müssen weichen. Das Gelände ist bis heute abgesperrt.
Bildrechte: Jens Schlueter/dapd
Dietmar Onnasch und Matthias Siewert (LMBV) stehen mit Lydia Jakobi (MDR INFO) am Concoridasee bei Nachterstedt.
9. Juli 2013
Zwei Gutachten zu den Ursachen des Erdrutsches werden vorgestellt. Beide besagen, dass hoher Druck in Grundwasserschichten unterhalb des Kohleflözes Hauptauslöser des Unglücks war. Ein Gutachter geht davon aus, dass ein Mini-Erdbeben das Unglück mit auslöste. Der Concordia-See bleibt weiter gesperrt.
Bildrechte: MDR/Sven Nowak
Der Concordiasee von oben
23. Februar 2016
Die Staatsanwaltschaft stellt ihre Ermittlungen zu dem Erdrutsch ein. Der Verdacht einer fahrlässigen Tötung habe sich nicht erhärtet. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Verletzung der Sorgfaltspflicht bei der Errichtung oder Pflege der abgerutschten Böschung.  
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An der Abbruchstelle am See steht ein Bagger.
28. Juni 2016
Das Erdreich gerät an einem noch nicht sanierten Teil der Böschung wieder in Bewegung. Zwei schwere Baugeräte rutschen ab, ein Arbeiter kann sich mit leichten Verletzungen retten. Laut Bergamt sind die beiden Vorfälle nicht miteinander vergleichbar. Während bei dem ersten Unglück ganze Häuser abrutschten, habe es sich beim zweiten Fall um die Folge von Rüttel- und Verdichtungsarbeiten gehandelt.
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Seeland-Bürgermeisterin Heidrun Meyer
28. Juni 2017
Ein Jahr nach einem weiteren Erdrutsch in Nachterstedt ist die Aussicht auf touristische Nutzung des Concordia-Sees weiter ungewiss. Bergbausanierer LMBV und das Landesbergamt haben sich aus Sicherheitsgründen gegen eine Freigabe für einen Teil des Sees entschieden. Sie war für dieses Jahr geplant. Die Bürgermeisterin der Stadt Seeland, Heidrun Meyer, ist enttäuscht. Sie sagt, das Seeland-Projekt sei wichtig für die Region. Die Ungewissheit darüber, wann der See genutzt werden kann, sei zermürbend.
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Der Concordia See.
18.07.2018
Neun Jahre nach dem Unglück von Nachterstedt: Noch immer warten Anwohner und Unternehmer auf eine Teilfreigabe des Concordia Sees. Die Sanierung des ehemaligen Tagebaus dauert an.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. Juli 2018 | 09:10 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: Uwe Siegismund
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Luftbild vom Erdrutsch in Nachterstedt vom 19.07.2009. Am Ortsrand von Nachterstedt war eine mehrere hundert Meter breite Böschung mit einem Doppelhaus und einer weiteren Haushälfte in einen Tagebausee abgerutscht.
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In den frühen Morgenstunden des 18. Juli rutschen am teilgefluteten Tagebaurestloch Concordia See etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Erdreich ab. Zwei Häuser der Wohnsiedlung "Am Ring" werden 100 Meter in die Tiefe gerissen.
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