Di 05.06. 2018 22:05Uhr 45:00 min

Das Unternehmen Komsa in Hartmannsdorf in Sachsen.
Das Unternehmen Komsa in Hartmannsdorf in Sachsen. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
MDR FERNSEHEN Di, 05.06.2018 22:05 22:48

Wer braucht den Osten?

Wer braucht den Osten?

Wirtschaft

Film von Ariane Riecker und Dirk Schneider

Folge 2 von 3

  • Stereo
  • Audiodeskription
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel

Als die DDR 1990 der Bundesrepublik beitrat, sollte alles so werden wie im Westen. Die gleiche Währung, die gleiche Wirtschaftsordnung, gleiche Parteien, gleicher Wohlstand - und das möglichst schnell. Doch heute ist klar: Deutschland ist nicht einfach größer geworden. Der Osten hat das gesamte Land verändert. Deutschland wählt anders, lebt und streitet unterschiedlich. Liegt es am Osten, dass es die Wahrheiten der alten Bundesrepublik heute so nicht mehr gibt? Ostdeutschland ist Vorreiter für ein verändertes Wahlverhalten und vielerorts heftig artikulierte Unzufriedenheit, aber auch für gewaltige Veränderungen von Lebens- und Arbeitswelten. Bleibt der Osten das ewige Sorgenkind der Nation, oder bietet sich durch ihn die Chance, alte Denkmuster zu überwinden, Neues zu etablieren? Weckt der Osten gerade den Westen auf? Wer braucht diesen Osten? Die dreiteilige Dokumentation geht diesen Fragen nach.

Bilder zur Sendung

Bilder zur Sendung

 Schriftzug Sendetitel
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
 Schriftzug Sendetitel
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
Trotz der drückenden Altlasten gelingt es Lothar Späth mit seinen Impulsen nicht nur die Jenoptik, sondern auch die marode Stadt Jena zu einer prosperierenden Insel zu machen.
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
Die ostdeutsche Wirtschaft wird neu geordnet – dass es schnell geht, ist anfangs wichtiger als Nachhaltigkeit. Ein Fehler – sagen Experten heute.
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
Die Tafeln in Oschersleben, Wolmirstedt und Haldensleben helfen 4000 Menschen mit Lebensmitteln und Kleidung. Viele von ihnen hat der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft ins Straucheln gebracht.
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
Dass die Sanierung der Ostwirtschaft über 1,5 Billionen Euro kosten wird, ahnt während der Vereinigungseuphorie niemand.
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
Für manche wird die große Reform aber auch zur Armutsfalle. In Ostdeutschland bezieht heute jeder Dritte Niedriglohn oder ist Aufstocker und kann nicht oder kaum von seiner Arbeit leben.
Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs
Alle (6) Bilder anzeigen
Teil 2: Wirtschaft

1990 scheint die Wirtschaft des Ostens für den Westen so unbrauchbar wie der Trabant. Alles wird neu geordnet – nach den politischen und wirtschaftlichen Vorgaben des Westens. Doch der Osten bleibt attraktiv, und zwar als Markt, den die gut aufgestellte Westwirtschaft problemlos mit versorgen kann. Die Folgen der kompletten De-Industrialisierung des Ostens sind bis heute spürbar. Die Ostwirtschaft ist kleinteilig, schwach, forschungsfern - die Steuereinnahmen der Länder und Kommunen reichen an den meisten Orten für kaum mehr als die Hälfte der notwendigen Ausgaben. Ein Ende der Transferleistungen ist nicht in Sicht. Ost- und Westwirtschaft sind weit voneinander entfernt.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Es haben sich mehr Unternehmen entwickelt als Viele denken. Kleinere, mittelständische Strukturen prägen das wirtschaftliche Gesicht des Ostens. Allerdings hätten es noch viel mehr sein können. Einer der Star-Ökonomen dieses Landes, Professor Hans Werner Sinn, kann bis heute seine Erregung kaum zurückhalten, wenn es um die Politik von Staat und Treuhand nach dem Ende der DDR geht. Noch heute bedauert er aus ökonomischer Sicht die fatalen Fehler und vertanen Chancen der Wendezeit, weil das Eigentum der DDR eben nicht an Ostdeutsche verteilt und nur selten an sie verkauft worden ist. Das Ergebnis war eine in der Menschheitsgeschichte einmalige De-Industrialisierung, die am Ende zum Umbau von Arbeitswelt und Gesellschaft im gesamten Land führt: Leiharbeit, prekäre Beschäftigung und Hartz IV wären ohne das Labor Ost kaum denkbar.

Trotz der widrigen Wettbewerbsbedingungen: Es gibt sie, die Helden des Aufbaus Ost. Menschen, die heute dafür sorgen, dass Raumschiffe an die ISS andocken und Autos mit Wasserstoff fahren können, Hidden Champions, die auf dem Weltmarkt gesucht werden, die der Inbegriff dafür sind, wie sehr ein Landstrich kreative Köpfe braucht. Sie zeugen von Selbstbewusstsein, Dynamik, und Konkurrenzfähigkeit. Und vom Stolz auf das Geleistete.

Meistgeklickt in der Mediathek

Dean Reed
Begegnung am Alex mit dem amerikanischen Sänger, Schauspieler und Friedenskämpfer. Dean Reed: Begegnung am Alex. 1972 Bildrechte: MDR/DRA
Verbrannte Mülltonnen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Martin Wendt sitzt auf einem Motorrad.
Martin Wendt ist auf dem Weg zum Fussballtraining Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs