Di 07.08. 2018 19:50Uhr 24:30 min

Stallgeflüster

Doku-Soap von Ute Gebhardt

Folge 2 von 5

Komplette Sendung

Landwirt mit Ziegen im Stall 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 07.08.2018 19:50 20:15
Sie müssen nicht Tausende Liter Milch pro Jahr geben, Fleischnormen erfüllen oder jeden Tag ein Ei legen. Sie müssen nicht schnell wachsen, brauchen kein Spezialfutter, dürfen länger leben und schmecken wunderbar. Sie sind widerstandsfähig gegen Krankheiten, haben einen starken Mutterinstinkt und uralte Gene. Sie sind schön bis exotisch anzuschauen und gaben ganzen Landstrichen ihr Gepräge. Sie führen ein Nischendasein, sind oft vom Aussterben bedroht – die alten Nutztier-Rassen. Sind sie wirklich nutzlos geworden? Ist ihre Zucht nur noch ein Hobby ohne Zukunftschancen? Wer sind die Idealisten, die mit ihnen ihren Lebensunterhalt bestreiten?

Aus jedem Stall mit alten Haustieren weht neben den üblichen Düften ein Hauch von Enthusiasmus. Dabei sind die Stallbewohner hoffnungslos unmodern. Ihre Züchter und Halter müssen schon verrückt sein, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Moderne Landwirtschaft braucht Hochleistungsspezialisten. Als Rind ist man heutzutage entweder nur für Fleisch oder nur für Milch zuständig, früher war man alles in einem und Arbeitstier dazu – ein Dreinutzungsrind also. Als Schwein hat man in 180 Lebenstagen fettfreies Schlachtgewicht zu erreichen. Als Schaf hat man in preisgünstigen Riesenherden in Australien zu leben, und als Ziege ist man sowieso raus – höchstens noch zuständig für hochwertigen Käse. Zugpferde und 1 PS braucht schon gar keiner mehr.

Mit Beginn der Industrialisierung setzte es  ein – das Verschwinden der über Jahrhunderte entstandenen und genutzten Haustierrassen. In den jüngsten 30 Jahren ist es dramatisch vorangeschritten. Wir ernähren uns heute mit nur 30 Nutztierrassen, in der industriellen Milchproduktion sind es zum Beispiel ganze  zwei – Holstein-Friesian und Jersey-Rind.

Mit der Rassenvielfalt verschwinden Geschmack, genetische Reserven, regionale Besonderheiten und Kulturtechniken – ob Waldweide, Schaftrift, Gespannfahren, Pflügen ohne Motor. Und vieles, dessen wir uns meist gar nicht bewusst sind – dass Ziegenmilch für Allergiker hochverträglich ist, dass Rhönschafe oder Heidschnucken kein Scraby bekommen,  dass Eichelmast den ultimativ leckersten Schweineschinken hervorbringt, dass nur der Altdeutsche Hütehund eigensinnige Schafherden in den Griff kriegt, vor denen Border Collies kapitulieren würden.

All das haben die Protagonisten der Doku-Reihe "Stallgeflüster" - Züchter, Halter und Beschützer der alten Haustiere - in einer sehr engen Mensch-Tier-Beziehung im Blick. Autorin Dr. Ute Gebhardt hat sie und ihre deutschen Sattelschweine, Roten Höhenrinder, Altdeutschen Hütehunde, Merino-Langwollschafe, Thüringer Waldziegen und prächtigen Kaltblutpferde vom Winter bis in dem Sommer begleitet. Sie zeigt in der fünfteiligen Doku-Reihe zugleich, wie schwer es ist, mit den alten Rassen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber die Zahl der regionalen Spezialitäten und Attraktionen, die dabei entsteht oder wieder entsteht, wächst und erfreut sich im Kreis der Kenner großer Beliebtheit, höhere Preise hin oder her.

Unsere Drehorte:
Wackenhof, Großenlupnitz, Wechmar, Großkochberg, Westerhausen

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Bilder zur Serie

Kaltblutpferde in einem Stall
Auf dem Pferdehof in Großenlupnitz nahe der Hörselberge lässt sich noch thüringisch-sächsisches Kaltblut finden. Bildrechte: MDR Fernsehen
Kaltblutpferde in einem Stall
Auf dem Pferdehof in Großenlupnitz nahe der Hörselberge lässt sich noch thüringisch-sächsisches Kaltblut finden. Bildrechte: MDR Fernsehen
Ein Mann führt einen Kaltbluthengst
In der Gemeinde Hörselberg-Hainich im thüringischen Wartburgkreis hält Gunder Gernandt diese gemütlichen, starken Arbeitspferde - wie diesen prachtvollen Kaltbluthengst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann auf einem Pferd hinter dem junge Kaltblutstuten galoppieren
Natürlich hoch zu Ross bringt Gunder Gernandt die Kaltblut-Jungstuten auf die Weide. Der ursprünglich rein regionale Schlag (thüringisch-sächsisch) ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts zwar "rheinisch" eingekreuzt, aber es gibt kein Arbeitspferd wie sie. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann führt eine Kaltblutstute durch einen Stall
Gunder Gernandt präsentiert Kaltblutstute Astella beim Thüringer Pferdezüchterverband. Bildrechte: MDR Fernsehen
Ein Mann hält eine Kaltblutstute
Siegerstute Astella - sie wurde ins Zuchtbuch des Pferdezuchtverbands Sachsen-Thüringen e.V. eingetragen. Bildrechte: MDR Fernsehen
Eine Harzer Höhenkuh auf einer Weide
Das Harzer Höhenvieh ist ein typisches Dreinutzungsrind (Fleisch- und Milchlieferant und Arbeitstier) und war bis auf sechs Tiere schon fast verschwunden. Nur durch Zufall fand sich noch eine Kuh mit 100 Prozent ursprünglicher Blutlinie dieses regionalen Schlags des Roten Höhenviehs. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Harzer Höhenkuh und -Bulle bei der Paarung
So gelang die Wiedergeburt der Rasse. Bisher gibt es wieder nur 60 Tiere, doch viele kleine Züchter haben sich ihrer angenommen. Bildrechte: MDR Fernsehen
Eine Frau mit einem Harzer Höhenvieh-Kalb
Eine davon ist Chris Bilobram aus Moorgrund (Wackerhof) in Thüringen, die gerade dabei ist, einen Demeter-Hof aufzubauen... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau steht vor einer Kuhweide
... und sich um Kühe, Schafe, Ziegen, Hühner,... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau fährt Traktor
... die eigene Landwirtschaft... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau holt Brot aus dem Steinofen
... und den Backofen sowie den Hofladen und vieles mehr gleichzeitig kümmert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Imkerin mit Bienenstock
Natürlich darf auch die Bienenzucht und die Imkerei nicht fehlen. Bildrechte: MDR Fernsehen
Ein Mann streichelt einen Harzer Fuchs, im Hintergrund stehen Harzer Ziegen
Peter Gropengießer hält einen Harzer Fuchs und eine Harzer Ziegenherde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Harzer Fuchs, einer der altdeutschen Hütehunde, im Wald
Der Harzer Fuchs gehört zu den altdeutschen Hütehunden. Die sind keine vom Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) anerkannte Rasse. Laut Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) hat sich dennoch unter den Anforderungen der Schäfer ein Hundetyp entwickelt, der sich trotz unterschiedlicher Fell- und Farbschläge sehr gleicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Harzer Ziege frisst Apfelblüten
Die Harzer Ziegen lieben Apfelblüten. Wie der Name schon vermuten lässt, ist deren Verbreitungsgebiet der Harz und sein näheres Umland. Dort übernehmen sie die Landschaftspflege. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Gruppe Harzer Ziegen
Die braunen Harzer Ziegen sie sind Musterbeispiele für Ziegenlandschläge mit ganz unterschiedlichem Aussehen und schon vor Jahrhunderten entstanden. Immer für raue Gebirgsregionen und immer als Mehrnutzungstiere, die selbst kleine Gespanne zogen. Aber die Harzer Ziege ist nicht mehr ursprünglich, sondern bereits in den 1930er-Jahren bis auf wenige Tiere ausgestorben, mit denen eine Nachzucht auf ursprüngliche Merkmale begann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Stallgeflüster | 06. August 2018 | 19:50 Uhr

Ein Mann streichelt einen Harzer Fuchs, im Hintergrund stehen Harzer Ziegen
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