Di 25.09. 2018 20:45Uhr 29:30 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Unsere Wälder - Die Wasserwälder der Mittelelbe

Komplette Sendung

Wasserwald 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 25.09.2018 20:45 21:15
In der Mitte Sachsen-Anhalts, im sanften Elbtal, liegt Deutschlands Amazonas. Ein magischer Ort, an dem noch heute allein das Wasser den Rhythmus des Lebens bestimmt - für Mensch und Natur gleichzeitig - und in dem Extreme so dicht beieinander liegen, wie sonst nirgendwo in Deutschland. Die Launen der Elbe, ihr Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser, bestimmen hier eine ganz besondere wilde Welt. An den Ufern des gewaltigen Stromes erstrecken sich die größten zusammenhängenden Wasserwälder Mitteleuropas. Es sind die Regenwälder unseres Kontinents - archaische Natur, die seit Jahrtausenden von der Elbe lebt.

Die größten Bäume sind 35 Meter hoch und über 500 Jahre alt. Hunderte solcher Giganten säumen noch heute die Ufer der Mittelelbe. Früher gehörten sie zu jedem Fluss dazu. Mittlerweile zählen Wasserwälder zu den gefährdetsten Waldgesellschaften und sind europaweit von Vernichtung bedroht. Über 80 Prozent ihrer Bestände entlang der Flussauen gingen in den letzten 150 Jahren verloren, vor allem durch die Eindeichung der Flüsse. Damit schnitt der Mensch den Wäldern ihr Lebenselixier ab: das Wasser. Dass in Sachsen-Anhalt die Wasserwälder überlebt haben, war Zufall.

"Die DDR wollte seinerzeit auch einmal ein Großschutzgebiet haben. Und die UNESCO hatte 1979 erstmals das Programm der weltweiten Biosphärenreservate ausgerufen. Nicht einmal die Bundesrepublik hatte ein solches Reservat. So war es ein Anspruch der DDR einmal schneller zu sein als der Westen",  sagt Guido Puhlmann, Leiter des Biosphärenreservates Mittelelbe. "So sind dann das Vessertal in Thüringen und der Steckby-Lödderitzer-Forst die ersten deutschen UNESCO-Biosphärenreservate geworden. Interessant ist: Diese Schutzgebiete sind seitdem gewachsen. Das Land oder den Staat, die diese ausgewiesen haben, gibt es nicht mehr."

Etwa 6.000 Hektar Wasserwald blieben so in Sachsen-Anhalt erhalten. Sie erstrecken sich auf einer Länge von 80 Kilometern entlang der Elbe - vom Gartenreich Dessau-Wörlitz bis vor die Tore Magdeburgs. Aufgrund ihres Nährstoffreichtums zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Mehr als die Hälfte aller Tierarten Deutschlands leben in den Auen-Gebieten. Besucher schwärmen: "Der Reiz der Wasserwälder ist einfach der, dass hier noch Natur herrscht, also Natur pur. Eine unverbaute Natur, die man so einfach vor der Haustür findet. Deshalb muss ich auch nicht nach Afrika fahren. Dort ist dasselbe, nur in einer anderen Art und Weise und einer anderen Vielfalt. Aber hier spielt das Leben", so Thomas Hinsche,  Ornithologe und Tierfotograf.

Mittlerweile erfährt der alte Wald auch in anderer Funktion eine Renaissance: als natürlicher Hochwasserschutz. Deshalb soll in den kommenden Jahren noch mehr Wasser in die Auen fließen, weitere Deiche sollen abgetragen und zusätzliche Waldinseln an die Flussdynamik der Elbe angeschlossen werden. Mitteleuropas größte Wasserwälder an Deutschlands großem Strom werden so zukünftig noch weiter wachsen.

Über ein Jahr waren die Naturfilmer Peter und Stefan Simank in den Wasserwäldern der Mittelelbe unterwegs, beobachteten die Besonderheiten der Tierwelt, sprachen mit Naturschützern, Anwohnern und Wissenschaftlern und gingen den Geheimnissen von Mitteleuropas Regenwäldern auf die Spur.

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Flamingos stehen im Teich. 24 min
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Einblicke in die Landschaft der Wasserwälder

Der grüne und blühende Boden im Auwald
Frühlingsblüte im Wasserwald mit Scharbockskraut und Buschwindröschen Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Der grüne und blühende Boden im Auwald
Frühlingsblüte im Wasserwald mit Scharbockskraut und Buschwindröschen Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Der Boden im Auwald ist mit kleinen weißen Blumen übersäht
Etwa 6.000 Hektar Wasserwald gibt es an der Mittelelbe – die größten zusammenhängenden Komplexe ihrer Art in Mitteleuropa. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
ein Biber schwimmt im Wasser
Der Elbebiber ist das größte Nagetier Europas. Über 30 Kilogramm können ausgewachsene Tiere auf die Waage bringen. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
ein Biber mit nassem Fell im Gras
Elbebiber sind die Architekten der Wasserwälder. In den Auen legen sie ihre eigenen Seen an und sorgen so für einen konstanten Wasserstand. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Ein Buntspecht am Baum
Alle sieben in Deutschland vorkommenden Spechtarten brüten in den Wasserwälder – darunter auch Heerscharen von Buntspechten. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
die Rinde einer alten Eiche
Sie wuchsen schon als Martin Luther seine 95 Thesen verkündete – über 500 Jahre haben die Eichen an der Mittelelbe auf dem Buckel. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Die Elbe von oben, wie sie sich durchs Biospährenreservat schlängelt
Die Regenwälder Mitteleuropas In der Mitte Sachsen Anhalts erhebt sich sanft aus dem Elbtal Deutschlands Amazonas – die Wasserwälder der Mittelelbe. Schätzungsweise 10.000 verschiedene Arten teilen sich die Auen als Lebensraum. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Blick auf die Elbe von oben im Biosphärenreservat
Der Steckby-Lödderitzer Forst – die Keimzelle des heutigen Biosphärenreservates Mittelelbe. 1979 wurde es von der UNSECO zum ersten Biosphärenreservat in Deutschland auserwählt. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
zwei kleine Biber werden von einem Menschen gefüttert
"Melone schmeckt …" Nach einem Hochwasser werden immer wieder Jungbiber obdachlos und müssen per Hand augezogen werden. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Ein Mann füttert einen jungen Biber mit einer Nuckelflasche
Peter Ibe ist Biberforscher mit Leib und Seele. Er kümmert sich um die Aufzucht gestrandeter Biberbabys. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Schäfer mit seinen Schafen im Auen-Gebiet
Leben fast wie im Paradies: Mario Wehlitz ist einer der wenigen Wanderschäfer in den Flußauen an der Mittelelbe. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
junge Vögel werden im Nest vom Vogel gefüttert
In der üppigen Vegetation der Hartholzauenwälder erreicht die Vogelwelt ihre größte Artenvielfalt. Einer der typischen Singvögel ist die Mönchgrasmücke. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Die Sonne geht zwischen den Bäumen auf
Sonnenaufgang im Wasserwald bei Steckby: Hier herrscht eine archaische Natur, die seit Jahrtausenden von der Elbe lebt. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
die Sonnenstrahlen scheinen durch den Wald
Die Launen der Elbe, ihr Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser bestimmen hier den Takt des Alltags und schaffen eine wilde Welt, die es so kaum noch ein zweites Mal zu finden gibt. Der hiesige Artenreichtum ist das Ergebnis eines kleinflächigen Mosaiks unterschiedlichster Standortverhältnisse. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Rehbock auf einer Wiese
Wasserwälder und die angrenzenden Auenwiesen sind ein Paradies für Rehe. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
Ein Seeadler beim Greifanflug im Fluss
Ein Seeadler bei der Jagd auf Fisch in den Flussauen der Mittelelbe. Wasserwälder sind ein Eldorado für Seeadler. Mit bis zu 2,50 Meter Flügelspanne ist er der größte Greifvogel Mitteleuropas. Bildrechte: Simank-Film, Stefan Simank
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