Sa 30.03. 2019 11:45Uhr 29:58 min

100 Jahre Bauhaus Beten, Bauhaus, Krankenpflege

Das Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode

Komplette Sendung

Schwester Renate im Interview. 30 min
Bildrechte: MDR / Philipp Bauer
MDR FERNSEHEN Sa, 30.03.2019 11:45 12:15

Einblicke ins Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode

Einblicke ins Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode

Die Außenansicht des Diakonissen-Mutterhauses Neuvandsburg in Elbingerode.
Bis heute hat sich kaum etwas an dem äußeren Erscheinungsbild des Diakonissen-Mutterhauses in Elbingerode verändert. Das ist vor allem der jahrzehntelangen Pflege der dort lebenden Schwestern zu verdanken. Bildrechte: MDR/Philipp Bauer
Die Außenansicht des Diakonissen-Mutterhauses Neuvandsburg in Elbingerode.
Bis heute hat sich kaum etwas an dem äußeren Erscheinungsbild des Diakonissen-Mutterhauses in Elbingerode verändert. Das ist vor allem der jahrzehntelangen Pflege der dort lebenden Schwestern zu verdanken. Bildrechte: MDR/Philipp Bauer
Die Diakonissenschaft bei der Einweihung des Mutterhauses, 1934.
Dadurch konnte das Diakonissen-Mutterhaus bis heute seinen ursprünglichen Charme erhalten. Das zeitlose Zuhause der Schwestern wurde in den 1930er-Jahren vom Bauhaus-Architekten Godehard Schwethelm ganz nach den Wünschen der Schwesternschaft geplant. Von 1931 bis 1934 wurde das Diakonissen-Mutterhaus gebaut. Bildrechte: Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode
Schwester Renate im Interview
Eine dieser Schwestern ist Renate. Ein Erweckungserlebnis brachte sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in das Elbingeröder Mutterhaus. Von da an wusste sie, dass sie ihr Leben in den Dienst Gottes und kranker Menschen stellen muss. Sie sagt: "Das Leben als Diakonisse macht aus, dass wir für andere Menschen da sind." Bildrechte: MDR/Philipp Bauer
Schwester Renate bei den Dreharbeiten
Schwester Renate lebt seit mehr als 60 Jahren im Mutterhaus. Sie war Stationsschwester auf der Inneren Abteilung, leitete die Krankenpflegeschule, und auch in der Suchttherapie war sie tätig. Noch heute hält sie Besinnungen im Krankenhaus ab. Die Hauptaufgabe der Diakonissen in diesen Tagen ist die gegenseitige Pflege untereinander. Das Durchschnittsalter der Schwesternschaft beträgt 79 Jahre. Bildrechte: MDR/Anja Schlender
Dieses Röntgengerät gehörte bereits im Jahr 1976 zur Grundausstattung des Krankenhauses.
Dieses Röntgengerät gehörte bereits im Jahr 1976 zur Grundausstattung des Krankenhauses, das im Mutterhaus integriert war. Meist kamen die teuren Geräte über den Geschenkdienst GENEX aus dem Westen. Die dortige Diakonie unterstützte das Haus in Elbingerode in den Jahren der deutschen Teilung. Bildrechte: Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode
Ein alter OP-Saal im Krankenhaus des Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode.
"Wir kriegten dann dankenswerterweise viele Geräte, die damals in den 1980er-Jahren der Staat nicht aufweisen konnte, zum Beispiel wenn ich an den Sonografen denke, an die Endoskopiegeräte denke, wir sind da reich bestückt gewesen.", erinnert sich Schwester Renate. Die gute technische Ausstattung machte das Krankenhaus bei Patienten beliebt. Es kam sogar oft vor, dass Patienten aus Magdeburg für eine Sonographie nach Elbingerode geschickt wurden. Bildrechte: Diakonissen-Mutterhaus Elbingerode
Der Hausvater und Pfarrer Reinhard Holmer des Diakonissen-Mutterhauses Neuvandsburg in Elbingerode.
Auch der heutige Pfarrer und Hausvater Reinhard Holmer erinnert sich an diese Zeit. Er ist neben dem theologischen Bereich auch für die wirtschaftliche Entwicklung des Mutterhauses verantwortlich. Holmer hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Mutterhaus fit für die Zukunft zu machen. So möchte er gerne das Haus öffnen für Touristen und auch die Suchtarbeit erweitern. Bildrechte: MDR/Philipp Bauer
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Film von Anja Schlender und André Strobel

Mit ihren 84 Jahren dreht Schwester Renate regelmäßig ihre Runden im hauseigenen Schwimmbecken - unten im Keller, direkt unter dem Kirchsaal. Eine architektonische Besonderheit des Diakonissen-Mutterhauses "Neuvandsburg" in Elbingerode. "Ich finde das sehr schön, dass ich in meinem Alter im Wasser meine Glieder bewegen kann", sagt die Diakonisse, eine von 150, die heute noch hier leben. Einst waren es 600. Gebaut wurde ihr zeitloses Zuhause in den 1930er-Jahren vom Bauhaus-Architekten Godehard Schwethelm ganz nach den Wünschen der Schwesternschaft.

Die evangelischen Diakonissen haben ihr Leben dem Dienst an anderen Menschen und dem Glauben verschrieben. So war Schwester Renate lange Zeit Stationsschwester auf der inneren Abteilung im benachbarten Diakonissen-Krankenhaus. Das Haus genoss zu DDR-Zeiten einen hervorragenden Ruf, wie so viele kirchliche Krankenhäuser. "Wir kriegten dankenswerterweise viele Geräte, die damals in den 80er-Jahren der Staat nicht aufweisen konnte. Zum Beispiel wenn ich an den Sonografen denke, an die Endoskopiegeräte denke - wir sind da reich bestückt gewesen", erinnert sich Schwester Renate an die überdurchschnittliche technische Ausstattung, über die das Krankenhaus dank der Unterstützung seitens der Diakonie im Westen Deutschlands verfügte.

Zudem waren die christlichen Krankenhäuser bekannt für einen anderen Geist der Pflege. Gerade in der Suchttherapie war Elbingerode ein Begriff. Aufgebaut hat sie der Psychiater Klaus-Herbert Richter, der besonders die enge Beziehung der Suchtkranken an die Diakonissen hervorhebt: "Es war eine erstaunliche Erfahrung, dass Patienten, egal wie sie vorgeprägt sind, auch glaubensmäßig, ein großes Urvertrauen den Schwestern entgegenbringen. Das war ein großes Geschenk in meinem Leben." Das heutige Diakonie-Krankenhaus, nur 100 Meter vom Mutterhaus entfernt in einem in den 90er-Jahren entstandenen Neubau, hat die Suchttherapie fortgesetzt und zu einer modernen Rehaklinik ausgeweitet.

Was Patienten und Besucher ins Staunen brachte und bringt ist auch die außergewöhnliche, ideenreiche Bauhaus-Architektur des Diakonissen-Mutterhauses. Der Hausvater und Pfarrer Reinhard Holmer schwärmt: "Was mich damals fasziniert hat, war, dass es so gut erhalten war. Im Gesamtkontext der DDR fiel das natürlich besonders auf. Es war einfach noch mal eine Klasse besser, als das, was man normalerweise in der DDR erlebte und kannte, weil es eben auch so gut von den Schwestern gepflegt wurde."

Der Altersdurchschnitt der Diakonissen liegt heute bei 79 Jahren, in wenigen Jahrzehnten wird es keine mehr geben. Bis dahin will Reinhard Holmer das Mutterhaus fit machen für die Zukunft und als einen Ort der Nächstenliebe und Hilfe erhalten.

Der Film entführt den Zuschauer an einen verborgenen Ort voller Schönheit und Geschichte und eine Lebensgemeinschaft, die vielleicht aus der Zeit gefallen scheint und über Jahrzehnte vielen Menschen Halt, Hoffnung und Zuversicht gegeben hat.

Leider haben wir technische Probleme!

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