Grimme-Preis: Publikumsjury 50 Jahre Marler Gruppe
Bildrechte: MEDIEN360G

Die Publikumsjury beim Grimme-Preis wird 50 Happy Birthday, Marler Gruppe!

Wenn es bei Medienpreisen demokratisch und volksnah zugehen soll, ist sie die erste Wahl: Die Publikumsjury. Beim Grimme-Preis, dem wichtigsten deutschen Fernsehpreis, hat jetzt eine der ältesten Publikumsjurys Deutschlands Geburtstag: Die "Marler Gruppe" wird 50. Benannt ist sie nach ihren Mitgliedern – Menschen aus der Stadt Marl im nördlichen Ruhrgebiet, in der der Grimme-Preis seit 1964 zu Hause ist.

Grimme-Preis: Publikumsjury 50 Jahre Marler Gruppe
Bildrechte: MEDIEN360G

Seit 1968 gibt es dort die "Marler Gruppe" als ein Stück gelebter Medienkompetenz. Wie der Grimme-Preis, der vom Deutschen Volkshochschulverband gestiftet wird, sind auch die Marler Gruppe und ihr Publikumspreis Teil der televisionären Volksbildung. Erfunden hat beides der Leiter der Marler Volkshochschule, Bert Donnepp (1914–1995).

In den Ur-Statuten des Grimme-Preises heißt es, eine Aufgabe sei "die Vermittlung der Fähigkeit zum kritischen Lesen und Hören, zum freien Sprechen und zur sachlichen Haltung in Diskussionen und Debatten. Zur politischen Grundbildung gehört auch der richtige Umgang mit Rundfunk, Fernsehen, Film und Presse". In ihrem Jubiläumsrückblick schreibt die Marler Gruppe daher: "Für Donnepp war klar: Medienbildung und die Vermittlung von Medienkompetenz sollten fester Bestandteil der Angebote an den Volkshochschulen sein."

Und bis heute ist die Marler Gruppe ein Kurs der Marler Volkshochschule, aus dem sich nicht nur die Jury für den Publikumspreis bei Grimme speist. Bis zu 40 Menschen aus allen Altersgruppen, Berufen und Milieus treffen sich das ganze Jahr über hier monatlich, um gemeinsam Programm zu sehen und zu diskutieren. "Dazu gehören auch Debatten und Vorträge von Redakteuren aus den Sendern, von Regisseuren oder Autoren", sagt Kurt Langer. Der pensionierte Lehrer ist seit fünf Jahren dabei. Aus dieser großen Marler Gruppe wird dann eine 13-köpfige Publikumsjury beim Grimme-Preis gebildet, die jedes Jahr neben den "professionellen" Jurys aus Medienkritik und Wissenschaft tagt und einen eigenen Preis vergibt.

Quote spielt bei Grimme keine Rolle

"Die Marler Gruppe wird von den Preisträgern des Grimme-Preises sehr wertgeschätzt und zeigt die Verwurzelung des Grimme-Preises in der Stadt Marl", sagt Grimme-Preis-Leiterin Lucia Eskes: "Quote spielt bei Grimme ja keine Rolle, aber die Entscheidungen der Publikumsjury zeigen jedes Jahr aufs Neue, dass die beim Grimme-Preis nominierten Produktionen nicht elitär abgehoben sind, sondern die Zuschauerinnen und Zuschauer begeistern.“

"Die Marler Gruppe ist für den Grimme-Preis sehr wichtig", meint der Medienwissenschaftler Dr. Gerd Hallenberger, der auch für die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen arbeitet. Denn der professionelle Blick aus Medienkritik oder Wissenschaft sei ein ganz anderer als der von Zuschauerinnen und Zuschauern. "Fernsehen ist ja eine Kunst, die nach dem Prinzip 'learning by doing' entsteht – wer fernsieht, lernt auch immer etwas über das Fernsehen", so Hallenberger.

Die Schülerin Anna Marks, die 2017/18 zum ersten Mal dabei war und selbst eher Filme und Serien bei Streamingdiensten schaut, war vor allem von den Diskussionen in der Gruppe beeindruckt: "Es ist schon interessant, weil zum Beispiel ältere Menschen ganz anders fern gucken als wir Jüngeren und auf ganz andere Sachen achten. Deshalb waren auch die Diskussionsrunden über das Gesehene sehr spannend."

Grimme Preis und Werner Arndt
Bildrechte: MEDIEN360G

Do 19.04.2018 17:45Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/medien360g/wissen/video-191384.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

2018 hat übrigens die ZDF-Produktion "Eine unerhörte Frau" über den Kampf einer Mutter um ihre kranke Tochter, deren Krankheitssymptome von den Ärzten nicht ernst genommen werden, den Publikumspreis gewonnen. Es war ein Film, der von der "professionellen" Jury nicht mit einer Auszeichnung bedacht wurde.

Mark Blumberg hat bei der Marler Gruppe bereits als Schüler angefangen und gehört jetzt schon seit 20 Jahren dazu: "Da entwickelt man schon eine ganze Menge Kompetenz, was das Fernsehen angeht – wichtig ist aber, dass man nie die Perspektive des Publikums vergisst."

"Die Marler Gruppe ist sehr wichtig – hier gibt es den kritischen Mediendialog der Bürgerinnen und Bürger", resümiert auch Marls Bürgermeister Werner Arndt: "Das ist eine Art Bürgerinitiative für gutes Fernsehen".

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2018, 12:43 Uhr

Mehr zum Thema

Grimme Preis und Dr. Gerd Hallenberger
Bildrechte: MEDIEN360G

Do 19.04.2018 17:45Uhr 02:08 min

https://www.mdr.de/medien360g/wissen/video-191380.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Grimme Preis und Mark Blumberg
Bildrechte: MEDIEN360G

Do 19.04.2018 17:45Uhr 01:38 min

https://www.mdr.de/medien360g/wissen/video-191382.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video