Blue Whale Challenge Teaserbild
Bildrechte: MEDIEN360G

"Blue Whale Challenge" Ein Beispiel für das Versagen der Medien?

Angeblich kursiert ein Trend im Netz, der vor allem Jugendliche anspricht: Ein perfides "Spiel", das Kindern 50 Tage lang Aufgaben stellt: nächtliche Unternehmungen, Mutproben, Selbstverletzungen. Bis hin zur letzten Aufgabe: dem Suizid. Die Existenz des Spiels ist nicht bewiesen – dennoch haben zahlreiche Medien relativ unkritisch darüber berichtet. Und das hat Folgen.

von Johanna Kiesler

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Es liest sich wie eine Gruselgeschichte und geistert seit Monaten durch das Netz. Fotos zeigen aufgeritzte Arme mit Walsymbolen, Videos untermalen mystisch schwebende Wale mit düsterer Musik. Und Medien berichten von einem Spiel, das Kinder in den Selbstmord treibt. Gesehen hat dieses Spiel noch niemand und doch scheint es allgegenwärtig. Die Polizei warnt, Eltern geraten in Panik, Jugendliche schicken sich gegenseitig Kettenbriefe auf WhatsApp, die auf das Spiel aufmerksam machen. Auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken findet der Hashtag #bluewhale oder #blauerwal mehr und mehr Anklang. Faszinierte Jugendliche treffen sich in Gruppenchats, sinnieren über den Suizid und fragen nach einem Link, der sie zu dem angeblichen Spiel leiten soll. Ein beunruhigender "Trend" - an dem Medien nicht ganz unschuldig sind.

Denn für sie ist dieses Thema gleich mehrfach von Bedeutung.

Es geht um ein Tabuthema. Über Suizid soll "zurückhaltend" berichtet werden. Ohne Details, ohne Namen, ohne Heroisierung der Verstorbenen. So steht es im Pressekodex. Doch wer hält sich daran?

Es geht um ein nicht bestätigtes Gerücht. Bilder, Indizien und Berichte finden sich in Scharen. Ihre Verifizierung gestaltet sich schwierig. Verzichtet man in diesem Fall also lieber auf die Berichterstattung, um die Entstehung von "Fake News" zu vermeiden?

Es ist Clickbaiting vom Feinsten. Die Thematik lässt aufhorchen und verleitet zum Weiterlesen. Also gerade für Onlinemedien, die sich über Werbung finanzieren: Pures Geld.

Was also tun? Wie geht verantwortungsvolle Berichterstattung bei einem solch sensiblen Thema? Wie lässt sich ein Nachahmungseffekt verhindern? Was tun gegen Medien, die sich nicht an den Pressekodex halten? Und wie vermittelt man Jugendlichen Medienkompetenz, um sie auf solche Herausforderungen vorzubereiten?

In einer Reihe von Experteninterviews ist MEDIEN360G diesen Fragen auf den Grund gegangen. Dabei ist eine medienpädagogische und medienkritische Auseinandersetzung mit der "Blue Whale Challenge" entstanden - exemplarisch dafür, welche Verantwortung Medien haben und wie sie mit ihr umgehen.

Multimedia-Angebot

Informationen, Analyse und Kritik

Informationen, Analyse und Kritik

Im Zusammenhang mit der "Blue Whale Challenge" ergeben sich zahlreiche medienethische und gesellschaftspsychologische Fragen, die weit über die konkrete Thematik hinausgehen. Vier Experten gehen ihnen auf den Grund.

Experten

Martin Korte im Low Poly Stil
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Michael Kroll im Low Poly Stil
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Juliane Wiedemeier im Low Poly Stil
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Journalistin und Bloggerin Juliane Wiedemeier

Juliane Wiedemeier

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Bernd Schorb als Low Poly Grafik
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Podiumsdiskussion

Was könnte man besser machen?

Was könnte man besser machen?

Eine Gesprächsrunde sollte sich vor allem mit konkreten Lösungsansätzen befassen. Welche Fehler können Eltern, Pädagogen und Journalisten machen - aber auch: Wie können sie diese künftig vermeiden?

Podiumsdiskussion "Blue Whale Challenge" Teaserbild
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Mit Autorin Elisabeth Lehmann, dem Kinder- und Jugendpsychiater Dr. med. Michael Kroll und der Social Media-Expertin Juliane Leopold wurde die Problematik kritisch diskutiert.

Mo 26.02.2018 14:36Uhr 62:54 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienkritik/video-178378.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Gesprächsteilnehmer

Dr. med. Michael Kroll Teaser
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Juliane Leopold Teaser
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Social-Media-Expertin Juliane Leopold

Juliane Leopold

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Elisabeth Lehmann Teaser
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Boris Lochthofen Teaser
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Direktor MDR Landesfunkhaus Thüringen Boris Lochthofen

Boris Lochthofen

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Recherche zum Thema "Blue Whale Challenge"

Über die Recherche einer Journalistin

Über die Recherche einer Journalistin

Die Autorin Elisabeth Lehmann beschäftigte sich über mehrere Monate mit dem Thema "Blue Whale Challenge".
MEDIEN360G hat sie bei ihrer Recherche begleitet und mit ihr die Arbeit an dem sensiblen Thema reflektiert.

Teaserbild zum Film "Anfang"
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Teaserbild zum Film "Galina"
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Teaserbild zum Film "Budejkin"
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Teaserbild zum Film "Zwischenstand"
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Teaserbild zum Film "Abschlussinterview"
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Teaserbild zum Film "Anfang"
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Teaserbild zum Film "Budejkin"
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Teaserbild zum Film "Abschlussinterview"
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