Kopfhörer mit Schriftzug "Behind the Sound"
Bildrechte: MEDIEN360G

Behind the Sound Klangwelten – Menschen die Geräusche machen

Ein Großteil der Geräusche, die uns tagtäglich umgeben, sind bewusst gestaltet. Es geht um emotionales Beeinflussen im Produktdesign, um dramaturgische Gestaltung in den Medien und um das Vermitteln von Traditionen über jahrhundertealte Klänge. In fünf Portraits über Menschen legen wir ein Ohr an Geräusche, Klänge und Melodien.

von Dominik Braun

Kopfhörer mit Schriftzug "Behind the Sound"
Bildrechte: MEDIEN360G

Keinen unserer Sinne benutzen wir so unbedarft, wie das Hören. Dabei sind unsere Ohren immer an. Das Gehirn bekommt laufend Informationen vom Trommelfell und ist, egal ob wir schlafen oder wach sind, immer damit beschäftigt herauszufinden, was davon wichtig ist und was es sich zu überhören lohnt.

Wir beginnen und beenden unsere Tage mit dem Hörsinn: Wir wachen auf, weil unser Unterbewusstsein sagt „so klingt der Wecker, dieses Geräusch ist wichtig, jetzt musst Du wach werden“. Kurz vorm Schlafen gehen erleben wir Momente größter Stille. Wir hören uns, manchmal störend laut, selbst atmen; das sanfte Knistern von Kissen und Decke gibt uns ein Gefühl von Ruhe und Entspannung, und kurz vorm Einschlafen ist die Welt so still, dass man durch drei geschlossene Türen jemanden im Treppenhaus hören kann, als schliefe man direkt hinter der Wohnungstür.

In diesen Momenten konzentrieren wir uns manchmal auf Geräusche, vergleichen das eigene Atmen mit dem des Partners, fragen uns, ob die Stufen im Treppenhaus schon immer so geknarzt haben und ob das kaum hörbare, rhythmische Geräusch eine Alarmanlage ein paar Straßen weiter sein könnte.

Die Abwesenheit von Verkehrslärm, spielenden Kindern im Hof und Musik aus dem Küchenradio macht es erst möglich, dass wir uns auf die wenigen Geräusche, die wir dann noch hören, konzentrieren können.

Einmal eingeschlafen, schaffen es unsere Ohren sogar, unsere Träume zu beeinflussen. Geräusche verändern, was wir träumen, oder werden im Traum plötzlich auftretenden Ereignissen zugeordnet.

Der Cocktailparty-Effekt

Ganz anders zeigt sich unsere auditive Wahrnehmung tagsüber. Das Trommelfell leitet ungefiltert alle akustischen Signale ins Hörzentrum weiter, das den Großteil der ankommenden Geräusche für unwichtig erklärt. Signale, die mit unserer aktuellen Tätigkeit in Verbindung stehen werden bevorzugt, die Richtung des einfallenden Schalls und visuelle Bezüge spielen eine entscheidende Rolle. Psychoakustische Effekte wie z.B. der Cocktailparty-Effekt, der dafür sorgt, dass wir unser Gegenüber auch in eigentlich viel zu lauten Umgebungen noch verstehen, machen unser Gehör erst praktikabel, aber auf Herkunft, Klang und Wirkung von Geräuschen lassen wir uns, außer beim Musik machen und hören, fast nie ein.

Wesentlich eindeutiger funktioniert diese Verknüpfung von Sinneseindruck und Herkunft bei anderen Arten unserer Wahrnehmung: Steht zu Hause das Lieblingsessen auf dem Tisch, überschlagen sich Geruchs- und Geschmackssinn, und uns ist vollkommen bewusst, wer dafür verantwortlich ist und dass zum Essen eben auch Einkaufen und Kochen gehören. Begegnen wir im Urlaub interessanter Architektur, ist uns sofort bewusst, dass sich hier irgendwann einmal jemand Gedanken gemacht, geplant und gebaut haben muss. Die direkteste Verbindung zwischen Ursache und Wirkung erfahren wir täglich über unseren Tastsinn: ein Händedruck, eine Umarmung, der Fußzeh, der gegen den Türrahmen stößt.

Auch ein Großteil der Geräusche, die uns tagtäglich umgeben und die wir ertragen müssen, ob wir nun wollen oder nicht, sind bewusst gestaltet. Dabei geht es längst nicht nur um Marken und deren Wiedererkennung, wie zum Beispiel das Anschaltgeräusch eines Windows PC´s oder die fünftönige Jingle-Melodie der Telekom, die man jetzt für einen Moment im Ohr hat. Vielmehr geht es um emotionales Beeinflussen im Produktdesign, um dramaturgische Gestaltung in den Medien und um das Vermitteln von Traditionen über jahrhundertealte Klänge. Sehr viel von dem, was in unserer Umgebung hörbar ist, wird bewusst gestaltet.

In fünf Portraits über Menschen, die mit dafür verantwortlich sind, dass unsere Umwelt so klingt, wie wir sie hören, legen wir ein Ohr an Geräusche, Klänge und Melodien, die wir meistens als einfach so gegeben empfinden, ohne weiter darüber nachzudenken.

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2018, 17:14 Uhr