Behind the Sound Martin Langenbach – Der Geräuschemacher

In einem fesselnden Film sind die passenden Geräusche mindestens genauso wichtig wie Schauspieler und Filmmusik. Häufig werden die Soundschnipsel erst nach dem Dreh hinzugefügt – und entstehen auf wundersame Weise: Einen Einblick in die Welt der Geräuschemacher gewährt Martin Langenbach in seinem Hamburger Tonstudio.

Es riecht wie auf Omas Dachboden: nach trockenem Holz, lange eingelagerter Kleidung und alten Haushaltsgegenständen. Die Vielfalt der großen und kleinen Kisten, Masken, Koffer, Kleidungsstücke sowie Holz- und Stahlträger verwirrt auf den ersten Blick. Auf den zweiten auch. Neben einem Autositz lehnt ein altes Gewehr, in der Mitte des Raumes steht ein kniehohes Wasserbecken. Was bei gedimmtem Licht mehr und mehr wirkt wie ein kleiner Hallenflohmarkt, ist der Arbeitsplatz von Martin Langenbach. 

Klack-, Zisch- und Gluckergeräusche

An einer Seite des zwei Stockwerke hohen Raumes ist ein Fenster, dahinter liegt der andere Teil seines Arbeitsplatzes: ein Bildschirm, große Lautsprecher und ein Mischpult. In diesem überschaubaren Tonstudio wird die Arbeit aus der kleinen Flohmarkthalle fortgeführt. Auf dem Bildschirm schleudern gerade zwei traditionell gekleidete Kinder Steine an Wände und in Felsschluchten des afghanischen Hochlandes. "Zisch"; nach einem peitschenden Geräusch erschlafft die Steinschleuder, kurz darauf ertönt ein weit entferntes "Klack", der Stein prallt gegen einen Felsen und rollt langsam herab. Schnitt. Zwei Männer in Kurtans sitzen neben einer kleinen Feuerstelle und gießen Tee ein. Es gluckert, die kleinen Teegläser klappern auf dem Tablett.

Stop. Beide Szenen laufen erneut. Das Kind schleudert den Stein, die Männer schenken Tee ein, aber man hört nur ein leises Rauschen und kaum wahrnehmbare Geräusche zu dem, was man sieht. Martin Langenbach öffnet Tonspuren unter dem Film und schiebt die Klack-, Zisch- und Gluckergeräusche ein paar Millisekunden hin und her, lässt die Szene erneut laufen und springt zufrieden zur nächsten Szene. Die Geräusche, die er gerade unter einen Spielfilm montiert, hat er alle selbst aufgenommen. Unten in seinem Studio, dass man so leicht mit dem Flohmarkt verwechseln könnte. Über 20 Filme und Hörspiele vertont er hier jedes Jahr mit Geräuschen.

Das Geräusch – die wichtige Nebensache

So gut wie alle professionellen Filme und Hörspiele werden mit dieser Art der Nachbearbeitung versehen. Geräuschemacher oder 'Foley Artist' heißt dieser Beruf, den in Deutschland nur eine Hand voll Menschen ausübt. Weil am Set viele Geräusche nicht oder nur schlecht mit aufgezeichnet werden, ist Nachbearbeitung nötig. Die Sprachverständlichkeit muss am Filmset garantiert sein, aber um klappern, knistern und gluckern können sich die Toningenieure und -assistenten während den Szenen oft nicht kümmern.

Dennoch sind die scheinbar nebensächlichen Geräusche oft die, die den Handlungen das besondere Etwas verleihen. Es geht um Überraschung, Dramaturgie und Blickführung. Jemand schleicht durch den Wald und wird nur entdeckt, weil er auf einen Ast tritt. Leise Tritte, Rascheln von Laub und Gras und ein plötzliches Knacken. Alltag für Martin Langenbach, der unzählige Paar Schuhe und die verschiedensten Bodenbeläge in seinem Studio hat.

Eine Pferdekutsche rast über Kopfsteinpflaster an einem Steilhang entlang, um ihren Verfolgern zu entfliehen. Im Inneren der Kutsche angsterfülltes, lautes Geschrei. Dem Zuschauer wird die Gefahr durch lautes Klacken der metallbeschlagenen Kutschenräder auf dem Kopfsteinpflaster unbewusst deutlich gemacht. Die Angst der Insassen kann man sehen, das ist die schauspielerische Leistung, aber das Gefühl für Geschwindigkeit, Größe und Stabilität der Kutsche entsteht durch ihren Sound.

Regen aus dem Gartenschlauch

Ein Grabstein, schwarze Limousinen fahren hinter der Friedhofskapelle entlang, am offenen Grab stehen die Trauergäste unter schwarzen Regenschirmen, es regnet. So, wie es jedes mal regnet, wenn jemand in einem Spielfilm beerdigt wird. Weil es einfach so gut passt, wenn es auf Beerdigungen regnet, weil es einem Leid und Schmerz noch tiefer einreibt, wenn nicht nur die Hinterbliebenen, sondern auch der Himmel weint. Ein bisschen komisch ist die Vorstellung schon, dass hinter der traurigen Beerdigungszene jemand wie Martin Langenbach in einem Studio steht und mit einem Gartenschlauch und einer Brause Schirme, Planen und Bodenplatten bewässert.

Bildergalerie Behind the Sound: Martin Langenbach – Der Geräuschemacher

Martin Langenbach in seiner "Geräuschewerkstatt"
Bildrechte: MEDIEN360G
Martin Langenbach in seiner "Geräuschewerkstatt"
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