Das MEDIEN360G-Gaminglexikon Smurfen – Wenn Schlümpfe zocken

„Sagt mal, wo kommt ihr denn her?“ – Das werden wir nie herausfinden, denn hier wird gesmurft.

Schriftzug "Smurfen" auf schwarzer Stadtsilhouette von Leipzig 1 min
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„Sagt mal, wo kommt ihr denn her?“ – Das werden wir nie herausfinden, denn hier wird gesmurft.

Mo 13.08.2018 14:20Uhr 01:17 min

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smurfen [smɜːfɘn], Verb

Klein, blau, weiße Mützen: Jeder kennt die Schlümpfe aus Comics, Fernsehen oder Kino. Sie sind fester Bestandteil der Popkultur. Dass sie allerdings bis in die Gamersprache vorgedrungen sind, wissen die wenigsten. Das Verb „smurfen“, englisch für „schlumpfen“, steht für das Erstellen weiterer Spiel-Accounts neben dem Haupt-Account eines Spielers in einem Onlinespiel. Ein Account, also die Registrierung, ist bei vielen Onlinespielen zwingend notwendig und zeichnet den Erfolg des Spielers auf. Ein Echtzeitstrategiespiel beispielsweise findet einen passenden Gegner für einen Spieler, indem es die im Account hinterlegte Statistik über die Erfolge des Spielers abfragt und ihm einen anderen Spieler als Gegner zuteilt.

Warum also die Mühe?

Sogenannte Smurf-Accounts, also zusätzliche Registrierungen auf den Spielservern, sind besonders verbreitet unter Spielern, die in einem bestimmten Spiel außergewöhnlich gut sind. Mit einem solchen Zusatz-Account kann ein guter Spieler aus Spaß gegen Anfänger spielen. Normalerweise würden diese ihm vom Spielsystem nie als Gegner zugeteilt werden. Wenn also einer der Top-Spieler zur Abwechslung mal nicht gegen die anderen Top-Spieler antreten möchte, sondern sich einen Spaß erlauben oder etwas Neues ausprobieren will, dann erstellt er einen zweiten Account, um „von vorne“ anzufangen und gegen Anfänger, sogenannte Newbies, spielen zu können.

Und warum die Schlümpfe?

Über die Herkunft des Begriffs „smurfen“ herrscht Unklarheit. Eine Theorie ist: Besonders in der Anfangszeit der Comics sahen alle Schlümpfe exakt gleich aus. Man konnte also keinem der Schlümpfe ansehen, ob er in etwas besonders gut ist. Alle waren gleich groß, gleich dick oder dünn und hatten auch sonst keinerlei äußerliche Merkmale wie etwa große Muskeln. Nur die Namen unterschieden sie. Man konnte ihnen nicht ansehen, ob sie gut im Beerensammeln oder im Häuserbauen waren. Ganz ähnlich ist es bei Videospielen: Hier sehen alle Spieler-Accounts direkt nach Erstellung genau gleich aus und man kann dem dahinter stehenden Spieler seine Expertise in dem Spiel nicht ansehen. Wenn er einen neuen Namen annimmt, ist er wieder Teil der großen Masse und kann nicht zugeordnet werden. So viel zur Theorie. Eine Legende wiederum besagt, dass zwei sehr berühmte und ausgezeichnete Spieler des Echtzeitstrategiespiels Warcraft 2, die Mitte der 90er-Jahre unter den Namen Shlonglor und Warp spielten, sich einen Spaß erlauben wollten und anfingen, mit Zweit-Accounts gegen unerfahrene Gegner zu spielen. Die ersten Alternativ-Namen, die ihnen dafür einfielen waren Papa Smurf und Smurfette – also Papa Schlumpf und Schlumpfine. Ironischerweise übrigens die einzigen Schlümpfe, die durch ihr Äußeres von den anderen Schlümpfen unterschieden werden können.