"Händel-Experiment" Wie Schüler das Improvisieren lernen

Selber improvisieren – und das zusammen mit einer Profi-Pianistin: Diese Gelegenheit hatten Schüler des Lessing-Gymnasiums in Hoyerswerda. Im Rahmen des "Händel-Projekts" durften sie gemeinsam mit Ragna Schirmer musizieren und von ihr so manches über den barocken Komponisten lernen.

von Johanna Kiesler

Frau und Junge am Klavier 5 min
Bildrechte: MDR/Johanna Kiesler

05:18 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienkultur/video-175370.html

Rechte: MEDIEN360G

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Video

Zu Besuch im Lessing-Gymnasium in Hoyerswerda. Etwa 20 Schüler lauschen gebannt dem Spiel der Pianistin Ragna Schirmer. Auf dem Spielplan: Georg Friedrich Händel.

Die Jugendlichen sind Teil eines ganz besonderen Projekts: Das "Händel-Experiment" soll Jugendliche mit dem Komponisten vertraut machen und sie schrittweise an das Improvisieren heranführen. Nach einigen einleitenden Worten zu Händel sind die Schüler selber dran: Sie sollen genau zuhören, was sie aus der Musik des Barockkünstlers herauslesen können, welche Emotionen in welchen Sätzen einer Suite deutlich werden. Und schließlich greifen sie selbst zu ihren Instrumenten: Geige, Akkordeon, Flöte, Gitarre, Klavier – die Passacaglia wird gemeinsam vielstimmig musiziert. "Und jetzt müsst ihr improvisieren!" fordert Ragna Schirmer die Jugendlichen auf. Wer sich traut, darf die Melodie variieren – für viele Schüler ein einzigartiges Erlebnis.

Wie man mit ganz einfachen Mitteln etwas so Schönes machen und wie ganz viele Instrumente mit verschiedenen Verzierungen und Melodien zu einem Ganzen zusammenkommen können, das war schön.

Sarah Claudia Müller, 17 Jahre alt

Händel eigne sich ganz besonders gut, um mit Hilfe seiner Musik das Improvisieren auszuprobieren, meint Schirmer.

Ich habe auch durch Händel das Improvisieren gelernt. In der klassischen Ausbildung war alles genau festgelegt, aber bei der Aufnahme der Händel-Suiten hatte ich plötzlich Freiheiten: Da stehen dann nur Akkorde in den Noten und man soll damit irgendwas machen. Das musste ich für mich auch erstmal lernen, den Mut zu haben, zu improvisieren. Aber je mehr man das macht, umso mehr Spaß macht es dann auch.

Ragna Schirmer, Pianistin

Für die Pianistin und Musikpädagogin ist die Arbeit mit Jugendlichen immer wieder ergreifend. Besonders wichtig ist ihr, dass sich junge Menschen für verschiedene Musikrichtungen begeistern können und nicht kategorisch trennen zwischen "E und U", also Ernster Musik und Unterhaltungsmusik.

Diese Trennung kategorisiert, wo nicht kategorisiert werden darf und trennt, was nicht getrennt werden darf. Wir haben Samstag abend Talentsingshows im Fernsehen und in der sogenannten avantgardistischen Neuen Musik riesige Hallen, in denen fünf Zuhörer sitzen. Das passt nicht zusammen.

Ragna Schirmer, Pianistin

Wenn sich junge Leute für klassische Musik interessieren, freut sie sich. Und Workshops wie dieser in Hoyerswerda machen ihr Mut, dass es gelingen könnte, die sogenannte Hochkultur wieder in den Alltag zu integrieren und so zu etwas ganz Selbstverständlichem zu machen. Einige der Schüler haben auf jeden Fall Lust bekommen und wollen sich auch zukünftig mit Händel auseinandersetzen. Und natürlich improvisieren.

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 10:28 Uhr