Medien in Stadt und Land Stadtluft macht informierter

In unserer Informations- und Mediengesellschaft kommt dem Medienangebot eine hohe Bedeutung zu. Schließlich interessieren sich die meisten Menschen besonders stark für das, was im Alltag direkt vor ihrer Haustür oder an ihrem Arbeitsplatz passiert. Solche lokale Information ist außerdem sehr wichtig für die demokratische Teilhabe. Wie aber sieht es hier in den Städten und im ländlichen Raum aus?

Das Rückgrat der Informationen vor Ort liefern in ganz Deutschland immer noch die Lokalzeitungen. Doch denen geht es vor allem auf dem Land finanziell immer schlechter. Denn die Abozahlen sinken, was gerade in dünn besiedelten Gegenden zum Problem wird, wo die Nachfrage schon immer nicht gerade üppig war. Eine Studie aus dem Jahr 2020 sagt voraus, dass bis 2025 rund 40 Prozent der heute noch existierenden Lokalteile verschwinden könnten, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr lohnen.

Stirbt die Lokalzeitung, drohen lokale Nachrichtenwüsten. Im Trend liegt auch, immer größere Gebiete zu Regional- oder Lokalausgaben zusammen zu legen, so dass es vor allem über kleinere Orte und Gemeinden kaum noch regelmäßige lokale Berichterstattung gibt. Lokale Online-Angebote oder Lokal-TV und -Radio sind dabei oft auch keine wirkliche Alternative. Denn tatsächlich stammen auch im Netz oder im Lokalradio sehr viele der lokalen Informationen wieder aus der Lokalzeitung.

Studie über Wirtschaftlichkeit der Zeitung Zustellung der Tageszeitungen 2020 | 2025

Deutschlandkarte mit wenigen farbigen Punkten.
Bildrechte: MDR MEDIEN360G / Schickler 2020 - Standortanalyse der Zustellung für Tageszeitungen in Deutschland
Deutschlandkarte mit wenigen farbigen Punkten.
Bildrechte: MDR MEDIEN360G / Schickler 2020 - Standortanalyse der Zustellung für Tageszeitungen in Deutschland
Deutschlandkarte mit vielen farbigen Punkten.
Bildrechte: MDR MEDIEN360G / Schickler 2020 - Standortanalyse der Zustellung für Tageszeitungen in Deutschland
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Lokales Informationsangebot geht zurück

Schon heute sagen viele Menschen, das lokale Informationsangebot in ihrer Region habe in den letzten Jahren abgenommen. Besonders betroffen ist Thüringen. Hier gaben rund ein Drittel der Teilnehmenden an einer Umfrage von MDRfragt an, dass sich ihre „Nachrichten-Versorgung“ verschlechtert habe.

Zwar sind immer mehr Menschen bereit, auch online für Nachrichten und Journalismus zu bezahlen. Aber das reicht längst nicht, um die Summen aufzubringen, die eine klassische Lokalredaktion kostet. Außerdem kommt in vielen ländlichen Regionen noch ein weiterer Pferdefuß dazu. Weil schnelles Internet fehlt, können digitale Angebote gar nicht optimal genutzt werden.

In der Großstadt ist das Angebot in der Regel besser als auf dem Land. Denn im ländlichen Raum ist auch die Finanzierung solcher Angebot beispielsweise durch Werbung erheblich schwieriger, wenn nicht gleich unmöglich. Deswegen sind hier auch zumeist Menschen am Start, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich um lokale Nachrichten und Informationen kümmern.

Kaum Vielfalt auf dem Land

Gerade in kleineren Orten und im ländlichen Raum mangelt es so an Vielfalt, die für eine demokratische Gesellschaft aber immens wichtig ist. Dies ist auch das Fazit der Medienwissenschaftlerin Wiebke Möhring von der TU Dortmund, die seit Jahren zum Thema Lokaljournalismus forscht. Denn eigentlich beziehen die Menschen ihre Nachrichten aus einem Mix verschiedener Informationsquellen und bilden sich dann ihre Meinung. „Insbesondere in Großstädten kann sich dieses lokale Repertoire aus sieben, acht oder neun verschiedenen Quellen zusammensetzen. In kleineren Städten bleibt natürlich nur das, was vorhanden ist“, so Möhring im Gespräch mit MDR MEDIEN360G: „Es sind manchmal tatsächlich nur eine Lokalzeitung und die Gespräche beim Bäcker.“

Die Politik hat das Problem erkannt, tut sich mit einer Lösung aber schwer. Denn das Thema Presseförderung ist in Deutschland umstritten. Ursprünglich sollte dieses Jahr ein Förderprogramm für die digitale Transformation von Zeitungsverlagen anlaufen. Doch die vom Bundestag bewilligten 220 Millionen Euro bleiben fürs erste im Staatssäckel. Es gab Streit darüber, was genau gefördert werden und wie das Geld verteilt werden sollte. Dazu kamen noch rechtliche Bedenken des Bundesrechnungshofs.

Staatliche Förderprogramme

Mitte Oktober hat die Staatsministerin für Kultur und Medien, die CDU-Politikerin Monika Grütters, ein eigenes Förderprogramm aufgelegt. Dieses ist aber auf eine Million Euro und wenige Projekte beschränkt. In Brandenburg fördert die dortige Landesmedienanstalt seit diesem Jahr 35 lokaljournalistische Projekte. In Sachsen konzentriert sich die zuständige Landesmedienanstalt SLM auf die Regionalfernsehsender, die in Zukunft einen Satelliten-Platz gefördert bekommen. 790.000 Euro gibt die SLM dafür in den nächsten drei Jahren an Fördermitteln.

Und noch ein bisschen weiter im Norden haben die Macherinnen und Macher des Magazins Katapult aus Greifswald noch ambitioniertere Pläne, die ganz ohne staatliche Förderung auskommen. Sie haben per Crowdfunding Geld eingesammelt, um selber Lokaljournalismus in Mecklenburg-Vorpommern zu machen: Im Netz - aber auch ganz klassisch als gedruckte Zeitung.