"Wir sind auch nicht bereit, jeden Preis für Sportrechte zu zahlen."

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky im Interview über die Stellung der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten im Sportrechtepoker.

Axel Balkausky hält einen WM-Ball, 2014
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Wer entscheidet bei der ARD wie viel Geld in Sportübertragungsrechte investiert wird?

Der Erwerb von Sportrechten innerhalb der ARD unterliegt verschiedenen rundfunkrechtlichen Vorgaben und Kontrollen. So wird der von den Verantwortlichen für Sport ermittelte Finanzbedarf durch die Finanzkommission und die Intendantinnen und Intendanten der ARD geprüft und genehmigt. Die Bewirtschaftung und Abrechnung des ARD-Sportrechte-Etats ist festen Richtlinien unterworfen.

Die Einhaltung des Grundsatzes von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit wird im ersten Schritt bei der Anmeldung des Finanzbedarfs der ARD durch die KEF überwacht und im zweiten Schritt durch eine umfassende Kontrolle der Landesrundfunkanstalten sowie der SportA durch die Rechnungshöfe gewährleistet. Bei den programmlich wie wirtschaftlich wichtigsten finanzrelevanten Sportrechten - derzeit Ski alpin und nordisch, Biathlon, Fußball-WM, Fußball-EM, Fußball-Bundesliga, Fußball-DFB-Pokal und -Länderspiele - kommt der Erwerb dieser Sportrechte durch die ARD bzw. durch die SportA nur auf Basis der Zustimmung durch die jeweils zuständigen Gremien der Landesrundfunkanstalten der ARD zustande.

Mit Blick auf den Programmauftrag: Wieso werden so hohe Summen für die Rechte an der Berichterstattung über Spitzensport in der ARD ausgegeben?

In welcher Höhe Kosten vom jeweiligen Rechtegeber für Sportrechte aufgerufen werden, hängt extrem von der Marktsituation ab. Auch die ARD muss sich in gewisser Hinsicht den Gesetzen des Sportrechtemarktes unterwerfen, wir können nicht die Preise diktieren und haben tatsächlich vor dem Hintergrund, dass es immer mehr potente und flexible Wettbewerber um bedeutende Sportrechte auf dem Markt gibt, immer weniger Einfluss darauf. Allerdings gibt es Grenzen, denen die ARD unter anderem aufgrund der fest gelegten Höhe des Sportrechte-Etats unterworfen ist. Wir können nicht, aber wir sind auch nicht bereit, jeden Preis für Sportrechte zu zahlen. Das haben wir beispielsweise in den Verhandlungen mit Discovery gezeigt, in denen wir uns nicht auf die ersten Forderungen der Kollegen eingelassen haben, trotz der Tatsache, dass es in der Konsequenz bedeuten würde, dass wir die kommenden Olympischen Spiele nicht übertragen könnten. In diesen Verhandlungen hat man aber auch gesehen, dass man manchmal viel Durchhaltevermögen braucht, um seine Ziele letzten Endes durchzusetzen.

Welchen Spielraum hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk bei den Bieterverfahren?

Die ARD verfügt über einen fest definierten Sportrechte-Etat in Höhe von rund 250 Millionen Euro im Jahr. Innerhalb dieses finanziellen Rahmens muss sich die ARD mit allen erworbenen Rechten bewegen.

Wie verändert sich der Sportrechtemarkt aktuell und was können die öffentlich-rechtlichen den neuen Playern (wie z.B. DAZN) entgegensetzen? Wo sehen Sie Gefahren?

Die Konkurrenz auf dem Sportrechtemarkt verschärft sich zunehmend in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung, da es aufgrund der neuen Verbreitungswege einfach mehr nationale wie internationale, häufig sehr finanzstarke Wettbewerber um attraktive Sportrechte gibt. Dennoch bietet das Free-TV Reichweitenmöglichkeiten, die reine Internetangebote noch lange nicht erreichen bzw. erreichen können. Das sehen natürlich auch die Rechtegeber, die selbst ein großes Interesse daran haben müssen, dass eine Sportart nicht nur noch unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit rezipiert wird.

Welche wichtigen Sportübertragungsrechte hat die ARD aktuell?

Noch viele. Neben den Rechten an den Olympischen Spielen bis 2024 halten wir gemeinsam mit dem ZDF die Verwertungsrechte an den Paralympics, an der Fußball-WM 2018 und 2022, an der Fußball-EM 2020, an der Fußball-Bundesliga, am DFB-Pokal sowie an der UEFA Nationsleague sowie viele, die für den Gesamtkomplex Wintersport wichtig sind, die Verwertungsrechte an der Tour de France, die Rechte an den European Championships 2018 und vieles mehr.