Teaserbild zum Artikel Diversität-aktueller Stand: eine Frau rudert zwischen vielen Männern
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Diversität in den Medien Männer erklären die Welt - Wie ist der aktuelle Stand?

Aktuelle Studien und Selbstauskünfte zeigen: Von einer Gleichverteilung der Geschlechter ist die Medienwelt noch weit entfernt. Gerade in Führungspositionen herrscht Frauenmangel. In welchen Bereichen sind die Auswirkungen dieses Ungleichgewichts besonders zu spüren und was sind überhaupt die Ursachen dafür?

von Johanna Kiesler

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Ein Blick ins tagesaktuelle Talkshowprogramm zeigt, was Diversitätsstudien schon seit Jahren mahnen: Auch wenn das Interesse und die Sensibilisierung für Geschlechtergerechtigkeit in allen Branchen wächst, ist die tatsächliche Verteilung von Männern und Frauen in den Medien längst noch nicht ausgeglichen. Über alle Programme hinweg sind häufiger Männer als Frauen zu sehen, insbesondere in Hauptrollen und Expertenpositionen.

Situation im öffentlich-rechtlichen Informationsfernsehen

"Männer erklären uns die Welt" war eine der Kernaussagen der Medienforscherin Elizabeth Prommer vor gut einem Jahr, als ihre sogenannte MaLisa-Studie zur "Audiovisuellen Diversität" erschien, die auf das Ungleichgewicht der Geschlechter im deutschen Fernsehen aufmerksam machte. Dabei kam unter anderem heraus: Vier von fünf Experten, die in Informationssendungen zu Wort kommen, sind männlich. Auch wenn beispielsweise in Talk Shows wie Markus Lanz oder Anne Will inzwischen meist eine Frau zwischen all den Männern sitzt, mehr als diese eine ist es selten. Von Ausgeglichenheit keine Spur.

"Vor allem ARD und ZDF haben den Auftrag, die Gesellschaft abzubilden und bislang tun sie das nicht" kritisierte Maria Furtwängler, Schauspielerin und Schirmherrin der Studie. Die öffentlich-rechtlichen Sender gelobten Besserung: "Es gibt Bereiche, wo wir sensibilisieren müssen, wo wir ein Stück Nachdenklichkeit brauchen und die Diskussion darüber ist entscheidend", so die damalige ARD-Vorsitzende Karola Wille bei Erscheinen der Studie vor rund einem Jahr. Doch die Mühlen in Großbetrieben wie der ARD mahlen langsam.

Situation im Privatfernsehen

Ähnlich gestaltet sich die Situation auch im privaten Rundfunk. Filme, Serien, Lizenzware - gerade bei langen Formaten vergeht viel Zeit zwischen Produktionsauftrag und Ausstrahlung. Deshalb sind schnelle Veränderungen hier eher nicht zu erwarten. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Interessen der Sender.

Es gibt auch Forderungen, die sagen, da muss man Drehbücher und Lizenzware anders auswählen, aber ehrlich gesagt, als privater Sender müssen wir Reichweite schaffen.

Annette Kümmel ProSiebenSat1 Media SE

Bei solchen Entscheidungen ginge es nicht in erster Linie um bewusst gesetzte Kriterien, sondern darum, was das Publikum sehen wolle, sagt Annette Kümmel. Insbesondere zahlreiche US-Serien, die in privaten Medien gezeigt werden, verkörperten zwar ebenjenes Bild, das die Diversitätstudie kritisiert. Doch auch in anderen Ländern müsse zunächst ein Bewusstseinsprozess stattfinden, so Kümmel. Dort gebe es inzwischen vergleichbare Studien und demnach auch ähnliche Diskussionen. Aber ein solcher Bewusstseinsprozess brauche Zeit, gibt auch sie zu bedenken.

Im Informationsbereich verweist Annette Kümmel allerdings auf Fortschritte: "Es gibt den Ansatz, eine Expertinnen-Datenbank aufzubauen, damit wir schnell an Kommentatorinnen und Expertinnen kommen". Es dürfe nicht so sein, dass Männer die Welt erklären, nur weil entsprechende weibliche Expertinnen noch nicht so bekannt seien.

Situation im Kinderfernsehen

Das dramatischste Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen medialen Vorbildern zeigte sich unterdessen im Kinderfernsehen. Nur eine von vier Figuren, die hier zu sehen seien, wäre weiblich. Bei imaginären Figuren und Tierwesen wäre sogar nur eine von zehn weiblich. Die Macher zeigten sich erschrocken und erklärten, in Zukunft bei der Auswahl von Experten und Sprechern mehr auf Ausgeglichenheit zu achten.

"Diese inneren Bilder müssen wir verändern, da können wir nicht sagen, nur weil die Gesellschaft so ist, sind wir auch so und bilden ab, sondern da müssen wir wirklich aktiv gegensteuern und andere Bilder säen" versprach Michael Stumpf, der damalige Programmgeschäftsführer des KiKA. Ob eine Veränderung gelungen ist, soll eine Anschlussstudie zeigen, an welcher das Team um Elizabeth Prommer derzeit arbeitet. Diese soll im Herbst 2019 veröffentlicht werden.

Situation im Film

"Fach : Kraft : Frau - Frauen in der Sächsischen Filmlandschaft" war das Motto des Filmsommers Sachsen 2018. Zahlreiche Filmschaffende Mitteldeutschlands trafen sich, um über das Thema Gendergerechtigkeit zu diskutieren, das auch in der deutschen Filmlandschaft eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Barbara Rohm von Pro Quote Film erklärt, dass das Missverhältnis sich hier vor allem darin äußert, welche Projekte gefördert werden. "Produzentinnen haben nur die Hälfte des Budjets ihrer männlichen Kollegen zur Verfügung" sagt sie.

Der oftmals vorgebrachten Begründung, es gebe einfach nicht genügend Frauen, die qualifiziert genug seien, begegnet sie mit Entrüstung:

Die Realität ist eine andere. An den Filmhochschulen werden Frauen genauso ausgebildet wie Männer, das ist sehr ausgewogen und das auch schon seit den Neunzigerjahren. Aber nur die Hälfte dieser gut ausgebildeten Frauen in den ja auch sehr teuren Studienplätzen arbeiten in ihrem Beruf. Sie sind da, sie sind gut ausgebildet, sie sind qualifiziert, man muss sie nur beschäftigen.

Barbara Rohm Pro Quote Film
Teaserbild Diversität Romina Stawowy 2 min
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MEDIEN360G im Interview Romina Stawowy

Romina Stawowy

Fr 19.10.2018 15:25Uhr 01:49 min

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MEDIEN360G im Interview Claudia Müller

Claudia Müller

Fr 19.10.2018 15:25Uhr 03:44 min

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Claas Danielsen

Fr 19.10.2018 15:14Uhr 03:54 min

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Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2018, 18:25 Uhr