Teaserbild Diversität Quote: Rettungsring im Wasser
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Diversität in den Medien Quote - Rettung oder Armutszeugnis?

Ist eine Quote die einzige Lösung, um Frauen langfristig in Schlüsselpositionen unterzubringen? Oder müssen sich diese dann dauerhaft den Vorwurf gefallen lassen, nicht wegen ihrer Leistung, sondern nur der Quote wegen an diesen Job gekommen zu sein?

von Johanna Kiesler

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Glaubt man Verfechtern der Frauenquote wie Barbara Rohm von Pro Quote Film, gibt es außer einer bindenden Festlegung keine andere Lösung, um das Problem fehlender Diversität in den Medien zu lösen. Doch warum ist diese dann nicht längst überall umgesetzt? Stattdessen herrscht Uneinigkeit über die Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit einer solchen Regelung.

Ohne Quote geht es nicht?

"Überall wo es um die Verteilung von Macht oder Geldern geht, ist der Frauenanteil leider immer noch verschwindend gering", weiß Barbara Rohm. Um gegen diese Ungerechtigkeit anzukommen, brauche es eine konsequente Maßnahme, an die sich alle zu halten haben, so Rohm. Schwierigkeiten in der Umsetzung einer Quote sieht sie nicht:

Ganz einfach: man führt sie ein. Man sagt, dass die Hälfte der Gelder, die Hälfte der Aufträge an Frauen vergeben werden müssen und dann setzt man das um.

Barbara Rohm Pro Quote Film

Gerade in der Filmförderung müsse man sich fragen, was überhaupt die Qualitätskriterien seien, die zu einer Auftragsvergabe führen. "Indem ich das hinterfrage, komme ich vielleicht auch ein bisschen auf die Spur, dass eine Qualitätentscheidung einfach oft auch eine Vertrauensentscheidung ist - wem traue ich etwas zu. Denn es ist ja auch sehr schwierig, vorab zu bewerten, wenn man ein Drehbuch hat, wie das am Ende in der Umsetzung tatsächlich aussehen wird."

Claas Danielsen von der Medienstiftung Mitteldeutschland sieht gerade im Nachwuchsbereich eine Annäherung an eine Ausgeglichenheit der Geschlechter. Natürlich gäbe es Klischees und wir alle wären geprägt durch unsere Erziehung und die Gesellschaft, was mit dazu führe, dass Frauen in Drehbüchern oft anders gezeichnet würden als Männer. Doch das sei ein Lernprozess, den wir durchmachen müssten. "Und deswegen finde ich die Forderung, zu sagen, wir müssen eine Quote einführen um uns gesellschaftlich dazu zu zwingen, bestimmte Prozesse schneller durchzuführen, das finde ich, ist ein Argument, das man sehr ernsthaft diskutieren muss".

Ähnlich argumentiert auch Sandra Strauss. Die Vorsitzende des Filmverbands Sachsen sieht in einer Frauenquote vor allem ein Instrument, um auf den Missstand der fehlenden Diversität aufmerksam zu machen. "Die Quote ist auch deshalb wichtig, um das Thema in die Welt zu bringen, um einfach irgendetwas in der Hand zu haben und zu sagen, okay, wir orientieren uns an der Quote. Einfach um das Thema überhaupt greifbar zu machen."

Nicht alle sind dafür

Romina Stawowy leitet zusammen mit ihrem Mann den Agenturverlag Stawowy, der unter anderem den Blog "Flurfunk" und das Medienmagazin "Funkturm" herausgibt. Sie gehört zu denjenigen Frauen, die sowohl eine Führungsposition als auch eine Familie mit mehreren Kindern haben. Auch wenn die Vereinbarung dieser beiden Dinge sie viel Kraft und Nerven koste - eine Quote habe sie hierfür nicht gebraucht.

Ich bin leider kein Quoten-Fan, weil ich glaube, dass mit Druck nichts zu machen ist und dass das wieder nur dazu führt, das alle stöhnen und sagen: 'Jetzt kommt die wieder mit ihrer Quote'!

Romina Stawowy Medienmagazin "Funkturm"

Stattdessen müsse sich in den Köpfen etwas ändern. Erst wenn Männer von sich aus das Gefühl hätten, dass eine Frau ungerecht behandelt werde, beginne er, darüber nachzudenken und etwas ändern zu wollen. Mit Druck und Zwang sei da nicht viel zu machen, das könnte eher ins Gegenteil umschlagen, befürchtet sie.

Tatsächlich ist sie nicht die Einzige, die Kritik an der Idee einer Frauenquote übt. Häufig wird unter Quoten-Gegnern das Argument bemüht, dass eine Frauenquote zu einem Qualitätsverlust führen könne, da - so die Theorie - einzelne Frauen trotz möglicherweise geringerer Qualifizierung auf Grund der Quote bevorzugt werden könnten. Oder zumindest, dass Frauen in Führungspositionen sich nach Einführung einer Quote mit genau diesem Vowurf immer wieder würden auseinandersetzen müssen.

Probe aufs Exempel

Das Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig hat eine Frauenquote in diesem Jahr einfach mal ausprobiert. Damit reagierten sie nach eigenen Angaben auf ein extremes Missverhältnis der Geschlechter in ihrer Filmauswahl und wurden plötzlich zu Vorreitern des Quotenexperiments. "Wir wollen beim Zusammenstellen und Kuratieren von Programmen nicht einen gegebenen Zustand abbilden, sondern Teil eines dynamischen Prozesses sein." erklärt Programmchef Ralph Eue und weist damit Kritik zurück, nach der das DOK als Filmfestival nicht in der richtigen Position sei, ein Zeichen in Sachen Diversität zu setzen. Eine solche Quote könne auch positive Auswirkungen auf Filme haben, die erst später entstehen. Negative Auswirkungen auf die Qualität der gezeigten Filme könne er bislang nicht erkennen. In die nähere Auswahl kämen ohnehin nur wirklich gute Filme und für die finale Entscheidung spielten eine ganze Reihe von Kriterien eine Rolle, auch z.B. geografische oder thematische. Insofern stelle die Aufnahme eines weiteren Kriteriums kein Problem dar.

Die Reaktionen auf die Entscheidung des DOK Leipzig, eine Frauenquote einzuführen, fielen sehr unterschiedlich aus. "Es gab wirklich euphorischen, leidenschaftlichen Zuspruch, allerdings auch erheblichen Gegenwind" fasst Ralph Eue zusammen. Eine Spaltung, die zeigt, dass die Diskussion um eine Quote noch lange nicht abgeschlossen ist.

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MEDIEN360G im Interview Barbara Rohm

Barbara Rohm

Fr 19.10.2018 15:21Uhr 02:32 min

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Romina Stawowy

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Ralph Eue

Fr 19.10.2018 15:27Uhr 02:55 min

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Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2018, 18:25 Uhr