Teaserbild Strategien für mehr Diversität: Schachfiguren treiben als Boien im Wasser
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Diversität in den Medien Was tun? Strategien für mehr Diversität

Eine Frauenquote ist nicht der einzige Vorschlag, um mehr Diversität zu erreichen. Auch verschiedene Formen der Sensibilisierung werden diskutiert. Die Ideen auf diesem Gebiet reichen von speziellen Fördergeldern für Frauen bis hin zu gendergerechter Sprache.

von Johanna Kiesler

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"Ohne Quote tut sich gar nichts" befürchtet Susanne Köhler vom Landesfrauenrat Sachsen und dennoch kursieren dort, wo über Diversität gesprochen wird, noch weitere Ansätze, wie eine Gleichverteilung der Geschlechter in den Medien erreicht werden kann.

Auswahlgremien paritätisch besetzen

Gerade im Kulturbereich und den Medien werden viele Entscheidungen von einer Jury oder einem Gremium getroffen. Sei es für die Auswahl geeigneter Bewerber für höhergestellte Positionen oder für die Vergabe von Fördergeldern und Aufträgen für Projekte. Allein das entscheidende Gremium mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis zu besetzen, kann schon viel bewirken.

Spezielle Fördertöpfe für Frauen

Manche Einrichtungen machen es bereits vor, so beipielsweise die Bauhaus-Universität Weimar. Diese hat einen besonderen Förderfonds nur für Frauen eingerichtet, in dem jährlich eine bestimmte Geldsumme an Fördergeldern bewusst für Projekte von Künstlerinnen und Designerinnen bereitgehalten wird.

Auch das ist eine Variante, die Gleichstellungsbeauftragte in einigen Branchen ins Gespräch bringen, um für Ausgeglichenheit bei der Projektvergabe zu sorgen.

Müssen Frauen selbst aktiv werden?

"Wir Frauen verhandeln so schlecht" sagt die freie Journalistin Silke Burmester und appelliert an Chefetagen, Gehälter offen zu legen, um auf sogenannte Gender Pay Gaps aufmerksam zu werden.

Gender Pay Gap - bezeichnet ein in vielen Berufen vorkommendes geschlechtsspezifisches Lohngefälle. Zahlen des statistischen Bundesamts belegen, dass selbst bei vergleichbarer Tätigkeit und gleicher Qualifikation Frauen in Deutschland etwa 2-7 % weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Vergleicht man das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Frauen und Männern ohne spezielle Beachtung lohndeterminierender Faktoren wie Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung, liegt der Gender Pay Gap sogar bei rund 22% (Stand 2010).

Die Ursachen für eine unzureichende Diversität und dem damit einhergehenden Gender Pay Gap sehen die meisten in historisch gewachsenen Strukturen. Während sich Frauen häufiger um die Familie gekümmert haben, waren Männer für die finanzielle Versorgung der Familie zuständig.

Ich glaube es ist kein Allheilmittel, zu sagen, dass Frauen sich ändern sollen. Aber wir tun gut daran, uns zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen, uns Unterschiede in der Führung bewusst zu machen, auch unsere Qualitäten. Wir müssen uns trauen, Führung anzunehmen und in Verhandlungen besser werden.

Annette Kümmel ProSiebenSat1 Media SE

Strukturen verändern - Arbeitsleben familienfreundlich gestalten

Gerade in der Organisation des Arbeitslebens könne man viel zur Diversität beitragen, findet Barbara Rohm von Pro Quote Film. Man müsse nur Strukturen schaffen, die allen Geschlechtern die gleichen Möglichkeiten bietet.

Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dass wir die Familien stärken und es möglich machen, dass beide Eltern berufstätig sind. Das heißt nicht, dass wir nur gucken müssen, wie Frauen mehr arbeiten können, sondern genauso, wie Männer weniger arbeiten können.

Barbara Rohm Pro Quote Film

Das hieße für Gesetz- und Arbeitgeber, im Sinne der Gleichberechtigung für eine Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten zu sorgen - die sowohl Männern als auch Frauen zugute kommen. Daneben müsse es selbstverständlicher werden, dass Männer ebenso lang wie Frauen in Elternzeit gehen dürfen. Je familienfreundlicher ein Arbeitgeber seinen Betrieb gestaltet, und es auch Männern ermöglicht, Familienpflichten zu übernehmen, desto weniger wird die mögliche Familienplanung eine Auswahl auf die Einstellung eines neuen Mitarbeiters oder einer neuen Mitarbeiterin haben.

Gendergerechte Sprache als Strategie für mehr Diversität

In manchen Medien ist es inzwischen alltäglich geworden, seine Leserschaft mit LeserInnen oder Rezipient*innen zu betiteln. Andere verzichten nach wie vor konsequent darauf. Binnen-i, Sternchen oder eine generelle Verwendung der weiblichen Form - über das richtige Gendern und seine Notwendigkeit herrscht seit Jahren Uneinigkeit. Die einen halten es für unumgänglich, andere für wenig alltagstauglich. Was sich in schriftlichen Texten noch über bestimmte Kniffe wie Sternchen und Großbuchstaben lösen lässt, stellt gerade Radio- und Fernsehmacher häufig vor ein Problem. In allen Formaten ständig beide Formen zu verwenden, würde häufig den zeitlichen Rahmen sprengen. Stattdessen nur die weibliche Bezeichnung zu verwenden, führt wiederum auf anderer Seite für Unmut. Also lieber ganz auf das Gendern verzichten und irgendwo eine Randnotiz unterbringen, dass damit immer beide Geschlechter gemeint sind? Keine gute Idee, meint Susanne Köhler und erklärt, warum gendergerechte Sprache auf lange Sicht zur Diversität beiträgt:

Wir Frauen müssen sichtbar sein. Ohne das Anhängsel "in" wissen wir nicht, ist das jetzt eine Frau oder ist das ein Mann. Tatsächlich stellen wir uns meistens einen Mann vor. Man hat herausgefunden, dass wenn man Kindern bis zu zwölf Jaren einen Beruf nicht nur als Ingenieur, sondern auch als Ingenieurin vorstellt oder eine Kindergärtnerin auch als Erzieher, dass sich Kinder dann tatsächlich besser vorstellen können, diesen Beruf zu ergreifen, obwohl er üblicherweise nicht ihrem Geschlecht zugeordnet ist.

Susanne Köhler Landesfrauenrat Sachsen

Damit bezieht sich Köhler auf eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychiologie, die 2015 untersucht hat, warum Mädchen in vielen Ländern seltener Berufe aus dem sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) wählen als Jungen. Dabei fanden die Forscher heraus, dass nicht nur Stereotype eine Rolle spielen, sondern auch die Verwendung von weiblichen Sprachformen das Selbstvertrauen von Kindern hinsichtlich ihrer Berufswahl beeinflussen kann.

Auch Sprache prägt also kindliche Vorstellungen und damit gewisermaßen ein bestimmtes Weltbild. Für Wörter, die in einer Sprache nicht vorkommen, haben wir keine Bilder im Kopf. Wollen wir eine Diversität im Arbeitsleben erreichen, müssen wir dafür sorgen, dass diese Diversität auch sprachlich Ausdruck findet, so die Theorie.

Teaserbild Diversität Annette Kümmel 4 min
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MEDIEN360G im Interview Annette Kümmel

Annette Kümmel

Fr 19.10.2018 15:27Uhr 03:38 min

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Susanne Köhler

Fr 19.10.2018 15:26Uhr 04:14 min

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MEDIEN360G im Interview Silke Burmester

Silke Burmester

Fr 19.10.2018 15:26Uhr 02:06 min

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Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2018, 18:29 Uhr