MEDIEN360G im Gespräch mit... Jörg Langer | Autor der Freien-Studie

4. Kongress der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter startet in Leipzig - ein Thema wird die Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Situation der freien Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sein.

von Steffen Grimberg

Potraitfoto von Jörg Langer 7 min
Bildrechte: MEDIEN360G / Studioline Photography 2014

Autor der Studie „Beschäftigte zweiter Klasse? Gute Arbeit auch für Freie“ im Auftrag der Rosa- Luxemburg-Stiftung

MDR FERNSEHEN Do 04.04.2019 10:44Uhr 06:40 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/audio-interview-joerg-langer-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Herr Langer, Sie haben die so genannte Freien-Studie über die Arbeitsbedingungen freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Ende Januar vorgestellt. Wie sind Sie mit den Reaktionen auf diese Studie zufrieden?

Die Reaktionen auf die Studie sind zweigeteilt. Wir haben sehr viele positive Reaktionen von den Freien-Vertretungen bekommen, die sehr dankbar sind, dass die Phänomene, die sie täglich in ihrer Arbeit beobachten, nun mal mit Zahlen untermauert sind. Die Reaktionen von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten waren dann doch eher gemischt, um nicht zu sagen etwas negativ. Man hat gleich versucht die Repräsentativität der Studie in Zweifel zu ziehen, was natürlich ein bisschen traurig für uns ist, weil wir uns doch erhofft hatten, dass die Mängel, die wir festgestellt haben da auch stärker auf offene Ohren stößt.

Sie haben es schon gerade genannt, ein Vorwurf der beforschten Anstalten ist eben, dass Sie gesagt haben, das ist nicht repräsentativ, da sind viele der Geschichten drin, da verstehen wir selber nicht so ganz genau, was da als Vergleichsmaßstab herangezogen wird, da sei Vieles nicht nachvollziehbar. Das ist ja eine sehr valide Kritik. Was sagen Sie dazu?

Ja wir haben versucht, die Situation der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Öffentlich-Rechtlichen zu erforschen. Dazu ist es natürlich dringend notwendig, dass wir die Zahlen der Grundgesamtheit dieser freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen. Die teilt sich prinzipiell in zwei Gruppen. Einmal die so genannten arbeitnehmerähnlichen Freien, das sind also die, die laut Paragraph 12a Tarifvertragsgesetz wie Arbeitnehmer beschäftigt, auch entsprechende Leistungen genießen. Dann gibt es noch eine ganz große Gruppe von so genannten freien Freien. Da konnten uns oder wollten uns leider die Anstalten keine entsprechenden Zahlen für die Grundgesamtheit zur Verfügung stellen. Das führt natürlich dazu, dass am Ende der Teil der festen Freien oder arbeitnehmerähnlichen Freien sehr gut erforscht ist, auch sehr valide Ergebnisse hervorbringt, aber eben die Gruppe der freien Freien nicht ganz qualitativ festzumachen ist.

Wenn man ihre Studie liest, sieht man aber eben auch, dass bei diesen so genannten festen Freien, also die nach arbeitnehmerähnlichen Bedingungen bezahlt werden und auch sozial abgesichert sind, auch da gibt es große Unterschiede zwischen den Anstalten. Was sind also die signifikantesten?

Die großen Unterschiede gibt es. Das ist einfach geschichtlich gewachsen. Wir haben etwa 60 verschiedene Tarifverträge gesichtet, die wir auch ausgewertet haben und dadurch relativ große Unterschiede festgestellt. Beispielsweise: Wann haben die Beschäftigten Anspruch auf Krankengeld oder Ausfallhonorar im Krankheitsfall? Hier gibt es keine einheitliche Regelung. Das ist von Anstalt zu Anstalt unterschiedlich, und deshalb fühlen sich natürlich viele arbeitnehmerähnliche Freie ein bisschen benachteiligt gegenüber beispielsweise den Festen oder auch gegenüber den Arbeitnehmerähnlichen bei anderen Anstalten.

Der freie Journalist bei öffentlich-rechtlichen Anstalten, das ist ja auch nicht eine homogene Gruppe. Können Sie da was sagen von wo bis wo diese Honorarspannen reichen?

Wir haben also festgestellt, es gibt natürlich die Berufsgruppen der Moderatorinnen und Moderatoren, die relativ gut verdienen, die ein anständiges Honorar bekommen. Aber darüber hinaus gibt es auch ganz ganz viele Berufsgruppen, bei denen wir stark bezweifeln, dass diese unbedingt frei tätig sein müssen. Das sind Kameraleute, das sind Editoren, das sind Redaktionsassistenten, bis hin zu CvDs, wo der gesetzliche Charakter der freien Tätigkeit nach meiner Meinung nicht erfüllt ist. Da ist natürlich die Bandbreite groß. Also wir haben teilweise festgestellt, dass Editoren 120 Euro am Tag als Tagessatz haben, weit unter dem Tarif und dann gibt es auf der anderen Seite natürlich Moderatorinnen und Moderatoren, die entsprechend hohes Gehalt bekommen.

Die ARD hat in einem Statement auf ihre Studie reagiert und hat gesagt: "Wir finden das interessant, was Herr Langer herausgefunden hat, aber wir müssen schon feststellen die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind im Vergleich zu freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in anderen Medienbranchen nach wie vor deutlich besser gestellt." Was halten Sie von dieser Reaktion?

Die Frage ist natürlich, wo ist mein Vergleichsmaßstab. In einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem mit etwa acht Milliarden Euro im Jahr, die von den Bürgerinnen und Bürgern gezahlt werden, muss ich mich natürlich nicht unten orientieren an sozusagen dem Niedrigsten, sondern ich sollte mich doch an meinem Qualitätsanspruch orientieren und hier dafür sorgen, dass die Kolleginnen und Kollegen beste Möglichkeiten haben, dass sie zufrieden sind, dass sie motiviert sind und demzufolge auch beste Qualität abliefern.

Was wäre Ihr Wunsch? Wie sollte man mit den Ergebnissen ihrer Studie jetzt weiter umgehen?

Gewünscht hätte ich mir, dass die ARD sagt: "Danke für diese Untersuchung, danke für die Mühe, danke liebe Rosa-Luxemburg-Stiftung und LINKS-Fraktion, dass sie Geld in die Hand genommen haben, um hier eine Aufgabe zu erledigen, die eigentlich unsere eigene gewesen wäre." Und ich hätte mir gewünscht, dass nun der nächste Schritt gegangen worden wäre, dass jetzt alle Anstalten bei sich im Haus gucken, wie geht's meinen freien Mitarbeiterinnen und was kann ich tun, damit sie zufriedener sind und besser arbeiten.

Wir sagen jedenfalls Danke, Herr Langer, für das Interview.

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 11:43 Uhr