MEDIEN360G im Gespräch mit... Armin Wolf

Der ORF-Journalist Armin Wolf ist für seine TV-Interviews bekannt. Mit MEDIEN360G spricht er über den Umgang mit Populisten und was deutsche KollegInnen aus seinen Erfahrungen lernen können.

von Steffen Grimberg

Porträt von Armin Wolf mit einer Collage aus einem Megaphon sowie dem Schriftzug "Im Gespräch mit Armin Wolf" 15 min
Bildrechte: Collage: MEDIEN360G / Foto: Christian Wind

MEDIEN360G im Gespräch mit... Armin Wolf

MEDIEN360G im Gespräch mit Armin Wolf

Der ORF-Journalist Armin Wolf ist für seine TV-Interviews bekannt. Mit MEDIEN360G spricht er über den Umgang mit Populisten und was deutsche KollegInnen aus seinen Erfahrungen lernen können.

Do 17.01.2019 14:38Uhr 15:27 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/interview-armin-wolf-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Zur Person Armin Wolf

Armin Wolf (52) begann seine Karriere nach dem Abitur beim öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunk (ORF). Wolf war u.a. Außenpolitik-Redakteur im Hörfunk beim landesweiten Radio Ö1, darunter als Korrespondent in Washington, bevor er 1995 zum TV-Nachrichtenmagazin Zeit im Bild 2 (ZiB 2) wechselte. Seit 2002 ist er Moderator der ZiB 2 - einer Art österreichischer Tagesthemen - und stellvertretender Chefredakteur der ORF-Fernsehinformation. Er ist besonders für seine hartnäckigen, langen Politiker-Interviews bekannt und war mehrfach Zielscheibe für Angriffe der populistischen Freiheitlichen Partei Österreich (FPÖ), die heute Koalitionspartner der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) in der Wiener Bundesregierung sind. 2018 erhielt er für seine Arbeit die „Besondere Ehrung“ beim Grimme-Preis, Deutschlands wichtigstem Fernsehpreis.

Herr Wolf, Sie haben gerade in der Diskussion mit den Kolleginnen und Kollegen des Mitteldeutschen Rundfunks gesagt, mit Blick auf die AfD, mit der wir es ja jetzt hauptsächlich zu tun haben, Sie haben es beim ORF mit der FPÖ, den Freiheitlichen Österreichs schon etwas länger zu tun. Wir sind jetzt ungefähr auf dem Stand, den Sie vor 15 Jahren hatten, was meinen Sie damit genau?

Vielleicht ist es sogar eher der Stand vor 20 Jahren, bevor die FPÖ das erste Mal in der Regierung war. Die FPÖ ist sehr schnell relativ groß geworden, in Österreich, so wie die AfD auch hier; kam von relativ weit rechts, war sehr populistisch und wollte aber dann irgendwann regierungsfähig werden und ist dann auch im Jahr 2000 das erste Mal in die Regierung gekommen. Und wir mussten auch erst einen Umgang finden mit einer Partei, die sehr stark polarisiert, die immer wieder auch mit Tabubrüchen versucht, öffentliche Aufmerksamkeit zu finden, die sich an viele Regeln, die im politischen Betrieb eigentlich üblich waren, nicht hält, und die auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer wieder attackiert, was auch andere Parteien, zumindest damals, nicht gemacht haben. Also da mussten wir eigentlich erst einen professionellen, korrekten und auch gelassenen Umgang damit finden.

Wie geht man denn mit einer Partei um, die die eigenen Institutionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk massiv angreift, in Frage stellt und gleichzeitig solche Tabubrüche inszeniert. Es gab ja oder gibt hier immer noch mal Stimmen, die sagen, berichtet nicht so oft über sie, macht sie nicht noch größer, schafft ihnen nicht noch mehr Aufmerksamkeit.

Ich glaube die Grundregel ist relativ einfach: Das ist eine gewählte Partei, die ist von den Wählern in einer Demokratie in einem geordneten Verfahren gewählt. Wenn die nicht im Parlament sitzen dürfte, dann hätte sie das Höchstgericht verbieten müssen, oder der Verfassungsschutz müsste etwas machen. Das heißt, man muss diese Partei mal grundsätzlich behandeln, wie alle anderen Parteien auch. Nicht größer, nicht kleiner, sondern in dem, was es journalistisch wert ist. Jetzt gibt es eine Grundregel, in den meisten Ländern eigentlich, dass über Regierungsparteien mehr berichtet wird, als über Oppositionsparteien. Weil Regierungsparteien tatsächlich wichtiger sind und sie können einfach mehr entscheiden. Das heißt, es macht einen Unterschied, ob die FPÖ, wie in Österreich, in der Regierung sitzt, oder wie die AfD hier in der Opposition ist. Grundsätzlich ist sie zu behandeln, wie eine Partei, die 15, 20 Prozent hat, nachdem, was sie macht und was sie tut. Die Angriffe auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind glaube ich genauso zu behandeln, wie jedes andere politische Thema. Also da dürfen wir in der Berichterstattung jedenfalls weder wehleidig, noch parteiisch werden. Über das muss man berichten. Was anderes ist, wenn die Angriffe existentbedrohend werden, ob die Journalisten sich außerhalb der Sendungen dann dagegen wehren, das halte ich tatsächlich für vernünftig für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einzutreten, für Meinungsfreiheit einzutreten. Aber unsere Sendungen sind Nachichtensendungen und das sind keine Propagandasendungen, weder für jemanden, noch gegen jemanden, auch nicht für uns selber.

Sie haben gerade gesagt, es macht einen fundamentalen Unterschied, ob so eine Partei in der Regierung ist, oder eben in der Opposition. Gesetz dem Fall, die AfD würde hier auch mal in eine Regierung eintreten, worauf müssten wir uns denn einstellen?

Ich glaube, es ist ein bisschen anders, als bei uns, weil die Rundfunkgesetzgebung in Deutschland anders ist. Bei uns kann die FPÖ gemeinsam mit der ÖVP gemeinsam in der Bundesregierung das Rundfunkgesetz ändern. Und sie brauchen dazu keine Bundesländer. Das wäre in Deutschland anders, soweit ich weiß. Und das gibt der FPÖ in Österreich mehr Einfluss über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Also man möchte bei uns zum Beispiel jetzt die Rundfunkgebühr abschaffen und durch eine Budgetfinanzierung aus dem staatlichen Budget ersetzen. Das wäre eine de facto Verstaatlichung des ORF. Ganz ganz schlimm, ganz dramatisch, glaube ich. Das wäre in Deutschland so nicht möglich. Aber tatsächlich hat natürlich eine Regierungspartei mehr politischen Einfluss, als eine Oppositionspartei. Alle Angriffe auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wären dadurch sicher relevanter und möglicherweise auch bedrohlich.

Beim ORF hat es ja auch schon zahlreiche politische Veränderungen gegeben, ist Ihre Redaktion, also die ZiB2 davon auch betroffen?

Wir sind davon nicht betroffen, wir haben zwar einen neuen Redaktionsleiter bekommen, vor wenigen Wochen. Das hatte allerdings tatsächlich etwas damit zu tun, dass der frühere nach zehn Jahren mal etwas anderes machen wollte und jetzt unser politisches Wochenmagazin leitet. Und diese Besetzung war tatsächlich völlig korrekt und sauber und ist ein hochprofessioneller und toller Kollege geworden und wir sind alle sehr happy damit. Das ist nicht immer bei allen personellen Besetzungen bei uns so, leider.

Wie geht man denn mit populistischen Politikern, mit Politikerinnen, die angriffslustig sind, vielleicht auch was die eigene Position angeht als Journalist, am besten um? Sie haben jetzt hier bei der Veranstaltung (Anm. d. Red.: Veranstaltungsreihe "Journalismus in bewegter Zeit" am 6. Dezember 2018 beim MDR in Leipzig) viel über die Stöckchenfrage, also über welches Stöckchen, das einem hingehalten wird, springt man, welches ignoriert man, welches nimmt man jemanden aus der Hand und zerbricht es charmant sozusagen und reagiert gar nicht erst. Was ist da Ihr Tipp an die Kolleginnen und Kollegen?

Es gibt keine Grundregel, also leider ist es ja nicht so einfach. Also man kann nicht sagen "über kein Stöckchen springen", weil manchmal sind die Stöckchen keine Stöckchen, sondern Stöcke oder richtige Pflöcke und wenn der Vorsitzende der größten Oppositionspartei im Deutschen Bundestag sagt: "Die NS-Zeit war ein Fliegenschiss in der deutschen Geschichte" ist das kein Stöckchen, sondern ein relevanter Tabubruch im politischen Diskurs des Landes. Über das muss man berichten. Und ich glaube, nicht darüber berichten, um zu sagen, dass ist eine Provokation auf die wir nicht einsteigen, wäre journalistisch fahrlässig. Gleichzeitig gibt es dann auch viele Dinge, über die man debattieren muss und wo es die richtige oder falsche Entscheidung dann auch nicht gibt. Wie war das bei Herrn Gauland und dieser berühmten Boateng-Äußerung. Kann man machen, muss man nicht machen. Ich glaube, man muss jedes mal darüber diskutieren, man muss reflektiert darüber diskutieren und man muss sich bewusst sein, dass gerade populistische Parteien solche Dinge sehr bewusst machen und dass die Provokationen einsetzen, um öffentliche Wahrnehmung zu generieren. Wir sollen uns nicht instrumentalisieren lassen, gleichzeitig, wenn etwas eine bestimmte öffentliche Relevanz in der Debatte erreicht, kann man es auch nicht mehr ignorieren.

Sie sind berühmt für die Live-interviews, die Sie regelmäßig in der Nachichtensendung, Nachichtenmagazinsendung, führen. Wie bereiten Sie sich darauf vor, und welchen Stellenwert hat das für Ihre Arbeit als Journalist?

Tatsächlich ist die Vorbereitung des Interviews der allerwichtigste Teil meiner Arbeit. Dazu muss man wissen, dass das Live-Interview in der Sendung, die ich moderiere, in der ZiB2, der zentrale Teil ist. Interviews sind deutlich länger als sie bei Tagesthemen oder Heute-Journal sind. Und die ganze Sendung ist rund um das Interview aufgebaut. Ich verbringe wirklich den Großteil meiner Arbeitszeit damit. Das ist bei populistischen Politikern noch mal wichtiger. Ein großer Unterschied tatsächlich zu quasi traditionelleren Politikern ist, jedenfalls in Österrreich, dass sie sehr viel häufiger zum Beispiel Dinge, die man ihnen vorhält, bestreiten. Also wenn man sagt: "Sie haben am Soundsovielten das und das gesagt" - "Hab ich nicht gesagt". Das passiert normalerweise selten bei Politikern. Das reicht, wenn man sagt: "Doch haben sie am 3. Mai im Hamburger Abendblatt gesagt". Mittlerweile habe ich die Zeitung mit, in der er das gesagt hat, dass ich es ihm wirklich hinhalten kann. Habe auch schon erlebt, dass die Politiker dann gesagt haben: "Ja, da wurde ich falsch zitiert." Das heißt, ich rufe oft vorher bei der Zeitung an und frage, ob das Interview autorisiert wurde, also vom Pressesprecher des Politikers so freigegeben wurde, oder ob es ein Tonband gibt. Ich habe mir das Tonband auch schon besorgt, bei besonders heiklen Interviews, weil ich geahnt habe, dass das bestritten wird, dass das korrekt gewesen sei. Und es hat sich auch gelohnt. Das Problem ist, es wird in der Vorbereitung natürlich nochmal zeitlich aufwendiger. Und ich weiß von vorn herein, dass ich 95 Prozent meiner Vorbereitung nie brauchen werde im Interview. Dummer Weise weiß ich nie, welche fünf Prozent ich brauche. Und es geht mir darum, ich möchte gern, dass die Zuseher - A mehr über das Thema erfahren - und B im Idealfall auch mehr über den Politiker erfahren, den ich da interviewe oder Politikerin. Und ich möchte nicht, dass die Zuseher angelogen werden, ich möchte merken, wenn das Publikum belogen wird. Ein Teil meiner Arbeit ist auch so eine Art öffentlicher Lügendetektor zu sein. Und stellvertretend für das Publikum Äußerungen von Politikern zu hinterfragen und auf seinen Wahrheitsgehalt abzuklopfen und das ist mit unter doch relativ vorbereitungsintensiv.

Weiß nicht, ob man das bewerten kann, aber ist vielleicht auch ein Problem im Umgang mit den populistischen Parteien, zumindest hier in Deutschland, dass es dann da an Vorbereitungen mangelt, dass die Lektionen, die Sie gelernt haben, hier vielleicht noch nicht gelernt sind?

Das weiß ich nicht, ich habe ein fantastisches Interview gesehen, vom Kollegen Meng, glaube ich, er ist vom WDR, mit Frau Weidl - ein halbstündiges Interview, das exzellent war. Ich habe dieses Sommergespräch von Thomas Weidl mit Herrn Gauland gesehen, das ganz hervorragend war, also ich glaube nicht, dass die deutschen Kollegen und Kolleginnen da von uns so viel lernen müssten, also vielleicht diese Geschichte mit "wirklich alles auch physisch mitzubringen", vielleicht ist das bei ihnen auch nicht so notwendig. Dazu muss ich sagen, habe ich es im Detail zu wenig gesehen, ob AfD-Politiker dann auch immer wieder sagen "habe ich ja gar nicht gesagt". FPÖ-Politiker machen das häufig. Da hilft wirklich ins Archiv gehen, in die Bibliothek gehen, ins Netz gehen. Alles physisch mitbringen, Video rausschneiden, vorspielen.

Sie wirken ja bei den auch massiven Angriffen, die es zum Teil auf Ihre Person selber gibt nach wie vor sehr cool. Scheinen auch durchaus Spaß daran zu haben. Woher nehmen Sie die Kraft, diese Coolness?

Ich mache meinen Job wirklich gerne. Also ich glaube, dass Journalismus ein wichtiger Job ist in einer Gesellschaft. Wir stellen letztlich die Faktenbasis und die Gesprächsbasis her, auf der unsere Zuseher entscheiden, wen sie wählen oder wählen sollen. Wir als Gesellschaft entscheiden, wie politisch vorgegangen wird. Das ist eine wirklich wichtige Aufgabe, ist ein Privileg, das machen zu dürfen. Ich werde dafür bezahlt, dass ich wichtige Leute fragen kann, was ich will. Ich frage nur Dinge, die mit ihrer öffentlichen Arbeit zu tun haben. Ich frage niemanden nach seinem Privatleben, das interessiert mich nicht und geht mich auch nichts an. Aber das ist ein toller Job, erstens. Zweitens, was ist denn die Alternative zum halbwegs gelassen sein? Also jeden Tag mit hohem Blutdruck wahnsinnig aufgeregt ins Büro zu gehen und dann sich schwitzend darüber aufzuregen, dass der Politiker vielleicht nicht ganz genau das sagt, was ich mir in der Vorbereitung vorgestellt habe, hilft ja auch nicht weiter. Es gibt also keine Alternative dazu, seinen Job gelassen zu machen.

Kommen wir mal ab von den populistischen Angriffen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der ist ja in vielen Bereichen, man kann sagen, in einer Krise. Zumindest muss er sich anscheinend besser erklären. Was für Tipps haben Sie da, wie kann man den Menschen wieder klarer machen, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk eigentlich für eine - für sie - ganz brauchbare Institution ist?

Ich glaube tatsächlich, dass wir unsere Arbeit vielmehr erklären müssen als früher. Es hat einfach vor zehn, fünfzehn Jahren kaum jemand den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Frage gestellt oder die Gebühren in Frage gestellt. Dadurch, dass es da viele politische Kampagnen zum einen gibt, zum anderen einen gewissen liberalen Diskurs der letzten 20 Jahre, dass öffentliche Einrichtungen möglicherweise auch privat funktionieren würden und natürlich diese gigantische Veränderungen der Medienlandschaft, wo heute viele Leute sagen, wozu brauche ich öffentlich-rechtlichen Rundfunk, gibt ja alles im Netz oder gibt ja auch privaten Rundfunk. Da sind wir natürlich unter völlig anderen Legitimationsdruck geraten. Jetzt glaube ich trotzdem, dass wir ganz ganz wichtige Arbeit machen und ich diskutiere sehr viel mit Zusehern oder geh in Schulen und auch zu Diskussionen und ich sag dann auch zu Leuten: "Wenn Sie jetzt wirklich darüber nachdenken, was Sie sich im Fernsehen anschauen und welche Sendungen Sie nicht nur unterhalten, und da gibt es fantastische Sachen, ist im Netz sowieso und auch bei privaten Sendern, wenn Sie sich überlegen, die Sendungen im Fernsehen, die Sie tatsächlich klüger machen, wo Sie wirklich etwas lernen, wo laufen die dann? Dann bin ich überzeugt davon, dass, wenn Sie ehrlich darüber nachdenken, dass 90 Prozent davon auf irgendeinem öffentlich-rechtlichen Sender laufen, ARD, ZDF, 3sat, ARTE, in Österreich der ORF. Also Private sind sehr gut in Unterhaltung, sind oft sehr gut im Sport. Es gibt diesen tollen Satz von einem schweizer Medienexperten, der gesagt hat: PayTV funktioniert genau in drei Sparten: Sport, Film und Porno. Es hat einen Grund, warum PayTV keine Nachrichten macht,  es hat einen Grund, warum auf privaten Sendern die Nachrichten meistens relativ kurz sind und meistens sehr schnell, doch in chronikale Boulevardthemen übergehen. Wir liefern so etwas, wie die mediale Infrastruktur, die mediale Grundversorgung, die glaube ich eine demokratische Gesellschaft braucht. Das könnten sie vielleicht in einem so großen Land, wie Deutschland, vielleicht sogar privat organisieren, weiß ich nicht, das macht niemand. In einem kleinen Land, wie Österreich oder auch in deutschen Bundesländern, können sie es ganz sicher nicht privat organisieren, weil es sich nicht rechnet. Und da glaube ich, dass Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk einfach ganz ganz wichtig und definitiv 55 Cent am Tag wert sind.

Sie haben gerade gesagt, wir müssen unsere Arbeit besser den Menschen erklären. Meinen Sie damit, im Programm selbst oder ist es sinnvoller, zu den Menschen hin zu gehen, direkt mit ihnen zu sprechen, sich ihren Fragen in der Diskussion direkt zu stellen?

Ich glaube, das kann schon mal auch im Programm sein, nicht in den regulären Sendungen, dass glaube ich nicht, dass jetzt in der Nachrichtensendung wir anfangen sollten, Selbsterklärungen groß und Missionstatement irgendwie vorzulesen, aber man könnte zum Beispiel mal eine große Bürgerdiskussionssendung machen, über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wo man mal ins Studio 200 bis 300 Leute einlädt, und die diskutieren dann mit den prominentesten Journalistinnen und Journalisten, was mit der Intendantin und man beantwortet mal Fragen. Kann ein spannendes Format sein. Das könnten sich, glaube ich, viele Leute anschauen, aber ich glaube, wir sollten es tatsächlich auch physisch machen. Wirklich raus in Gemeindehalle, in Mehrzweckhallen und dort mit 200, 300, 400 Leuten diskutieren, was machen wir, warum machen wir das, uns der Kritik stellen, uns den Fragen stellen. Und es gibt ja Fragen, die uns ja oft gar nicht so bewusst sind. Also es gibt tatsächlich viele Leute da draußen, die fragen sich, kriegen Politiker vor den Interviews die Fragen vorgelegt? Nein, kriegen sie nicht. Aber das wissen tatsächlich viele Leute nicht. Und wir erklären das auch nicht vor jedem Interview. Dürfen Politiker, Pressesprecher, die Berichte sehen, bevor sie ausgestrahlt werden, fragen tatsächlich viele Leute, wenn ich zu solchen Veranstaltungen gehe. Nein, bekommen sie natürlich nicht. Aber viele Menschen wissen das nicht und ich glaube tatsächlich, dass wir das machen sollten und immer, wenn ich das mache, stelle ich fest: Es funktioniert gut. Es gibt wirklich noch sehr viele Menschen, die das, was wir machen, gerne sehen und es gibt auch sehr viele Menschen, die einfach Fragen haben oder die auch irgendwo was gelesen haben im Netz oder was gehört haben von Politikern und das meistens, wenn man ihnen erklärt, was wir machen und warum wir es machen, dann akzeptieren sie das auch oft und verstehen es auch oft. Und ich habe sehr sehr oft Diskussionen erlebt, wo die Leute am Ende gesagt haben: Das sehe ich jetzt anders.

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2019, 16:25 Uhr