70 Jahre Fachdienst epd medien Kirche und Rundfunk

Der Medienfachdienst epd medien wird von der evangelischen Kirche getragen. Doch die engen Verbindungen zwischen den Kirchen und vor allem Hörfunk und Fernsehen gehen noch viel weiter.

Eine gezeichnete Hand auf schwarzem Hintergrund schnipst eine Reihe lateinischer Kreuze an, welche zur rechten Seite des Bildes in Richtung eines stilisierten Fernsehers fallen.
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Auch wenn es epd medien formal vom Namen her erst seit gut 20 Jahren gibt, schafft der Fachdienst rund um die Welt der Medien einen Rekord: Er ist sogar älter als die ARD. Als 1949 epd "Kirche und Rundfunk" – so der alte Name – gegründet wurde, ließ die Arbeitsgem

einschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) noch ein Jahr auf sich warten. Anfangs noch in Bethel bei Bielefeld beheimatet, ging es zunächst ausschließlich ums Radio und später um das neu entstehende Massenmedium Fernsehen. Weil sich in späteren Jahrzehnten der Rundfunkbegriff zunehmend ausweitete und auch andere Bereiche der Medienbranche wie die Presse berücksichtigt werden sollten, erfolgte 1997 die Umbenennung in epd medien.

Seit 1968 sitzt die Redaktion von epd medien nicht mehr in Bethel, sondern in Frankfurt/Main, wo auch der Verlag des Fachdienstes seinen Sitz hat: das Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik (gep). Hinter epd medien stehen also die evangelischen Kirchen. Und auch der zweite altehrwürdige Medienfachdienst der Republik, die 1953 gegründete Medienkorrespondenz (bis 2014 Funkkorrespondenz) ist in kirchlichen Händen: Sie hängt vom Segen der katholischen Bischofskonferenz ab. Genauso verhält es sich übrigens mit den Filmzeitschriften epd film (ev.) und film-dienst (rk).

Mit dem Rundfunk kamen die Rundfunkprediger

Warum aber engagieren sich die Kirchen in Sachen Medien und vor allem Medienjournalismus? Das liegt zum einen daran, dass Medien letztlich auch wie die Kirchen mit "Verkündigung", mit Erklären und Auslegen zu tun haben. Manche JournalistInnen und Medienschaffende überholen heute sogar die Geistlichkeit, wenn es um missionarischen Eifer geht. Von Anfang an scheint es ein gesundes Konkurrenzverhältnis gegeben zu haben: "Mit der ersten Rundfunksendung in Deutschland am 29. Oktober 1923 brach in der evangelischen Kirche eine heftige Diskussion über eine Beteiligung los. In einer massenwirksamen Verkündigung sahen die einen große Chancen. Man hoffte, über die Kompetenz und Prominenz der Rundfunkprediger Menschen neu an die Kirche heranzuführen“, heißt es dazu beim Medienportal der evangelischen Kirche. Ihren Gegnern erschienen kirchliche Rundfunksendungen dagegen als gefährliche Konkurrenz zum sonntäglichen Gottesdienst. "Sie warnten davor, dass der Rundfunk Menschen isoliere und die Kultur verflache." Zumindest der letzte Aspekt taucht in der Debatte um das Fernsehen bis heute auf.

VertreterInnen in den Gremien

Am Ende setzten sich die Befürworter durch. Und auch heute noch haben die beiden großen Kirchen bei privaten wie öffentlich-rechtlichen Sendern zahlreiche Sonderrechte. Bei ARD, ZDF und Deutschlandradio sitzen sie – wie auch die jüdische Kultusgemeinde, aber z.B. nicht muslimische VertreterInnen – grundsätzlich in den Rundfunkräten. Ebenso grundsätzlich vertreten sind sie in den Aufsichtsgremien der Landesmedienanstalten, die über den privaten Rundfunk in Deutschland wachen. Dabei sind VertreterInnen der Muslime noch selten vertreten - nur bei vier öffentlich-rechtlichen Anstalten (ZDF, Radio Bremen, SWR, Hessischer Rundfunk) und einer einzigen Landesmedienstalt (Bremen) haben sie einen Sitz in den entsprechenden Aufsichtsgremien.

Tabellarische Übersicht zu kirchlichen VertreterInnen in den Gremien der öffentlich-rechtlichen Anstalten


Sendeanstalt Evangelische Kirche Katholische Kirche Jüdische Gemeinde Muslime
Bayerischer Rundfunk* ja ja ja nein
Deutsche Welle* ja ja ja nein
Deutschlandradio ja ja ja nein
Hessischer Rundfunk* ja ja ja ja
Mitteldeutscher Rundfunk ja ja ja nein
Norddeutscher Rundfunk ja ja ja nein
Radio Bremen ja ja ja ja**
Rundfunk Berlin-Brandenburg ja ja ja nein
Saarländischer Rundfunk ja ja ja nein
Südwestrundfunk* ja ja ja ja
Westdeutscher Rundfunk ja ja ja nein
ZDF ja ja ja ja

* Mitglieder der ARD, ** Im Rundfunkrat von Bremen hat neben einem gemeinsamen Vertreter der Muslimischen Verbände SCHURA, DITIB und VIKZ auch ein Vertreter der im Land Bremen lebende Aleviten einen Sitz

"Verkündigungssendungen" in Eigenregie

Im Fernsehen – und teilweise auch im Radio – machen die Kirchen sogar eigenes Programm. Denn durch den Rundfunkstaatsvertrag und die Landesrundfunkgesetze sind die  öffentlich-rechtlichen Anstalten und die großen privaten TV-Sender verpflichtet, den Kirchen Sendeplätze für so genannte "Verkündigungssendungen" zur Verfügung zu Stellen – also für Gottesdienstübertragungen oder Sendungen wie "Das Wort zum Sonntag" (ARD) oder die RTL-"Bibelclips". Auch in den Radioprogrammen der ARD und beim Deutschlandfunk finden sich zahlreiche kirchliche Sendungen in Eigenregie. Hierbei haben die Kirchen auch inhaltlich-redaktionell das Sagen, die Sender sind quasi Dienstleister der Kirchen. KritikerInnen halten das für nicht mehr zeitgemäß.

ZDF 37 Grad wird von Kirchen-RedakteurInnen gemacht

Doch die Verkündigungssendungen sind nicht allein. Um das kirchliche Leben kümmern sich bei allen öffentlich-rechtlichen Sendern zusätzlich unabhängige Fachredaktionen – so wird zum Beispiel die ZDF-Doku-Reihe "37 Grad" auch von Kirchen-RedakteurInnen gemacht: „Zuständig für die Sendereihe ist ein Team aus insgesamt zehn Redakteurinnen und Redakteuren der Redaktionen ‚Kirche und Leben evangelisch‘, ‚Kirche und Leben katholisch‘ und ‚Terra X‘", heißt es in einer ZDF-Selbstdarstellung. Auch hier sind mit "Kirche" in erster Linie die beiden großen christlichen Konfessionen gemeint. Die jüdischen Kultusgemeinden hätten zwar Anspruch auf Verkündigungssendungen, verzichten bislang aber darauf.

"Forum am Freitag" informiert seit 2007 über den Islam

Für Menschen muslimischen Glaubens tat sich erst 2007 etwas: Im April 2007 startete beim Südwestrundfunk der ARD online der Podcast "Das Islamische Wort", den es mittlerweile so nicht mehr gibt. Und seit Sommer 2007 gibt es auf ZDF.de und im Digitalkanal ZDF info das ein bisschen ans ARD-„Wort zum Sonntag“ angelehnte "Forum am Freitag", das mittlerweile in weit über 500 Sendungen den Islam in allen seinen Facetten beleuchtet hat. Beides sind ausdrücklich keine Verkündigungssendungen, das Forum zum Freitag zog zum zehnjährigen Jubiläum 2017 auch eine eher ernüchternde Bilanz: "Vorurteile und mangelndes Wissen prägen die Sicht auf den Islam. Unter den Muslimen erleben wir starke Polarisierungen und oft mangelnden Willen, miteinander ins Gespräch zu kommen", hieß es damals. Von einer gelungenen Integration könne keine Rede sein. Die Themen Islam und Integration hätten außerdem mit den nach Deutschland aus diversen islamischen Ländern Geflüchteten neue Aktualität bekommen. Das Fazit des ZDF: "Das ‚Forum‘ ist heute so nötig wie selten zuvor".

Als 2012 erstmals Pläne laut wurden, im Rundfunkrat des SWR einen Platz für Muslime zu schaffen, gab das auch epd medien etwas zu knacken. Weil das Gremium nämlich nicht zahlenmäßig vergrößert werden sollte, schien zunächst der Platz für die evangelischen Freikirchen - den es so nur beim SWR gibt - auf der Kippe zu stehen.

Und so weltanschaulich neutral und unabhängig epd medien wie die katholische Schwester Medienkorrespondenz normalerweise auch sind: Wenn die Interessen der Kirche ganz direkt betroffen sind, merkt man ab und zu eben schon, wer als Herausgeber dahinter steckt. 

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Do 24.01.2019 12:39Uhr 02:06 min

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Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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