Teaserbild Telemedienauftrag
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Neuer Telemedienauftrag beschlossen Du bist so schön, verweile doch!

Der neue Telemedienauftrag bringt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr Spielraum bei Online- und On-Demand-Angeboten, schränkt aber journalistische Angebote mit Blick auf Texte ein.

von Steffen Grimberg

Teaserbild Telemedienauftrag
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„Mehr Freiheit, weniger Text“ – auf diese griffige Formel brachte der Online-Mediendienst dwdl die jetzt von der Medienpolitik beschlossenen Veränderungen beim so genannten Telemedienauftrag. Er regelt, salopp formuliert, was die öffentlich-rechtlichen Sender im Netz dürfen – und was nicht.

Mit der Reform soll auch der jahrelange Streit zwischen Verlegerverbänden und den Anstalten über die Gestaltung der Online-Angebote von ARD und ZDF beigelegt werden. Hier ging es vor allem um die Textmengen bei den Angeboten der ARD.

Der neue Telemedienauftrag schreibt nun fest, dass die Online-Angebote und Apps von ARD, ZDF und Deutschlandradio im Schwerpunkt durch Video- und Audioinhalte bestimmt sein müssen. Texte sind zwar weiter zulässig, reine Textangebote werden aber auch bei Sendungsbezug eingeschränkt.

Freibrief „Sendungsbezug“ geschliffen

Bislang galt, dass bei sendungsbezogenen Inhalten die Form egal war. Nun gilt auch hier eine schwerpunktmäßige Gestaltung durch Videos und Audio-Beiträge. Programm- und Angebotsübersichten, Schlagzeilen und Sendungstranskripte sind hiervon nicht berührt. Ebenso wenig gilt die Vorschrift für Informationen über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bzw. die jeweilige  Rundfunkanstalt als Unternehmen sowie Texte und Verschriftlichungen zum Zweck der Barrierefreiheit beispielsweise für Hörgeschädigte.

Mehr Flexibilität bei Verweildauer

Portrait von Annette Kümmel 4 min
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MEDIEN360G im Interview Annette Kümmel

Annette Kümmel

"Ich hätte mir gewünscht, dass private Vertreter in den Verhandlungsrunden mit am Tisch sitzen", sagt Annette Kümmel, Senior Vice President ProSiebenSat.1 Media AG.

Mi 25.07.2018 12:15Uhr 04:03 min

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Mehr Flexibilität bietet die Neureglung bei der so genannten Verweildauer, also der Zeit, die bereits gesendetes Programm in den Mediatheken und anderen Angeboten der Sender zum Abruf bereitgestellt werden darf. Die bislang für einige Programme geltende Sieben-Tage-Regel ist gestrichen. Nun ist es grundsätzlich Aufgabe der Sender, mit eigenen journalistisch-redaktionellen Konzepten die Verweildauer zu regeln. Dies war in den letzten Jahren allerdings ohnehin in den meisten Programmbereichen, besonders bei Eigenproduktionen, der Fall.

Konkrete Änderungen gibt es vor allem bei den bislang deutlich enger gefassten Spielregeln für angekauftes Programm wie zum Beispiel bei Spielfilmen oder internationalen Serien – so genannte „Lizenzware“ – sowie bei Sportübertragungen.

Bei der Lizenzware können nun angekaufte Spielfilme und Serien aus Europa bis zu 30 Tage nach der Ausstrahlung im linearen Programm „on demand“ angeboten werden. Dazu müssen sie allerdings mit Geoblocking versehen sein, damit Rechte in anderen Ländern nicht verletzt werden.

Sport darf künftig sieben Tage bleiben

Sportgroßereignisse nach der so genannten Listenregelung und Spiele der 1. und 2. Fußball-Bundesliga können nun bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung bzw. Liveübertragung abgerufen werden. Dies war bislang maximal für 24 Stunden möglich.

Zur so genannten Schutzliste von Sportgroßereignissen, die im frei empfangbaren Fernsehen (Free-TV) gezeigt werden müssen, gehören:

- Olympische Sommer- und Winterspiele,
- bei Fußball-Europa- und -Weltmeisterschaften alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie davon unabhängig das Eröffnungsspiel, die Halbfinalspiele und das Endspiel,
- die Halbfinalspiele und das Endspiel um den Vereinspokal des Deutschen Fußball-Bundes,
- Heim- und Auswärtsspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft sowie
- Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften im Fußball (Champions League, UEFA-Cup) bei deutscher Beteiligung.

Außerdem können ARD, ZDF und Deutschlandradio künftig Online-Only-Inhalte flexibler gestalten und ihre Telemedien ganz offiziell auf Drittplattformen wie beispielsweise Youtube anbieten. Dies war zwar zuvor nicht verboten, aber teilweise umstritten und wird nun ausdrücklich autorisiert.

Verleger konnten Interessen durchsetzen, Produzenten nicht

Kritiker monieren, dass mit der Neureglung verbindliche Änderungen im Sinne der Verleger festgeschrieben werden, während Punkte, die andere Marktteilnehmer wie beispielsweise die TV-Produzenten betreffen, im Ungefähren bleiben. Zum Streitpunkt, wie den TV-Produzenten und Urhebern die längeren Verweildauern in den Mediatheken vergütet werden sollen, gibt es nämlich keine klare Regelung. Hier ist nur in einer so genannten Protokollnotiz der Länder festgehalten, dass die Vertragsbedingungen für die Produzenten in der Internetwelt fair sein müssen.

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2018, 16:06 Uhr

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Di 19.06.2018 10:47Uhr 01:28 min

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