Grün überblendetes Handy mit dem Paragraphenzeichen sowie dem Schriftzug Nutzer.
Bildrechte: MEDIEN360G

Posten, Teilen, Herunterladen Das Urheberrecht aus Nutzerperspektive

Was darf ich im Internet verbreiten und was nicht? Wie finde ich heraus, wer der Urheber eines Werkes ist? Wie verhalte ich mich, wenn ich eine Abmahnung erhalte? Diese und andere Fragen, die für Nutzer urheberrechtlich geschützter Werke relevant sein können, werden hier beantwortet.

von Jane Schmidt

Grün überblendetes Handy mit dem Paragraphenzeichen sowie dem Schriftzug Nutzer.
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Welche Inhalte darf ich im Internet in Umlauf bringen?

Egal ob in sozialen Netzwerken, auf privaten Blogs oder auf Verkaufsplattformen: Am sichersten ist es, nur Texte, Bilder, Musik oder Videos zu posten, die man selbst erschaffen hat. Für Werke anderer Urheber braucht man in der Regel deren ausdrückliche Erlaubnis. Nur darauf zu verweisen, wo man den geposteten Inhalt gefunden hat, genügt nicht.

Zu beachten ist eine Besonderheit bei Fotos und Filmen von Personen. Wenn man diese öffentlich zugänglich machen oder verbreiten möchte, reicht die Erlaubnis des Urhebers allein nicht aus. Auch die Abgebildeten müssen der geplanten Nutzung zustimmen. Grund ist das sogenannte Recht am eigenen Bild. Es sichert allen Bürgern gesetzlich zu, dass sie selbst entscheiden dürfen, ob, wo und wie Bildnisse von ihnen veröffentlicht werden. Natürlich gibt es auch diesbezüglich Ausnahmen – zum Beispiel Personen der Zeitgeschichte wie hochrangige Politiker, berühmte Wissenschaftler oder Prominente. Wenn diese in Ausübung ihres Amtes oder ihrer Arbeit öffentlich auftreten, dürfen Bilder davon in der Regel auch ohne Erlaubnis der Abgebildeten verbreitet werden.

Darf ich fremde Inhalte verlinken?

Nach aktuellem Stand lässt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten, erklärt die Juniorprofessorin für Urheberrecht an der TU Dresden, Anne Lauber-Rönsberg: "Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass jede Form des Verlinkens oder auch des Teilens urheberrechtlich zulässig ist. Denn derjenige, der etwas verlinkt oder teilt, stellt das ja nicht neu ins Internet ein, sondern erleichtert nur, dass dieser Inhalt aufgefunden werden kann."

Der Europäische Gerichtshof aber habe, laut Lauber-Rönsberg, diese Rechtsprechung zuletzt ins Wanken gebracht und entschieden:

Ich darf fremde Inhalte verlinken, wenn sie mit Zustimmung des Rechtsinhabers frei zugänglich ins Internet eingestellt wurden. Wenn Inhalte dagegen rechtswidrig im Internet sind, darf ich sie eigentlich nicht verlinken und wenn ich das Ganze mit kommerziellen Hintergründen mache, mit einer Gewinnerzielungsabsicht, dann muss ich nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes mit dem Rechteinhaber klären, ob das Ganze verlinkt werden darf.

Auch das Teilen von Inhalten in sozialen Netzwerken ist demnach eine Grauzone. Lauber-Rönsberg empfiehlt, Inhalte, von denen man weiß oder vermutet, dass sie rechtswidrig sind, nicht weiterzuverbreiten. Das gilt auch abseits des Urheberrechts, zum Beispiel für Beleidigungen.

Wie finde ich heraus, wer Urheber eines Werkes ist?

Wenn der Urheber nicht direkt am Werk kenntlich gemacht ist, gibt es nicht viele Möglichkeiten seinen Namen herauszufinden. Wenn es sich um eine digitale Datei handelt, findet sich möglicherweise ein entsprechender Vermerk in den Datei-Eigenschaften. Falls nach dem Urheber eines Liedes gesucht wird, kann die sogenannte Repertoiresuche auf der Webseite der Verwertungsgesellschaft GEMA helfen. Dort kann man den Titel eines Liedes eingeben und einsehen, wer es komponiert und wer den Text geschrieben hat. Wenn der Urheber nicht ermittelt werden kann, ist es sicherer, das Werk nicht zu verwenden.

Muss ich mich immer an den Urheber selbst wenden oder gibt es für Nutzungsanfragen eine zentrale Anlaufstelle?

Viele Urheber lassen sich von Verwertungsgesellschaften vertreten. In Deutschland gibt es insgesamt 13 davon – jeweils eine für verschiedene Arten von Werken und Künstlern. Die VG Wort ist zum Beispiel zuständig für Autoren, Übersetzer und Verleger von Büchern und anderen Texten, die VG Bild-Kunst unter anderem für Maler, Fotografen, Kostüm- und Bühnenbildner und die GEMA für Komponisten, Textdichter und Musikverleger. Die Verwertungsgesellschaften vergeben Nutzungslizenzen für die Werke der Urheber. Potentielle Nutzer können sich in der Regel also direkt an die Verwertungsgesellschaften wenden, statt jeden Künstler einzeln ausfindig zu machen. Ein Vorteil davon ist auch, dass sie nicht über die zu zahlenden Gebühren verhandeln müssen, sondern sich auf feste Tarife einstellen können. Diese sind auf den Webseiten der Verwertungsgesellschaften einsehbar. Bei der GEMA sind die Tarife beispielsweise davon abhängig, welche Lieder wie oft gespielt werden und wieviel der Nutzer dadurch verdient.

Es gibt jedoch Fälle, in denen die Verwertungsgesellschaften nicht zuständig sind. Dann muss man sich an das Label bzw. den Verlag des Künstlers oder tatsächlich an den Urheber selbst wenden. Schlussendlich kommt es immer darauf an, was man als Nutzer mit dem Werk vorhat. Kompliziert kann es zum Beispiel werden, wenn man ein Lied nachspielen oder -singen möchte. Je nach genauem Fall braucht man die Einwilligung verschiedener Stellen:

Ein normales Cover, live gespielt, ist überhaupt kein Problem, solange dort eine GEMA-Lizenz bezahlt ist und darüber die Tantiemen quasi an den Urheber fließen

Grün überblendeter Interviewpartner Rajk Barthel mit dem Paragraphenzeichen sowie der Abkürzung UrhR. 4 min
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"Für den privaten Gebrauch kann man tun und lassen, was man möchte. Ein YouTube-Video ist ein anderer Fall", so Rajk Barthel auf die Frage, bei wem man die Erlaubnis einholen müsse, um ein Werk zu nutzen?

Do 20.09.2018 14:35Uhr 03:38 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/interview-rajk-barthel-urheberrecht-nutzersicht-100.html

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Video

, sagt der Leipziger Musikverleger Rajk Barthel. "Dasselbe gilt auch bei einer Tonträgervervielfältigung. Man kann ungefragt einfach einen Song covern, den auf eine CD aufnehmen, die CD verkaufen und der Urheber hat im Prinzip durch seine Mitgliedschaft in der GEMA sein Einverständnis erklärt, weil er dafür eine angemessene Vergütung bekommt."

Schwieriger ist es, wenn das Lied nicht nur nachgespielt, sondern verändert werden soll – wenn also vorgesehen ist, den Popsong als Techno-Version zu interpretieren. "Dann müsste ich nicht nur die GEMA, sondern auch den jeweiligen Komponisten um Erlaubnis fragen", erklärt die Juniorprofessorin für Urheberrecht Anne Lauber-Rönsberg. Ähnlich sieht es aus, wenn das gecoverte Lied im Internet hochgeladen und mit einem Video unterlegt werden soll, "weil man dabei die Musik mit einem Bild verbindet. Das ist ein Eingriff in ein Persönlichkeitsrecht, weil man das Werk in einen anderen Kontext stellt. [...] Dadurch, dass es sich hier um eine individuelle Rechtevergabe handelt, muss man wirklich an die Rechteinhaber herantreten. Das ist im Falle der Kompositionsseite meistens der Verlag, man braucht aber auch noch das Einverständnis der Interpreten, die meistens von einem Label vertreten werden", weiß Barthel. Angesichts der vielen Sonderfälle und Möglichkeiten empfiehlt Jürgen Brandhorst von der GEMA, sich im Zweifel immer direkt an den Urheber oder seinen Verlag zu wenden.

Gibt es Werke, die ich nutzen darf, ohne zu fragen?

Nicht um Erlaubnis bitten muss man, wenn der Urheber des fraglichen Werkes schon mehr als 70 Jahre tot ist – denn dann ist sein Urheberrecht erloschen. Solche Werke werden als "gemeinfrei" bezeichnet. Interessant ist in dem Zusammenhang auch das Konzept der sogenannten freien Inhalte bzw. freien Lizenzen.

Was hat es mit dem Konzept der "freien Lizenzen" auf sich?

Mit freien Lizenzen legt ein Urheber Voraussetzungen fest, unter denen Nutzer ein Werk ohne Weiteres verwenden dürfen. Das funktioniert nach einer Art Baukastenprinzip. Der Urheber entscheidet etwa, ob sein Werk nur kopiert oder auch bearbeitet werden darf und ob die Nutzung zu kommerziellen Zwecken erlaubt ist oder nicht. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Internetenzyklopädie Wikipedia: Sie besteht aus freien Inhalten. Jeder darf sich beteiligen, Artikel bearbeiten und neue anlegen. Weit verbreitet – vor allem für Fotos und andere Bilder – sind die Creative Commons, kurz CC-Lizenzen genannt. Über die Internetseite der Creative Commons kann man gezielt nach freien Inhalten suchen. Auch einige klassische Suchmaschinen bieten einen solchen Service an. Die Anbieter solcher Suchfunktionen übernehmen in der Regel keine Gewähr für die Ergebnisse. Als Nutzer sollte man deshalb immer kontrollieren, ob das gefundene Werk wirklich unter einer freien Lizenz steht. Probleme kann es auch geben, wenn mehrere Urheber Rechte an einem Werk besitzen und sich untereinander nicht über die Freigabe per CC-Lizenz abgestimmt haben oder wenn ein Dritter ein Werk freigegeben hat, ohne wirklich Urheber zu sein.

Was passiert, wenn ich gegen das Urheberrecht verstoße?

Im besten Falle meldet sich der Urheber persönlich und fordert, die unerlaubte Nutzung seines Werkes zu unterlassen. Er kann aber auch direkt zum Anwalt gehen und eine Abmahnung veranlassen. "Das bedeutet, dass der Nutzer dazu aufgefordert wird, diese Nutzung in Zukunft zu unterlassen und eine entsprechende Unterlassungsverpflichtungserklärung abzugeben, worin er sich auch dazu verpflichtet, dass er eine Vertragsstrafe zahlen wird, wenn er diese Rechtsverletzung dann noch ein zweites Mal vornehmen wird", weiß Anne Lauber-Rönsberg. Darüber hinaus muss der Übeltäter die Anwaltskosten des Urhebers übernehmen und einen Schadenersatz zahlen. Laut Lauber-Rönsberg ist der Betrag in der Regel so hoch wie die Lizenzgebühr, die eigentlich zuvor hätte geleistet werden müssen: "Alles in allem kann das schon auf eine hohe drei- oder vierstellige Summe hinauslaufen, sodass man hier also durchaus auch erhebliche finanzielle Risiken haben kann." Wenn man sich weigert, den in der Abmahnung gestellten Forderungen nachzukommen, kann der Urheber seine Rechte vor Gericht einklagen.

Wie kann ich vorgehen, wenn ich eine Abmahnung erhalten habe?

Michael Hummel, Referatsleiter Recht bei der Verbraucherzentrale Sachsen, und Juniorprofessorin Anne Lauber-Rönsberg sind sich einig: Wer eine Abmahnung erhalten hat, sollte sich am besten rechtlich beraten lassen - zum Beispiel von einem Anwalt oder der Verbraucherzentrale. "Denn es gibt viele Trittbrettfahrer, viele Rechteinhaber, die Ansprüche unberechtigt geltend machen und da laufe ich natürlich Gefahr, als Verbraucher in Fallen zu tappen oder Geld zu zahlen, wo ich gar nicht zahlen müsste", erklärt Hummel.

Generell gilt: Wer das Urheberrecht tatsächlich missachtet hat, wird kaum darum herumkommen, den in der Abmahnung gestellten Forderungen nachzukommen. Diskutieren lässt sich dann höchstens noch über die Höhe der zu tragenden Kosten. Wenn der Vorwurf hingegen unbegründet ist, muss weder das geforderte Geld gezahlt noch die Unterlassungserklärung unterzeichnet werden. Lauber-Rönsberg zufolge empfiehlt es sich jedoch auch in solchen Fällen, zu reagieren statt die Abmahnung einfach zu ignorieren: "Da sollte man dann also zum Beispiel ein Schreiben aufsetzen, in dem man darlegt, warum ein bestimmtes Verhalten rechtlich zulässig war."

Beim Aufsetzen eines solchen Schreibens hilft die Hackervereinigung Chaos Computer Club. Sie bietet auf ihrer Webseite einen sogenannten Abmahnbeantworter an. Dort kann man die Eckdaten zur Abmahnung eingeben und bekommt ein fertiges Schreiben zusammengesetzt. Diese Hilfe sollte allerdings nur in Anspruch nehmen, wer absolut sicher ist, nicht gegen das Urheberrecht verstoßen zu haben.

MEDIEN360G im Interview

Grün überblendeter Interviewpartner Michael Hummel mit dem Paragraphenzeichen sowie der Abkürzung UrhR. 3 min
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"Bei Abmahnungen sollte man sich immer rechtlich beraten lassen, denn es gibt auch viele Trittbrettfahrer, viele Rechteinhaber, die Ansprüche unberechtigt geltend machen", warnt Michael Hummel.

Mi 26.09.2018 12:24Uhr 03:28 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/interview-michael-hummel-urheberrecht-nutzersicht-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Grün überblendete Interviewpartnerin Anne Lauber-Rönsberg mit dem Paragraphenzeichen sowie der Abkürzung UrhR. 16 min
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"Wenn man Inhalte auf Facebook postet, dann sollte man darauf achten, dass man diese Inhalte selbst erstellt hat oder dass man die Zustimmung der jeweiligen Urheber hat", betont Juniorprofessorin Anne Lauber-Rönsberg.

Do 20.09.2018 14:39Uhr 15:51 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienpolitik/interview-anne-lauber-roensberg-urheberrecht-nutzersicht-100.html

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Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 17:04 Uhr