Grün überblendetes Gothe-und-Schiller-Denkmal mit dem Paragraphenzeichen sowie dem Schriftzug Urheber.
Bildrechte: MEDIEN360G

Schaffen, Schützen, Geldverdienen Das Urheberrecht aus Urheberperspektive

Wie kann ich vorgehen, wenn jemand mein Urheberrecht verletzt? Wie kann ich mit meinen Werken Geld verdienen? Lohnt es sich, sich von einer Verwertungsgesellschaft vertreten zu lassen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

von Jane Schmidt

Grün überblendetes Gothe-und-Schiller-Denkmal mit dem Paragraphenzeichen sowie dem Schriftzug Urheber.
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Welche Rechte habe ich als Urheber?

Der Urheber bestimmt, wer seine Werke unter welchen Bedingungen veröffentlichen, verbreiten, vervielfältigen oder bearbeiten darf und wie viel das kostet. Neben materiellen Ansprüchen schützt das Urheberrecht die ideellen Interessen des Urhebers, erläutert die Juniorprofessorin für Urheberrecht an der TU Dresden, Anne Lauber-Rönsberg:

Der Urheber hat also im Rahmen dieses sogenannten Urheberpersönlichkeitsrechts ein Recht darauf, dass sein Werk so bleibt wie er es geschaffen hat, dass es nicht entstellt wird und auch nicht in einen entstellenden Kontext gesetzt wird.

Was abstrakt klingt, ist in den vergangenen Jahren mehrfach in der Praxis relevant gewesen. Im Jahr 2016 gewann die Leipziger Musikerin Sarah Lesch mit ihrem Lied "Testament" den "Protest Song Contest" in Wien und erregte damit eine Menge Aufmerksamkeit – auch bei Vereinigungen, die ihr politisch und ideologisch fern waren. Nationalistische Gruppen, wie die German Defense League, luden ein Video des Liedes herunter und verbreiteten es ungefragt über ihre Social-Media-Kanäle. Verschwörungstheoretiker unterlegten gar einen Film mit Teilen des Songs. Sarah Lesch sah ihr Image bedroht und wehrte sich mit Abmahnungen, öffentlichen Statements und Interviews. "Das hat sie verbunden mit einem Aufruf zur Kommunikation – denn wenn sie über ihre Songtexte einen Zugang zu bestimmten Menschen, die eine andere Denkweise haben, findet, dann kann man das ja auch nutzen, um einen Diskussionsprozess in Gang zu setzen", erinnert sich ihr Verleger Rajk Barthel.

Auch deutschlandweit bekannte Künstler, wie die Schlagersängerin Helene Fischer, mussten sich mit diesem Aspekt des Urheberrechts schon auseinandersetzen. Fischer klagte vor dem Thüringischen Oberlandesgericht dagegen, dass eines ihrer Lieder bei einem Parteitag einer rechtsextremen Partei gespielt wurde – und bekam im Jahr 2015 Recht. "Das Thüringische OLG hat dies als Urheberrechtsverletzung angesehen, obgleich das Lied als solches nicht verändert wurde. Es wurde kein neuer Text unterlegt und das Lied wurde so wie es von Frau Fischer gesungen worden war gespielt, aber dennoch ist das eine Urheberrechtsverletzung, wenn es sich um eine Verwendung in einem Kontext handelt, mit der der Urheber vermutlicherweise nicht einverstanden ist", erzählt Lauber-Rönsberg.

Wie kann ich meine Werke vor unerlaubter Nutzung schützen?

Eine zu 100 Prozent zuverlässige Methode gibt es nicht. Je nachdem, welche Art von Werk sie geschaffen haben, versuchen es Urheber mit verschiedenen Strategien. Das können unter anderem Wasserzeichen, Logos oder Signaturen auf Bildern und Fotos sein. Für Musik und Filme wird oft ein technischer Kopierschutz eingerichtet. Keine dieser Möglichkeiten bietet jedoch abschließende Sicherheit. Wer bewusst beschließt, ein Werk stehlen zu wollen, kann immer einen Weg finden, die Schutzmaßnahmen zu umgehen – allerdings setzt das in der Regel ein entsprechendes technisches Know-How und eine gewisse kriminelle Energie voraus.

Wie merke ich, ob jemand meine Werke ungefragt verwendet hat?

Entweder der Urheber stößt zufällig auf eine unerlaubte Nutzung, eine dritte Person gibt ihm einen Hinweis oder er sucht aktiv nach Verstößen. Dabei können Verwertungsgesellschaften, Verlage und Labels helfen. Ihnen stehen Hilfsmittel zur Verfügung, die Privatpersonen nicht nutzen können. Ein Beispiel aus der Musikszene ist das sogenannte Content-ID-System, das von der Videoplattform YouTube bereitgestellt wird. "Über dieses Content-ID-System [...] bekommt man mit, wenn irgendwo Musik genutzt wird, an der man die Rechte hält und kann dann von der Rechteinhaberseite unkompliziert entscheiden, ob man das einfach gewähren lässt, ob man das monetarisieren lässt oder ob man das untersagt", weiß der Leipziger Musikverleger Rajk Barthel.

Um unerlaubte Aufführungen von Werken aufzuspüren, haben Verwertungsgesellschaften gute Möglichkeiten. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz GEMA, zum Beispiel hat das Personal, um gezielt abzugleichen, ob für auf Konzerten gespielte Lieder bezahlt wurde:

Wenn Sie zum Beispiel ein Konzert veranstalten und das nicht bei der GEMA anmelden, dann wissen wir, dieses Konzert hat stattgefunden – weil es natürlich Möglichkeiten gibt, jedes öffentliche Konzert über Pressemeldungen und so weiter dann doch in Erfahrung zu bringen –, sehen dann, Sie haben es nicht lizensiert und dann kommen wir auf Sie zu und sagen: 'Sie haben offenbar vergessen, dieses Konzert bei der GEMA anzumelden. Bitte holen Sie das nach'

Jürgen Brandhorst, Direktor für die Verteilung der Aufführungs- und Senderechte der GEMA

Wie kann ich vorgehen, wenn jemand gegen mein Urheberrecht verstoßen hat?

Grün überblendete Interviewpartnerin Juliane Maria Hoffmann mit dem Paragraphenzeichen sowie der Abkürzung UrhR. 4 min
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Eine Variante ist es, die betreffende Person persönlich zu kontaktieren und aufzufordern, die Nutzung des Werkes zu unterlassen oder dafür zu bezahlen. Oft führt das bereits zum Erfolg. "Ich hatte einen Kunden, für den ich einen Flyer gemacht habe und der hat, ich glaube vier Jahre später, denselben Flyer in veränderter Form einfach noch mal benutzt. [...] Ich habe dort angerufen und gefragt, was das soll. Wir haben uns dann geeinigt und ich habe quasi ein nachträgliches Honorar bekommen", berichtet die Leipziger Konzeptkünstlerin Juliane Maria Hoffmann.

Falls ein persönlicher Kontakt nicht hilft, kann der Urheber sich einen Anwalt suchen und mit seiner Hilfe den unerwünschten Nutzer abmahnen. "Das wäre die erste Stufe: Der Versuch, den Konflikt außergerichtlich zu klären. Wenn das nicht zum Ergebnis führt, könnte ich als Rechteinhaber auch dann vor Gericht eine entsprechende Klage erheben oder, wenn es schnell gehen muss, einen Antrag auf einstweilige Verfügung beim Gericht stellen", fasst Juristin Anne Lauber-Rönsberg weitere mögliche Schritte zusammen. Wer sich von einer Verwertungsgesellschaft, einem Verlag oder einem Label vertreten lässt, kann das Verfolgen von Urheberrechtsverstößen in der Regel ihnen überlassen.

Was machen Verwertungsgesellschaften?

Dem Urheberrecht zufolge muss ein Künstler nicht nur bezahlt werden, wenn jemand sein Werk kauft. Auch wenn es vervielfältigt wird, eine Bibliothek es verleiht oder es öffentlich aufgeführt wird – zum Beispiel im Rundfunk, auf einer Internetplattform oder bei einem Konzert –, steht ihm eine Vergütung zu. Der gesetzliche Auftrag der Verwertungsgesellschaften ist es, genau dieses Geld einzusammeln.

In Deutschland gibt es insgesamt 13 Verwertungsgesellschaften – jeweils eine für verschiedene Arten von Werken und Künstlern. So ist die VG Wort zuständig für Autoren, Übersetzer und Verleger von Büchern und anderen Texten, die VG Bild-Kunst unter anderem für Maler, Fotografen, Kostüm- und Bühnenbildner. Die GEMA vertritt Komponisten, Textdichter und Musikverleger. Verwertungsgesellschaften sind privatrechtlich organisiert und stehen unter der Aufsicht des Deutschen Patent- und Markenamtes.

Um Mitglied zu werden, müssen in der Regel ein Mitgliedsantrag gestellt sowie eine Aufnahmegebühr bezahlt werden. Anschließend fällt jedes Jahr ein Mitgliedsbeitrag an. Wie hoch diese Gebühren sind, legen die Verwertungsgesellschaften auf ihren Webseiten dar.

Lohnt es sich, sich von einer Verwertungsgesellschaft vertreten zu lassen?

"Das lohnt sich in dem Moment, in dem die Tantiemen, die man bekommt, den Mitgliedsbeitrag übersteigen", meint Musikverleger Barthel. "Da reichen schon ein paar Konzerte, die mit den Songs gespielt werden, oder eine Radionutzung."

Neben dem finanziellen Aspekt hebt Jürgen Brandhorst von der GEMA auch den Serviceaspekt hervor:

Der Urheber hat den großen Vorteil, dass er nicht selber die Kontrolle über seine Werknutzungen ausüben muss und auch nicht selber diese womöglich sehr aufwendigen, schwierigen, langwierigen Verhandlungen mit all den Nutzern führen muss, sondern dass das eben die Verwertungsgesellschaft wie beispielsweise die GEMA für ihn leistet.

Dieser Aspekt wird noch einmal relevanter, wenn auch Menschen im Ausland ein Werk verwenden können sollen. Mit Nutzern aus aller Herren Länder selbst zu verhandeln, wäre für die Urheber äußerst kompliziert und langwierig. Verwertungsgesellschaften begegnen diesem Problem, indem sie untereinander international kooperieren. Am Beispiel der GEMA bedeutet das: "Wir arbeiten mit denen so zusammen, dass – einfach gesagt – wir sagen: Nimm du bitte die Rechte unserer Mitglieder in deinem Land wahr und wir nehmen im Gegenzug die Rechte deiner Mitglieder in unserem Land wahr", so Brandhorst.

Nach welchem Prinzip werde ich von Verwertungsgesellschaften bezahlt?

Verwertungsgesellschaften behalten einen Teil des Geldes, das sie im Auftrag der Urheber einsammeln, um ihre Betriebs- und Verwaltungskosten zu decken. Im Falle der GEMA sind das zum Beispiel etwa 15 Prozent. Den Rest schütten die Verwertungsgesellschaften an die Urheber aus. Die genauen Regeln und Prozentzahlen sind in sogenannten Verteilungsplänen zusammengefasst und auf den Webseiten der einzelnen Verwertungsgesellschaften einsehbar.

Wie sorge ich als Musiker dafür, dass meine Lieder auf Spotify gespielt werden?

Streaming-Plattformen wie Spotify sind eine weitere Möglichkeit für Künstler, mit ihren Werken Geld zu verdienen. Einfach selbst dort hochladen können die Urheber ihre Musik allerdings nicht. In der Regel kümmert sich ihr Label darum. Auch die GEMA kann entsprechende Verhandlungen führen. Alternativ kann man eines von mehr als 40 privaten Unternehmen damit beauftragen.

Nach welchem Prinzip vergütet Spotify die Musiker?

Die Bezahlung der Musiker richtet sich danach, wie oft ihre Lieder pro Monat gehört werden. Dabei wird unterschieden, ob die Nutzer über ein kostenpflichtiges Abo auf die Lieder zugreifen oder über den kostenfreien werbefinanzierten Dienst. Der Betrag, der einem Künstler pro Stream zusteht, liegt jedoch in beiden Fällen im 0,00-Cent-Bereich. Von den Gesamteinnahmen behält Spotify etwa 30 Prozent, um seine Arbeit und den Ausbau des Unternehmens zu finanzieren. Weil Spotify keine direkten Verträge mit den Urhebern hat, wird der Restbetrag an deren Vertreter gegeben – also an Labels, die GEMA und die von den Künstlern beauftragten privaten Unternehmen. Wieviel dann tatsächlich an die Musiker ausgezahlt wird, hängt von den Verträgen ab, die sie mit diesen Vertretern geschlossen haben.

Welche Schwierigkeiten können mich als Musiker auf Spotify erwarten?

In der Öffentlichkeit wird immer wieder Kritik laut, Spotify bezahle Musiker zu schlecht. Pressesprecher Marcel Grobe begegnet diesem Vorwurf gelassen: "Es ist, glaube ich, ein sehr, sehr fairer und auch demokratischer Prozess, weil natürlich nur die Leute am Ende verdienen oder viele Streams generieren, deren Musik auch gehört wird." Weil Spotify keine direkten Verträge mit den Musikern habe, habe es auch keinen Einfluss darauf, wieviel Geld diese schlussendlich bekämen. Das müssten sie direkt mit ihren Labels, Verlagen und der GEMA klären. Grobe verweist zudem auf Möglichkeiten, die Spotify den Künstlern biete, um sich selbst besser zu vermarkten. Ähnlich wie bei Einschaltquoten im Fernsehen könnten sie einsehen, wo ihre Musik gestreamt werde sowie von wem und die Erkenntnisse etwa nutzen, um ihr Marketing anzupassen oder zu entscheiden, in welchen Orten sie Konzerte spielen wollten.

Einen weiteren Kritikpunkt bringt Musikverleger Rajk Barthel an: "Man geht in der Masse schnell unter. Man muss, um überhaupt Gehör zu finden, eigentlich Teil von diesen Playlisten sein und über die Kuratierung dieser Listen hat man überhaupt keine Kontrolle." Grobe widerspricht dem. Die Playlisten würden nicht nach persönlichem Ermessen der Spotify-Redakteure erstellt, sondern anhand der Daten, welche Musik aktuell oft abgerufen werde:

Ein Künstler, der sagt, er möchte sich in eine Playlist hineinsetzen, kann das am besten machen, indem er Musik macht, die vom Publikum auch gemocht und gehört wird.

Wie kann ich vorgehen, wenn ich meine Werke kostenfrei der Allgemeinheit zur Verfügung stellen möchte?

Der Urheber hat die Möglichkeit, seine Werke über sogenannte freie Lizenzen freizugeben. Dabei legt er Voraussetzungen fest, unter denen Nutzer seine Werke ohne Weiteres verwenden dürfen. Er entscheidet etwa, ob seine Werke nur kopiert oder auch bearbeitet werden dürfen und ob die Nutzung zu kommerziellen Zwecken erlaubt ist oder nicht. Besonders beliebt sind die Creative Commons, kurz CC-Lizenzen genannt.

Zu beachten ist, dass die CC-Lizenzen unwideruflich vergeben werden, gibt Barthel zu bedenken: "Wenn man einmal ein bestimmtes Werk unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht hat, lässt sich das nicht wieder einfangen. Wenn der Urheber merkt: 'Das wird ja total erfolgreich, mir geht hier ein Einnahmepotential durch die Lappen', dann kann er das nicht mehr ändern." Auf der anderen Seite können freie Inhalte gerade noch unbekannten Künstlern helfen, ihre Werke zu verbreiten und so einen Werbeeffekt haben.

MEDIEN360G im Interview

Grün überblendete Interviewpartnerin Anne Lauber-Rönsberg mit dem Paragraphenzeichen sowie der Abkürzung UrhR. 8 min
Bildrechte: MEDIEN360G

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 13:13 Uhr