Grafische Darstellung eines Läufers beim Start und eines Mannes im Anzug mit Koffer im Laufschritt.
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Sportrechte Die Jagd nach den Millionen

Damit Medien Bilder von Sportereignissen zeigen dürfen, müssen sie tief in die Tasche greifen - vor allem bei sportlichen Großereignissen wie einer Fußball-Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen. Warum ist das so? Was genau regeln Sportübertragungsrechte und welche gesetzlichen Grundlagen gibt es dafür? Wir haben die wichtigsten Antworten zusammengestellt.

Grafische Darstellung eines Läufers beim Start und eines Mannes im Anzug mit Koffer im Laufschritt.
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Was sind Sportübertragungsrechte?

Übertragungsrechte - auch Audiovisuelle Sportrechte, Fernsehrechte, Vermarktungsrechte, Aufnahmerechte, Verwertungsrechte - sind die Rechte eines Sportveranstalters an den Bild- und Tonaufnahmen einer Sportveranstaltung. Es gibt keinen einheitlichen juristischen Begriff.

Um Sportereignisse abzubilden und darüber berichten zu können, benötigen Medien diese Übertragungsrechte. Gerade bei großen Sportveranstaltungen wie den Olympischen Spielen oder  beliebten Sportarten wie Fußball sind diese besonders lukrativ. Exklusivität ist ein wertvolles Gut bei der Vermarktung von Fernsehrechten.

Warum muss über herausragende Sportereignisse berichtet werden?

Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts gehört die Berichterstattung über herausragende Sportereignisse zur Information im Sinne des klassischen Rundfunkstaatsvertrags. Sie muss also gewährleistet werden:

Neben dem Gesetztestext "Die Bedeutung solcher Sportereignisse erschöpft sich nicht in ihrem Unterhaltungswert. Sie erfüllen darüber hinaus eine wichtige gesellschaftliche Funktion. (...) Eine umfassende Berichterstattung (...) lässt sich daher unter Verzicht auf Sportereignisse nicht verwirklichen.“ steht die grafische Darstellung eines springenden Ski-Fahrers.
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Der freie Zugang zu einer Berichterstattung über Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung wird in Art. 14 der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste („AVMD-Richtlinie“) sichergestellt.

Mitgliedstaaten können Veranstaltungen auflisten, die ihrer Meinung nach von gesellschaftlicher Bedeutung sind. Somit sorgen sie dafür, dass bestimmte Sportwettbewerbe im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt werden müssen. Deutschlands Liste wurde direkt im Rundfunkstaatsvertrag festgehalten und betrifft diese Ereignisse:

Großereignisse, die im deutschen Free-TV ausgestrahlt werden müssen: Olympische Sommer- und Winterspiele Bei Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie davon unabhängig das Eröffnungsspiel, die Halbfinalspiele und das Endspiel Die Halbfinalspiele und das Endspiel um den Vereinspokal des Deutschen Fußball-Bundes Heim- und Auswärtsspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft sowie Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften im Fußball (Champions League, UEFA-Cup) bei deutscher Beteiligung
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Ob noch andere Sportarten wie beispielsweise Handball in dieser „Schutzliste“ eingetragen werden sollten, wird immer wieder diskutiert.

Warum sind Sportrechte so teuer?

Aktualität ist beim Sport alles: Wettbewerbe sind in der Live-Übertragung am spannendsten. Ihre publizistische Halbwertszeit beträgt somit allerdings nur Stunden. Das bedeutet, dass eine Sportübertragung viel schneller an Wert verliert als beispielsweise ein Film, bei dem auch weitere Ausstrahlungen immer noch für ein hohes Zuschauerinteresse sorgen können. Deswegen ist es für die Sender wichtig, dass das erworbene Produkt hohe Einschaltquoten erzielt und damit auch ein attraktives Werbeumfeld abgibt – vor allem für die privaten Sender, die sich größtenteils aus Werbeeinnahmen finanzieren.

Und nichts bringt dem Fernsehen so hohe Einschaltquoten wie Fußball und sportliche Großereignisse (wie Olympia), die live übertragen werden. Experten sprechen von der wertvollsten Form einer Sende-Minute. Diese hohen Reichweiten und die Aussicht auf positive Imageeffekte für Sponsoren und Werbetreibende machen bestimmten Sport für Fernsehsender zu einem attraktiven Programmangebot.

Die Top Ten der meistgesehenen Sendungen 2016 besteht ausschließlich aus Spielen der Fußball-EM. Erst auf Platz 16 kommt die erste Nicht-Sport-Sendung, ein Tatort.
Quelle: KEK/GFK Bildrechte: MEDIEN360G

Wie viel Geld gibt die ARD für Sportlizenzen und Sportberichterstattung aus?

Zwischen 2013 und 2016 besaß die ARD für Sportrechte einen jährlichen Etat von rund 250 Millionen Euro. Das beinhaltet alle Sportrechte für sämtliche ARD-Programme.

Bei 250 Millionen Euro für die Lizenzen bleibt es allerdings nicht: Für die gesamte Sportberichterstattung in den ARD-Programme bezahlt jeder Haushalt 70 Cent von 17,50 Euro Rundfunkbeitrag.

2016 sendete die ARD 478 Stunden Sportberichterstattung, davon 93 Stunden Fußball, 166 Stunden Wintersport und 219 Stunden sonstige Sportarten. Neben den Zahlen ist die Silhouette einer Tennisspielerin beim Aufschlag.
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Wie werden Sportrechte verhandelt und wer sind die Player?

Bei der Rechtevergabe gibt es zwei unterschiedliche Modelle: dezentrale und zentrale Vermarktung. Dezentrale Vermarktung: Vereine oder Verbände vermarkten ihre Wettbewerbe selbst. Zentralvermarktung: Der Verband verkauft die Rechte an beispielsweise einer Liga an einen Bieter. Die Sportrechte werden dann in einem Auktionsverfahren von den Veranstaltern über eine Vermarktungsagentur an den meistbietenden Sender verkauft. In Deutschland gibt es einen gemeinsamen Vermarktungsvertrag zwischen 33 deutschen Spitzensportverbänden und SportA, der Sportrechteagentur der öffentlich-rechtlichen Sender.

Die grafische Darstellung eines Fußball-Stürmers in Schussbewegung, steht für die Sportveranstalter, sie vermarkten die Rechte. Die darstellung eines reingrätschenden zweiten Fuballers steht für die Sportrechteagenturen, sie verhandeln über die Verwertungsrechte. Der abgebildete Torwart, stellt die Medien dar, die vom Ereignis berichten.
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Wie hat sich der Sportrechtemarkt entwickelt?

Anfangs wurden Sportveranstaltungen von den großen Vollprogramm-Sendern, also den öffentlich-rechtlichen und den privaten Fernsehsendern, übertragen. Einerseits sind die Sendeplätze dieser Kanäle beschränkt. Andererseits ist es für die Fernsehsender schwieriger geworden, die hohen Summen für wichtige Sportrechte über Werbung oder öffentlich-rechtliche Beitragsgelder zu finanzieren. Somit ist Fußball, Deutschlands populärster Sport, in den vergangenen Jahren immer mehr aus dem Free-TV verschwunden. Das liegt auch daran, dass der Markt globaler geworden ist und zusätzlich internationale Player im Sportrechte-Wettbewerb auftreten.

Aber es gibt auch bestimmte Auflagen:

Mit der Saison 2017/18 hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf Anordnung des Bundeskartellamts eine sogenannte “No Single Buyer Rule” eingeführt. Dieses Alleinerwerbsverbot soll sicherstellen, dass die Übertragungsrechte nicht nur von einem Bewerber gekauft werden - im Idealfall von mehreren, meist aber nur von zwei. In Deutschland sind das Sky und Eurosport. Durch die Konkurrenzangebote wurden die Preise für Fußballrechte noch weiter in die Höhe getrieben. Die Verbraucher sind letztlich gezwungen, mehrere Pay-TV-Angebote zu abonnieren, um alle Turniere vollständig sehen zu können.

Welche neuen Player sind dazu gekommen?

Ende Juni 2015 hatte sich Discovery Communications, dazu gehört auch Eurosport, die europäischen TV-Lizenzen an Olympia von 2018 bis 2024 für rund 1,3 Milliarden Euro gesichert.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Streamingdienst DAZN, der seit August 2016 von der britischen Perform Group betrieben wird und Sportübertragungen via Stream im Internet anbietet. Seit 2016 bis 2021 zeigt DAZN Zusammenfassungen der deutschen Bundesliga-Spiele. Champions-League-Spiele wird DAZN bis 2021 nur als Sublizenznehmer zeigen. Der Hauptlizenznehmer ist Sky.

Außerdem haben sich inzwischen mehrere große Internetanbieter in die Sportarena gewagt:

Im Oktober 2015 hat Yahoo die weltweite Übertragung eines Spiels der US-amerikanischen National Football League (NFL) über das Internet getestet. Google hat sich die Rechte für die Übertragung des spanischen Fußballpokals Copa del Rey für die Saison 2015/16 in mehreren Ländern gesichert. Diese Spiele werden im Abonnement oder als Pay-per-View angeboten. Außerdem hat Google die Rechte für die Online-Übertragung der kanadischen Fußball-Liga erworben. Facebook hat ebenfalls einen ersten Versuch in diese Richtung gestartet und die Trainingseinheit eines US-amerikanischen Basketballclubs live übertragen. Sogar Twitter mischt mit. Der Mikroblogging-Dienst sicherte sich im April 2016 Rechte für die weltweite Übertragung von zehn NFL-Spielen.

Wie hat sich die Rechtelage bei den Olympischen Winterspielen geändert und inwieweit übertragen die Öffentlich-Rechtlichen Olympia?

Bisher besaßen die Öffentlich-Rechtlichen die Exklusivrechte an den Olympischen Winterspielen. Für 2018 gehören diese der Eurosport-Mutter Discovery. Lange stand nicht fest, inwieweit ARD und ZDF Olympia übertragen dürfen. Seit Ende 2017 haben sie Sublizenzen erlangt. Für die Winterspiele 2018 bedeutet der Deal, dass einige Sportarten, darunter Eishockey, Snowboard, Shorttrack und Eiskunstlauf, exklusiv auf Eurosport zu sehen sein werden. Mit Ausnahme der Spiele der deutschen Nationalmannschaft und dem Finale, welche parallel im Free-TV übertragen werden.

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2018, 17:18 Uhr

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