Digital Immigrants Sicher durchs Netz – Digitale Selbstverteidigung

Surfen, chatten, Informationen suchen - nicht nur wir, auch unsere Kinder verbringen täglich mehrere Stunden im Internet. Doch sicher ist das nicht unbedingt. Wir zeigen, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können.

von Katharina Pritzkow für MEDIEN360G

Teddybär-Ritter sitzt mit Schutzschild, auf dem ein Schloss abgebildet ist. 8 min
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So 22.04.2018 14:28Uhr 07:33 min

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Für Kinder und Jugendliche gehört das Internet heute einfach dazu. Wer nicht zu Hause surft, lernt das World Wide Web spätestens beim besten Freund oder in der Schule kennen. Unendlich viele Seiten bieten unendlich viele Möglichkeiten. Aber längst nicht alle Websites sind für Kinder geeignet. Experten empfehlen deshalb, mit dem Internet wie mit dem Fernseher umzugehen, erklärt Kristin Langer – Mediencoach bei der Initiative SCHAU HIN:

Eine Frau hat ein Tablet in der Hand
Mediencoach Kristin Langer Bildrechte: SCHAU HIN!

Sehr gut ist, wenn Eltern ihr Kind von vornherein begleiten. Also sobald mein Kind Interesse für ein mobiles Gerät zeigt oder an einem Spiel, einer Bilderbuch-App oder einer Internetseite, dann sollten die Eltern dabei sein. Und sie sollten sich ein Bild davon machen, was ihr Kind schon kann.

Ein sinnvoller Ratschlag, der aber in der Realität nicht so leicht umzusetzen ist. Denn mittlerweile haben schon Grundschulkinder Smartphones und Tablets, wie eine Jugend-Studie von Bitkom zeigt. Demnach besaß 2017 die Mehrheit der 10-Jährigen in Deutschland ein Smartphone. Verlassen sie mit ihren mobilen Geräten das Haus, ist es normalerweise aus mit Begleitung und Kontrolle.

Sichere Technik mit wenigen Klicks

Auch wenn Eltern nicht immer dabei sind, können sie einigen Schaden von ihrem Kind fern halten. Oft sind dafür nur wenige Klicks nötig.

Allerdings sind Smartphones so noch nicht wirklich kindersicher. Martin Müsgens von der Initiative klicksafe kritisiert, dass Eltern technisch schon sehr versiert sein müssen, um einen echten Schutz hinzubekommen:

Ein Mann mit Brille
Martin Müsgens von klicksafe Bildrechte: klicksafe

Es gibt so unterschiedliche Geräte und Betriebssysteme. Je nach Hersteller werden dann die Betriebssysteme noch modifiziert, sodass es für Eltern nicht einfach ist, sich einen Überblick zu verschaffen: Wie kann ich mein Smartphone wirklich kindersicher machen?

Jugendschutzprogramm fürs sichere Surfen mit iOS

Wer ganz sicher gehen will, dass seine Kinder beim Surfen nicht auf jugendgefährdende Inhalte stoßen, kann aber auf kleine Helfer wie das Jugendschutzprogramm JusProg zurückgreifen, empfiehlt Medienpädagogin Kristin Langer. Das Programm ist sowohl für Apple-Smartphones als auch das Windows-Betriebssystem verfügbar und wurde von der Kommission für den Kinder- und Jugendmedienschutz für gut befunden. 

Das Programm bietet Eltern- und Kinderkonten, die unterschiedliche Berechtigungen beim Surfen im Internet haben. Erwachsene können beispielsweise festlegen, wann ihr Kind die App nutzen und welche Seite es aufrufen darf. Das funktioniert mit einem Webseiten-Filter – sogenannten White- und Blacklists. Auf der Whitelist, also der weißen Liste, stehen alle Webseiten, die für Kinder geeignet sind. Wählt man diese Option, können Kinder nur genau diese Internetseiten auf der Liste anwählen. Bei der Blacklist, also der schwarzen Liste, ist es genau andersherum: Hier kann prinzipiell jede Webseite aufgerufen werden – es sei denn, sie steht auf der Blacklist. Diese Variante ist eher für ältere Kinder geeignet.

Bei JusProg können Eltern zusätzlich bestimmen, mit welchen Suchmaschinen ihr Kind innerhalb der App das Internet erkunden darf. Zur Auswahl stehen insgesamt sechs Stück, darunter Google und spezielle Kindersuchmaschinen. 

Kindersuchmaschinen Hier werden kindgerecht aufbereitete Informationen angeboten. Kinder können den Inhalt verstehen, Eltern können sicher sein, dass keine verstörenden Bilder oder unverständlichen Dinge dargestellt werden. Außerdem können Kinder zielgerichtet suchen, ohne sich durch das riesige Angebot des Internets durchklicken zu müssen.

Experten empfehlen für sehr junge Kinder "FragFINN". Für Kinder ab etwa acht Jahren gibt es die Suchmaschine "Helles Köpfchen" und für ältere die "Blinde Kuh". Alle drei Suchmaschinen sind auch im Programm JusProg enthalten. 

Jugendschutz bei Android-Smartphones

Allerdings hat die Software einen entscheidenden Nachteil: Sie läuft nicht auf Android-Smartphones. Und laut Martin Müsgens von klicksafe gibt es momentan auch kein anerkanntes Jugendschutzprogramm für das Betriebssystem. Dabei haben die meisten Kinder und Jugendlichen ausgerechnet Android-Smartphones in ihren Taschen. Das AV-Test-Institut hat sich deshalb 13 Jugendschutz-Apps aus dem Google-Play-Store näher angeschaut. Auch hier gibt es einige gute Kinderschutz-Programme, die einen vernünftigen Webseiten-Filter mitbringen, erklärt Maik Morgenstern von AV-Test:

junger Mann
Maik Morgenstern von AV-Test Bildrechte: AV-Test

Grundsätzlich sind die Programme selbsterklärend, haben Assistenten oder vorgefertigte Profile: Mein Kind ist sieben Jahre alt und jetzt wähle die geeigneten Einstellungen dafür. Das bieten die Programme an.

Allerdings müssen Eltern für die meisten Programme bezahlen. Nur wenige Ausnahmen sind kostenlos verfügbar. Zusätzlich ist ein Großteil dieser Apps oft nicht nur für das sichere Surfen der Kinder gedacht, sondern haben gleichzeitig Funktionen sogenannter Parental-Control-Apps, erklärt Mediencoach Kristin Langer:

Im Grunde kann ich damit jeden Schritt meines Kindes im Internet überwachen: Welche Seiten hat mein Kind besucht? Wie lange hat es sich da aufgehalten? Hat es möglicherweise telefoniert oder war es in einem Chat? Hat es einen Messenger benutzt?

Beim Schutz der Daten sind Eltern Vorbilder

Gerade soziale Netzwerke und Nachrichten-Apps werden von vielen Medienpädagogen kritisch betrachtet – zumindest, wenn Kinder sie benutzen wollen. Martin Müsgens empfiehlt Nachrichten-Apps erst für ältere Kinder, denn "jüngere Kinder sind in vielen Fällen leichtgläubig. Sie glauben alles, was man ihnen digital vermittelt und geben persönliche Daten heraus. Von daher sollte man diese Apps nicht installieren."

Doch in Sachen Datenschutz können Eltern laut Müsgens noch viel mehr machen. Seiner Meinung nach schauen sich Kinder viel von ihren Eltern ab. Deshalb sollten auch Erwachsene immer kritisch prüfen, wie es um ihre Vorbildfunktion steht – auch bei den Themen Datenschutz und Datensicherheit. Wie einfach das gehen kann, erklärt Mediencoach Kristin Langer von SCHAU HIN:

Es ist gut, wenn man Kindern auch beiläufig mitteilt: Es gibt ein Gewinnspiel, da mache ich aber lieber nicht mit. Denn wenn ich mitmache, muss ich meine komplette Adresse, meine Telefonnummer und mein Geburtsdatum angeben. Also alles, was auf mich als Person hinweist. Das ist mir zu riskant, deswegen mache ich das lieber nicht. An solchen Beispielen kann man das sehr leicht vermitteln.

Generell empfehlen die Experten, immer mit den eigenen Kindern im Gespräch zu bleiben – gerade wenn sie erste Erfahrungen im Internet sammeln. Wann bestimmte Beschränkungen aufgehoben werden, lässt sich ihrer Meinung nach nicht am Alter festmachen. Entscheidend sei unter anderem, wie zuverlässig und weit das Kind sei.

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2018, 13:41 Uhr