Ein Mann möchte einen Safe knacken und dreht dazu das Zahlenrad an einem Tresor, während er mit seinem Ohr ganz genau hinhört. Rechts ist das Logo von Facebook zu sehen.
Facebook öffnen wie einen geheimen Tresor – wir zeigen euch, wie es geht. Bildrechte: MEDIEN360G

Spionage-Anleitung Wie Facebook dir Singles in deiner Umgebung zeigt…

… und welche weiteren Möglichkeiten zur Spionage einem das soziale Netzwerk im persönlichen Bekanntenumfeld bietet. Eine Anleitung zur in Deutschland kaum bekannten Graph-Search.

von Clemens Haug

Ein Mann möchte einen Safe knacken und dreht dazu das Zahlenrad an einem Tresor, während er mit seinem Ohr ganz genau hinhört. Rechts ist das Logo von Facebook zu sehen.
Facebook öffnen wie einen geheimen Tresor – wir zeigen euch, wie es geht. Bildrechte: MEDIEN360G

Am ersten Tag im neuen Büro sind die neuen Kollegen noch fremd, da ist man natürlich neugierig. Also erstmal die Facebook-Profile anschauen, schließlich hat ja inzwischen fast jeder eines. Laut ARD-ZDF-Onlinestudie loggte sich ein Drittel der Deutschen 2017 mindestens einmal pro Woche in dem sozialen Netzwerk ein, ein Fünftel sogar täglich. Doch der heimliche Spionage-Versuch bekommt rasch einen Dämpfer: Da man mit den Accounts der neuen Kollegen noch nicht via Facebook-Freundschaft verbunden ist, kann man auf den meisten Seiten erst einmal nicht viel sehen.

Wer bei seinen Datenschutzeinstellungen aufgepasst hat, zeigt beispielsweise persönliche Fotos oft nur seinen Freunden und teilt auch seine Nachrichten nicht mit jedem. Trotzdem bietet Facebook umfangreiche Möglichkeiten zur Fremd- oder Eigenspionage, von denen die meisten Nutzer in Deutschland nichts ahnen. Oder haben Sie schon einmal von der Facebook-Graph-Search gehört, einem Set von Zusatzfunktionen für die gewohnte Facebook-Suchmaske?

Die Schattenseite

Das Netzwerk hat die neuen Werkzeuge zwar bereits Ende 2013 vorgestellt, allerdings nur in den USA. Die Graph-Search soll es Nutzern generell ermöglichen, die Suchmaske zu fragen: Wer unter meinen Kollegen ist auch Vegetarier? Welche Fußballkneipen mögen Menschen in meiner Stadt, die Fans des gleichen Vereins sind wie ich? Allerdings zeigten sich auch rasch die Schattenseiten.

Mit Hilfe des Tools ließen sich Suchanfragen so kombinieren, dass man schnell Mitglieder sensibler Minderheiten identifizieren konnte: Wer geht in eine Kirche, die Alkohol verbietet, hält sich aber trotzdem in Bars auf? Es ließen sich Wohnorte abfragen, ein hilfreiches Mittel, um beispielsweise deutsche Islamisten zu identifizieren, die in die IS-Gebiete ausgereist waren. Zeig mir Menschen, die in Dortmund gelebt haben und jetzt in Raqua, Syrien, leben. Facebook schränkte daher die Möglichkeiten der Graph-Search wieder ein und versuchte, sie auf den amerikanischen Markt zu begrenzen.

Nur für Spracheinstellung "English (US)"

Doch nach wie vor sind immer noch eine Menge Abfragen möglich, die private Details von Nutzern enthüllen von denen diese gar nicht wussten, dass sie auffindbar sind. Der Schlüssel zu diesen Funktionen liegt in der Spracheinstellung. Man muss sich bei Facebook einloggen und anschließend in den Account-Einstellungen die Sprache auf "English (US)" umstellen. Das führt umgehend dazu, dass sich die Abfragemöglichkeiten erhöhen. Jetzt können Nutzer gezielt nach Posts, nach Bildern oder nach Videos suchen und natürlich auch nach anderen Nutzern.

Drei Schritte zur Umstellung der Sprache auf Englisch (US) bei Facebook.
Zunächst das Menü Einstellungen aufrufen (oben rechts auf dem Bildschirm), dann in den Unterpunkt Sprache gehen und dort auf Englisch (US) umstellen. Bildrechte: MEDIEN360G

Über die Graph-Search werden zudem die bereits beschriebenen Suchfunktionen möglich. "Friends of my friends who are single women" beziehungsweise "single man" etwa verwandelt Facebook rasch in ein Partnersuchprotal. Eine Liste möglicher Suchabfragen hat das Blog wollmichsau.de zusammengestellt. Inzwischen funktionieren nicht mehr alle davon, einige aber schon.

Zu beachten ist dabei: Jedem Nutzer werden bei dieser Suche verschiedene Ergebnisse angezeigt. Entscheidend sind immer die Privatsphäre-Einstellungen der anderen und dementsprechend, in welcher Beziehung man zu ihnen steht. Wer zum Beispiel seinen Arbeitgeber nur für enge Freunde sichtbar gemacht hat, ist für Unbekannte, die nach Angestellten dieses Arbeitgebers suchen, nicht auffindbar.

Professionelle Suchwerkzeuge

Noch systematischer lässt sich die Graph-Search mit Hilfe sogenannter OSINT-Tools ausnutzen. OSINT steht für Open Source Intelligence. Der Begriff hat nichts mit Open Source Software zu tun sondern steht für Ermittlungsarbeit in offenen Quellen. Es geht also darum, Informationen über Menschen zusammenzutragen, die frei zugänglich sind, wenn vielleicht auch nicht auf den ersten Blick. Für Facebook hält zum Beispiel die Seite Inteltechniques.com Suchmöglichkeiten bereit.

Um mit deren Hilfe zum Beispiel nach Fotos oder Posts der neuen Kollegen zu suchen, benötigt man zunächst die sogenannte Profile ID. Diese lässt sich entweder mit Hilfe der Suchseite herausfinden oder direkt. Die meisten Browser bieten die Funktion, sich den Quelltext einer Seite anzeigen zu lassen. Man besucht das Profil des Nutzers, über den man mehr erfahren möchte und klickt mit der rechten Maustaste am besten auf eine grau unterlegte Fläche zwischen zwei sichtbaren Feldern. Dort wählt man die Option "Seitenquelltext anzeigen" aus.

Im anschließenden Textwirrwarr, das sich in einem neuen Fenster öffnet, sucht man mit Hilfe der Tastenkombination "Strg + F" nach "profile_id=". Auf diese Weise erhält man eine mehrstellige Zahl, die sich wiederum in die Suchmaske bei Inteltechniques füllen lässt. Nun kann nach Herzenslust gesucht werden. Aussagekräftig sind zum Beispiel die Fotos, die ein Account geliked hat oder in denen er markiert wurde. Oft lassen sich auf diese Weise viele Aufnahmen finden, die zunächst nicht auf der Profilseite der durchsuchten Person sichtbar waren.

Wie man sich selbst schützt

Natürlich kann man sich selbst gegen diese Form der Spionage auch wehren. Entscheidend sind nämlich die Privatsphäre-Einstellungen, mit denen man etwa seine Kommentare versieht oder die Likes von Seiten und ähnlichem. Dazu sollte man zunächst die eigenen Account-Einstellungen überprüfen und dann auch einen Blick auf das eigene Activity-Log werfen, das im Deutschen Aktivitätenprotokoll heißt.

Hier erklärt Facebook noch einmal selbst, wie man seine Privatsphärefunktionen einstellen kann. Eine der sinnvollen Möglichkeiten der Facebook-Graph-Search ist sicher, dass man schauen kann, welche mit dem eigenen Account verbundenen Daten so auffindbar sind.

Grundsätzlich sollten sich Nutzer in ihren Privatsphäreeinstellungen und in ihrem Aktivitätenprotokoll noch einmal genau ansehen, was sie für welchen Nutzerkreis freigegeben haben. Unterschätzt sind nämlich vor allem Posts von Bekannten oder Freunden auf denen man selbst auftaucht und die öffentlich sind. Meist gibt es deutlich mehr öffentliche Posts mit persönlichen Informationen über einen selbst, als man zuvor dachte.

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2018, 11:28 Uhr