Glosse zum Tag der Pressefreiheit Die Freiheit der Echsen

Es gibt in Deutschland keine Pressefreiheit, Angela Merkel war zumindest zum Ende ihrer Kanzlerinnenschaft eine Echse und all dies darf man ja hierzulande schon lange nicht mehr sagen, weil die Systemmedien und die Regierenden im Deep State ohnehin alle unter ein und derselben Decke stecken.

Eine stilisierte Hand hält ein Reportermikrofon fest, welches auf einem stilisierten Flügel liegt. Außerdem Porträtfoto des Autoren Steffen Grimberg.
Bildrechte: MDR MEDIEN360G

Das war jetzt vielleicht ein bisschen persiflierend zugespitzt. Doch zusammengenommen gibt es alle diese Vorwürfe und absurden Behauptungen. Der Begriff "Lügenpresse" hat mittlerweile leider seit mehr als einem halben Jahrzehnt Konjunktur, ohne dadurch im Ansatz richtiger zu werden.

Jahr für Jahr nehmen dafür die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten zu. 2021 verzeichnete das Leipziger Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) einen neuen Höchststand. Zum Tag der Pressefreiheit hat jetzt auch Reporter ohne Grenzen (RSF) aktuelle Zahlen vorgelegt, die einen Schaudern lassen. Die übergroße Mehrheit dieser An- und Übergriffe passiert bei Demonstrationen, "Spaziergängen" und anderen Auftritten von Gegnern der Corona-Maßnahmen. "Die Leitmedien sind das Virus", stand so jedenfalls auf einem Demo-Plakat. Und Viren wollen bekämpft sein.

Merkt hier jemand noch was? So paradox dies auf den ersten Blick scheint: Gerade, dass auf solchen Veranstaltungen der größte Schwachsinn behauptet und der absurdeste Verschwörungsmythos gepflegt werden kann, ist der Beweis des Gegenteils. Nur weil bei uns Presse- und Meinungsfreiheit herrschen, kann jeder und jede dem’s beliebt diesen Stuss in Wort, Bild und Ton verkünden.

Es wäre mal interessant herauszufinden, was im Umkehrschluss passieren würde, wenn die aufrechten Gackerer zur Abwechslung mal den russischen Präsidenten eine Echse nennen würden. Ob ihnen dann ihre überwiegend pro-russisch Einstellung hilft? Wohl kaum - was Wladimir Putin von Pressefreiheit hält und wie er mit seinen Kritikerinnen und Kritikern umgeht, zeigt er ja seit Jahren in schönster Klarheit.

Frei nach dem Motto "Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche" nutzen sie stattdessen alle Möglichkeiten, die ihnen die Presse- und Meinungsfreiheit bietet, um zu behaupten, dass es sie gar nicht (mehr) gibt.

Dürfen die das? Ja, das dürfen sie. Die Pressefreiheit ist stark genug und muss um ihrer selbst willen auch ihre massivsten Gegner schützen. Aushalten und stehen lassen lautet das Motto - gerade zum Tag der Pressefreiheit. Wobei das "Stehenlassen" bitte ganz wörtlich zu nehmen ist. Bei körperlichen Angriffen, massiver Einschüchterung und persönlicher Bedrohung ist Schluss. Denn das hat rein gar nichts mit Pressefreiheit zu tun. Merkt euch das endlich, ihr Echsen!

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