Geschlecht als Ordnungsprinzip Podcaster Fabian Schrader über Gendersprache

Gendersprache wird hitzig diskutiert. Podcaster Fabian Schrader fragt: "Was wird hier eigentlich gerade verhandelt? Es ist ja eine Stellvertreterdebatte für mehr als ein Stern und ein IN an ein Wort dranzuhängen."

Porträt von Fabian Schrader 17 min
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Gendersprache wird hitzig diskutiert. Podcaster Fabian Schrader fragt: "Was wird hier eigentlich gerade verhandelt? Es ist ja eine Stellvertreterdebatte für mehr als ein Stern und ein IN an ein Wort dranzuhängen."

MDR FERNSEHEN Do 06.01.2022 19:20Uhr 16:31 min

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Fabian Schrader:

Geschlecht ist ein gesamtgesellschaftliches Ordnungsprinzip. Es gibt einfach keinen privaten und öffentlichen Bereich in unserer Gesellschaft, der nicht von Geschlecht als Ordnungsprinzip betroffen ist. Und sich da einfach darauf auszuruhen und zu sagen: "Ich gendere nicht und wenn ich 'Spieler' sage, sind auch Spielerinnen gemeint.", das ist mir persönlich zu einfach.

Dass das Ganze so hitzig ist, tatsächlich, da stelle ich mir die Frage: Was wird hier eigentlich gerade verhandelt? Es ist eine Stellvertreterdebatte für mehr als ein Stern und ein "IN" an ein Wort dranzuhängen.

Zur Person Fabian Schrader und (s)einer Motivation

Hi. Ich bin Fabian. Pronomen gerne "Er" und ich bin der Host von "Somewhere Over The Hay Bale". Meines Wissens nach, der erste deutschsprachige "queere" Podcast, der sich nur mit queerem Leben auf dem Land beschäftigt. Ich bin im ländlichen Sachsen-Anhalt groß geworden und habe eigentlich relativ früh für mich gewusst, dass ich nicht heterosexuell bin. Konnte es damals, glaube ich, noch gar nicht so richtig benennen. Und habe dann später, so Ende 20, angefangen, mich noch mal auf eine biografische Reise zu begeben.

Die Hauptmotivation für meinen Podcast kommt einfach aus meiner eigenen Biografie, dass ich damals gemerkt habe, als ich da im ländlichen Raum groß geworden bin, dass ich nicht so richtig queere, reale Bezugspersonen hatte, die in meiner Lebenswirklichkeit vorgekommen sind. Also klar gab es queere Leute vor Ort, die waren halt bloß nicht geoutet, oder es wurde getuschelt, und das waren offene Geheimnisse. Aber es gab für mich keine realen Bezugspersonen, an die ich mich hätte wenden, an denen ich irgendwie meine Gefühle und meine Wahrnehmungen hätte unaufgeregt abgleichen können. Und das ist so der Hauptpunkt, warum ich gerne queere Menschen vom Land, oder die im ländlichen Raum groß geworden sind, interviewen möchte, um diese Bezugspersonen zu schaffen, jenseits von so großen Medien für Menschen, die das heutzutage gerne hören möchten und die das vielleicht auch brauchen.

Ein Podcast voll berührender Geschichten

Prinzipiell gehen mir alle Folgen richtig nahe, so weil es einfach jedes Mal ein anderer Aspekt ist, der beleuchtet wird. Und ich merke: "Krass, das schärft mein Blick auf Sachen nochmal." Oder: "Ja, das sind auf jeden Fall Erfahrungen. An die kann ich anknüpfen." Und ich mir ganz oft denke: "Ah, ich wünschte, ich hätte diese Geschichte in meiner Jugend gehabt. Oder hätte dich tatsächlich sogar in meiner Jugend getroffen, sodass ich mich mit der hätte austauschen können."

Sehr nahe gegangen ist mir auch die Folge mit Liam. Liam ist in einem Dorf im Leipziger Land groß geworden, umgeben von super vielen Nazis. Und Liam ist ganz stark mit dieser Narrative groß geworden: "So wie du bist, darfst du nicht sein. Aber wie sagen die eigentlich auch nicht, wie du sein darfst." Und da bin ich einfach bis heute sehr beeindruckt und sehr gerührt davon, mit wieviel Willenskraft und Ausdauer und Selbstbestimmung sich Liam aus diesen Kontexten rausgeboxt hat, um ein selbstbestimmtes "queeres" Leben führen zu können.

Sehr nahe gegangen ist mir auch die Folge, als ich Bianca und Fabian interviewt habe. In Laucha in Sachsen-Anhalt sind die beiden groß geworden, und die haben in der örtlichen evangelischen Gemeinde einen Raum gefunden, wo sie ihr Queersein für sich entdecken und auch leben konnten. Und das ist mir deshalb so nahe gegangen, weil nämlich die Pfarrerin, auf die sie auch zusprechen kommen, die ist keine queer-Expertin. Aber das ist in diesem Zusammenhang auch gar nicht wichtig. Da habe ich noch mal gemerkt, so wichtig ist einfach, dass die Leute eine coole Attitüde und einen offenen Geist haben und Menschen in ihrer Lebensrealität ernst nehmen. Und da muss ich nicht irgendwie mit jedwedem queeren Vokabular jonglieren können, sondern einfach den Leuten auch mal zuhören und sie als Menschen sehen und gleichzeitig halt auch ihre Kämpfe, die sie im Kleinen wie im Großen führen, ernst nehmen. Und es endete tatsächlich damit, dass Fabian da in Laucha die erste gleichgeschlechtliche Ehe in der Kirche geschlossen hat mit dieser Pfarrerin. Das war ein sehr schöner Bogen.

Beim Pronomen fängt es an

In meinem Podcast mache ich das mittlerweile so, dass ich am Anfang jeder Folge die Personen frage, die ich interviewe, mit welchem Pronomen sie sich wohlfühlt. Und ich finde es auch wichtig, nicht nur die trans- oder intergeschlechtlichen oder nicht binären Menschen zu fragen, sondern auch, bei denen ich der Meinung bin, ich könnte das von außen eher lesen. Und auch das ist für mich ein Lernprozess.

Ich musste auch dreimal schlucken und lerne einfach, die Leute zu fragen: "Hey, mit welchem Pronomen fühlst du dich wohl? Welche Pronomen soll ich für dich verwenden?" Das ist mir am Anfang auch nicht so leicht über die Lippen gegangen. Aber Übung macht den Meister - oder die Meisterin. Und da auch versuchen, eine Scheu abzulegen. Und auch wenn ich am Anfang sage, "Ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll, aber…". Wichtig ist es da, glaube ich, in dem Moment nicht die eigene Unsicherheit zu thematisieren, weil es nicht die Aufgabe queerer Menschen ist, die Unsicherheit wegzunehmen, sondern einfach zu sagen: "So, ich traue mich, das zu fragen." Das hat auch etwas mit Respekt zu tun. Ich persönlich würde sagen, in dem richtigen Moment ist das keine übergriffige Frage, sondern ist ein: Ich sehe deine Lebensrealität, und ich möchte die ernst nehmen.

In meinem privaten Bereich mache ich das auch mit dem Gendern. Ich finde und jetzt kommt es, ich finde, mit diesem Pausen-I zu sprechen, anstrengend, also so etwas wie "Astronaut*innen" und versuche, das wirklich zu vermeiden, weil ich es einfach superanstrengend finde und sage meistens gerne so etwas wie: "Menschen, die…" oder "Personen, die…" oder "Leute, die…". Ich sage das so ehrlich, weil ich mir denke, ich möchte einfach zeigen, dass es auch einfach für mich ein Prozess, ein Lernprozess ist. Und auch ich darf Gendern, alle Menschen dürfen Gendern auch anstrengend finden, und ich glaube auch queere Leute: Man darf Gendern auch anstrengend finden. Das ist total okay. Sprache darf auch anstrengend sein. Sie komplett zu blockieren ist dann halt aber nochmal ein anderer Modus.

Gendern in den Medien

Ich glaube, die Verantwortung beim Medienschaffenden liegt tatsächlich genau darin, das Ganze als ein Lernprozess zu begreifen. Und Prozess ist in dem Moment doppelt unterstrichen. Und das auch in dem Moment zu setzen, um Lebensrealitäten abzubilden. Das heißt nicht, dass Lebensrealitäten vollständig abgebildet sind. Aber das ist ein Anfang. Es ist ein Teilaspekt davon. Es ist auch, wie gesagt, in der Verantwortung, dass Sprache halt Wirklichkeit schafft und Medienschaffende auch, meiner Meinung nach, die Aufgabe haben, die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden. Das kann auch in diesem kleinen Ding sein. Das kann natürlich auch in dem sein, wie sie Themen setzen.

Und ich sehe das auch. Ich sehe Medienschaffende, die auch in der Verantwortung offen für diese Debatte bleiben. Als Privatperson kann ich auch jederzeit sagen, und mache das manchmal auch: "Ich habe keinen Bock mit dir über Gendern zu diskutieren." Als eine medienschaffende Person, finde ich, sind wir in der Verantwortung, uns dieser Diskussion zu stellen und diese Debatte progressiv und offen und cool weiterzuführen. Und finde das in dem Sinne halt auch wichtig, weil Medien einfach eine extrem große Macht haben. Ich weiß, manchmal sind die Leute sich dessen vielleicht nicht so bewusst. Aber Medien und einfach so die Diskursmacht, die dahintersteht, ist so enorm.

Was ich mir von Medienschaffenden tatsächlich wünschen würde, ist, wenn Gendern zum Beispiel explizit als Thema genannt wird, dass es mehr auch als eine Chance gesehen wird. Warum wird so Anti-Gendern viel stärker thematisiert? Warum gibt es nicht einfach auch mal einen coolen Beitrag? Wo, oder vielleicht habe ich ihn auch einfach nicht gefunden, oder die tauchen bei mir nicht auf, aber wo einfach von Gendern auch noch mal rangegangen wird mit einem: "Hey na, das sind übrigens die Chancen dabei." Und deshalb ist das wichtig. Und dass das keine Randnotiz ist, sondern dass das auch einfach mal positiv verhandelt wird.

Gendern: ein gesamtgesellschaftliches Thema

Ich habe das große Privileg, dass ich mich im generischen Maskulinum immer angesprochen fühle. Und genau das ist allerdings der Knackpunkt der ganzen Sache. Es gibt einfach noch mehr Menschen als nur Männer. Das Spannende finde ich tatsächlich, wenn gesagt wird, wir schreiben im generischen Maskulinum und natürlich sind alle Frauen mitgemeint: Da habe ich ganz oft das Gefühl, dass sind vor allen Dingen Männer, die das so schreiben und hab mich gefragt: "So, okay. Klappt es wirklich so? Und wie wäre das eigentlich? Wenn ich jetzt sagen würde, ich schreibe im generischen Femininum, würden sich die Männer dann auch angesprochen fühlen?" Ich glaube nämlich nicht.

Die Sache ist nämlich, Geschlecht ist ein gesamtgesellschaftliches Ordnungsprinzip. Es gibt einfach keinen privaten und öffentlichen Bereich in unserer Gesellschaft, der nicht von Geschlecht als Ordnungsprinzip betroffen ist. Mal mehr, mal weniger, mal für den Moment vielleicht nicht, aber prinzipiell ist Geschlecht einfach ein gesamtgesellschaftliches Ordnungsprinzip. Und sich da einfach darauf auszuruhen und zu sagen: "Ich gendere nicht. Und wenn ich 'Spieler' sage, sind auch 'Spielerinnen' gemeint." Das ist mir persönlich zu einfach.

Dass das Ganze so hitzig ist, da stelle ich mir einfach die Frage: "Was wird hier eigentlich gerade verhandelt?" Es ist ja eine Stellvertreterdebatte für mehr als ein Stern und ein IN an ein Wort dranzuhängen. Da habe ich das Gefühl schwingt immer auch so eine politische Nostalgie mit und zu einem Ding von: "Als ich mir um meine Sprache noch keine Gedanken machen musste, da war das irgendwie alles viel einfacher. Und was soll das? Und ich will doch einfach nur, wenn ich unterwegs bin, so reden können, wie ich das möchte." Das Ding ist, Menschen können das weiterhin machen. Es gibt keinen Zwang dazu. Das meine ich damit, das ist ein Prozess. Es gibt da keine Sanktionen oder what ever. Sondern wenn du das machen möchtest, kannst du das weiterhin machen. Aber der Umkehrschluss der ganzen Sache ist auch, wenn ich gendern möchte, und ich werde das weiterhin in meinem Leben sehr konsequent tun, dann möchte ich das auch machen.

Queere Menschen gibt es überall

Manchmal habe ich mich gefragt, ob das so ein Konflikt ist von: Städtisches Wissen, was vermeintlich an Universitäten ausgehandelt wurde, trifft auf ländliche Strukturen, wo der Zugang zu solchen Dingen ein ganz anderer ist. Und das ist, glaube ich, auch so ein bisschen das Problem, das "queer" auch als Begriff einfach richtig, richtig krass akademisiert wurde, obwohl es eigentlich ein Begriff ist, der von der Straße kommt - das ist noch mal ein anderes Thema. Genau das frage ich mich, ob das dann mit reinträgt, dass sich das so verhärtet.

Das Spannende an der ganzen Sache ist ja, ich kann es natürlich ganz banal fassen, es gibt natürlich mehr als nur Männer auf dem ländlichen Raum. Selbst wenn ich so in zwei Geschlechtern denke, gehe ich mal davon aus, dass in den meisten Orten halt 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen sind. Wenn ich diesen Gedanken noch ein bisschen weiterspinne denke ich mir auch ganz oft, habe ich das Gefühl, wenn sich in ländlichen Räumen Menschen als "queer" outen, werfen alle die Hände hoch und sagen: "Oh mein Gott! Und ich weiß gar nicht, was ich machen soll und wie ich reagieren soll? Und wie sollte ich den jetzt noch adressieren? Und was kann ich denn jetzt eigentlich mit dir machen?" Und Gendern zum Beispiel ist eine kleine Sache, um auch Räume zu schaffen und um auch ein Klima und eine Stimmung zu schaffen, dass da nicht alle gleich die Hände hochreißen. Sondern tatsächlich irgendwie auch damit eine Atmosphäre geschaffen wird, die anerkennend ist und die Lebensrealitäten nicht gleich ausradiert.

Es gibt einfach queere Menschen im ländlichen Raum. Nicht alle queeren Menschen leben in Hamburg, Berlin, Köln oder München. Sondern es gibt bewusst queere Menschen, die sagen: "Hey, ich kann mit Großstadt überhaupt nichts anfangen. Ich möchte unbedingt im ländlichen Raum leben." Auch Kids können queer sein. Und auch wenn die groß werden, können die Queersein für sich entdecken und tatsächlich nicht von Anfang an auf kontra zu gehen und zu sagen: "Solche Lebensrealitäten gibt es bei uns nicht. Und das hat mit uns eigentlich gar nichts zu tun." Das ist nicht so gut. Das schafft keine Basis für Vertrauen, dass Menschen sich sicher fühlen und um sich zu outen, um zu sagen: "Hey, ich bin ich. Und ich möchte nicht mehr Versteckspiel spielen."

Und ich glaube, dass ist manchmal so ein bisschen auch der Knackpunkt, dass ich das Gefühl habe, nicht-queere Menschen können sich, glaube ich, manchmal einfach nicht vorstellen, wie unfassbar belastend es sein kann, nicht geoutet zu sein. Und wie unfassbar anstrengend es ist, andauernd darauf zu achten, was man sagt, wie Menschen sich bewegen, wie sie sich verhalten, einfach nur, damit sie nicht als queere Menschen erkannt werden, weil sie einfach nicht abschätzen können: "Wie sicher bin ich dann noch vor Ort, an dem ich gerade bin." Und das ist eine Kleinigkeit, um auf das Gendern zurückzukommen, um zu zeigen: "Ich erkenne an, dass es andere Lebensrealitäten gibt." Und ja, unter diesem Aspekt finde ich es einfach wichtig.

Gendern wirkt

Sprache schafft auch einfach Wirklichkeit. Wenn ich sage: "Raketenwissenschaftler", ist ein anderes Bild beim Menschen im Kopf als wenn ich sage, "Raketenwissenschaftlerinnen und Raketenwissenschaftler" oder "Menschen, die in Raketenwissenschaft arbeiten". Das sind einfach andere Bilder. Und wenn sich andauernd irgendwie zementiert, dass es den Arzt gibt und die Krankenschwester, dann reproduziert das eigentlich die ganze Zeit nur das, woran Menschen irgendwann glauben, was sie erreichen können. Wenn mir niemand sagt und wenn ich das nie mitkriege, dass ich Ärztin werden kann, dann glaube ich auch nicht daran, dass ich Ärztin werden kann. Und deswegen ist das auch einfach wichtig.

Lernprozess "Generationenwechsel"

Um da noch mal die Perspektive draufzukriegen: Queere Menschen sind auch auf dem Land. Entweder waren sie schon immer da oder sie sind zugezogen, oder sie wurden da geboren und haben das später für sich entdeckt. Und da einfach zu sagen: "Das hat mit unserer Lebensrealität nichts zu tun.", finde ich einfach super ignorant.

Ich finde es auch einfach persönlich schade, weil ich mir denke, so viele Leute kämpfen immer dafür zu sagen: "Der ländliche Raum ist nicht rückständig, sondern wir sind offene, coole, tolerante Menschen, die halt Bock haben auf diese Lernprozesse" und die nicht einfach nur Hinterwäldler*innen sind. Und dann kommt jemand und sagt: "Das gibt es bei uns nicht." Dann sag ich mir, "Okay?" Alles einmal eingerissen, also gerade in Mitteldeutschland, wenn es darum geht, dass junge Leute mit ihren Qualifikationen nicht andauernd abhauen und nie zurückkommen. Orte "queer friendly" zu machen heißt auch, sie attraktiv zu haben für Fachkräfte und für einen anderen Generationenwechsel, der in Orten passieren kann.

Gemeinsames Lebensgefühl

Und das ist, glaube ich, das Ding, was ich gerne mit unterstreichen möchte. Das ist auch einfach, was Neues lernen. Und was gibt es Schöneres am Leben? Und was ist eine schönere Triebfeder im Leben, als was Neues zu lernen. Das heißt nicht, dass Menschen nicht mehr Männer sein dürfen, dass Menschen nicht mehr Frauen sein dürften. Das dürfen sie immer noch. Und sie dürfen auch immer noch heterosexuell sein und eine Familie gründen und Reihenhaus haben und ein Labrador haben. Gönnt's euch. Menschen dürfen das alles noch, und es wird ihnen nichts weggenommen.

Und falls es die Leute irgendwie tröstet, das System ist immer noch zu 98 Prozent darauf ausgelegt, diese Lebensrealitäten zu puschen und zu fördern und sie durch Berichterstattungen, durch Geschichten, durch politische Entscheidungen immer wieder bestätigt zu sehen. Wir queeren Menschen möchten das auch haben, diese Rückversicherung und das Gefühl haben, nicht allein zu sein und immer auch das Gefühl zu haben: "Es ist okay, dass ich mein Leben führe, wie ich es führe." Es ist ein vollwertiges Leben. Das ist ein wunderschönes Gefühl, und wir möchten das auch haben und gehört damit dazu.