Arten von Gewinnspielen im Radio

Zu den Experten für Gewinnspielen hier zu Lande gehört Philipp Buschmann, er betreibt die Plattform gewinnspiel-test.de, die sich mit Gewinnspielen aller Art befasst - nicht nur den im Radio angebotenen. Grundsätzlich unterscheidet Buschmann, der in Bielefeld Medienwissenschaften studiert, drei Arten von Gewinnspielen - neben solchen, die zur Optimierung der MA-Ergebnisse ins Programm genommen werden, gebe es die Kategorie die Sommer-Spiele, die man veranstaltet, um mit Hilfe kostenpflichtiger Telefonnummern zu kompensieren, dass die Werbeeinnahmen zu dieser Jahreszeit traditionell knapper ausfallen. Die dritte Variante: Kooperationen mit Werbepartnern. Unter dem Motto „Abgefahren – von 0 auf Micra in 30 Sekunden“ verloste Radio NRW in diesem Jahr im Laufe von vier Wochen fünf Autos dieser Marke.

Porträt Hans-Dieter Hillmoth 7 min
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Die Gewinnspiele gehören zur Interaktion zwischen den Hörern und dem Radioprogramm. Aber die Erwartung nur mit Gewinnspielen ein erfolgreiches Programm zu machen funktioniert nicht.

Do 22.11.2018 14:06Uhr 07:11 min

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Buschmann, 25 Jahre alt, findet gelegentlich harte Worte, kritisiert zum Beispiel in einem Fall, dass für „Spielsüchtige schnell hohe Kosten durch häufige Anrufe“ entstehen könnten. Die Kritik gilt hier dem „Sommer-Geldregen“ von Radio NRW. Bei diesem „Spiel mit der 25.000-Euro-Chance”, das der Sender zuletzt im August anbot, muss man in der Regel mehrmals anrufen, um registriert zu werden - was die Vorstufe dafür ist, überhaupt eine Gewinnchance zu bekommen.

Radio NRW ist ein Rahmenprogrammanbieter für 45 private Lokalradios in Nordrhein-Westfalen. Das trägt dazu bei, dass der Sender Marktführer im bevölkerungsreichsten Bundesland ist  und außerdem bundesweit die höchste Reichweite aller Privatradios hat. Die Konstruktion von Radio NRW ist auch mit Blick auf Gewinnspiele von Belang. Da die meisten Hörer die Spiele als Angebote ihres Lokalradios wahrnähmen, hielten sie ihre Gewinnchancen für viel höher als sie tatsächlich sind, sagt Buschmann. „Der Hörer, der für die Telefonanrufe bezahlt, vermutet, dass nur das Publikum von beispielsweise Radio Köln oder Antenne Unna teilnimmt.“ An diesbezüglicher Aufklärung mangele es bei der Präsentation der Spiele, meint Buschmann.

Aus anderen Gründen kritisiert er „10.000 für 10 – Der Tausch deines Lebens“. Auch bei diesem Spiel von Radio NRW handelt es sich, wie bei "Zahltag - wir zahlen Ihre Rechnung“, um ein in der Privatradiobranche schon recht lange eingesetztes Spiel, die Ostseewelle in Mecklenburg-Vorpommern hatte es beispielsweise in ähnlicher Form schon 2007 im Programm.

Bei 10.000 für 10werden mehrmals täglich on air die Seriennummern von Zehn-Euro-Scheinen gezogen. Der Besitzer eines entsprechenden Scheins muss sich dann innerhalb einer Viertelstunde beim Sender melden. Statistisch gesehen, müssten in Nordrhein-Westfalen ungefähr 125 Millionen Zehn-Euro-Scheine verbreitet sein, sagt Buschmann. Trotzdem habe bei Radio NRW „ungefähr alle zwei Tage“ ein Hörer 10.000 Euro gewonnen. Dass sich ein gesuchter Schein bei einem Hörer von Radio NRW findet, der dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt das Programm eingeschaltet hat, um mitzubekommen, dass „seine“ Seriennummer gezogen wurde - allzu wahrscheinlich ist das nicht. Man kann wohl davon ausgehen, dass hier die Inszenierungskünste der Programmmacher eine Rolle gespielt haben.

Im Unterschied zu den manchmal üppigen Preisen beim Privatradio gebe es bei den Öffentlich-Rechtlichen in der Regel „Konzerttickets und kleine Reisen“ zu gewinnen“, sagt Gewinnspiel-Tester Buschmann. Manchmal fallen die Preise sogar noch ein bisschen schmaler aus: Bei N-Joy, der NDR-Welle für jüngere Zuschauer, konnte man zuletzt unter anderem ein Strandhandtuch und einen Thermobecher mit dem Logo des Programms gewinnen.

Eine weitere gewinnspiel-kritische Plattform ist Fair Radio, betrieben von zwölf Journalisten, die überwiegend für den Hörfunk arbeiten. Sie weisen zum Beispiel Landesmedienanstalten darauf hin, wenn ihnen Regelverletzungen aufgefallen sind - sowohl bei Gewinnspielen als auch in anderen Bereichen. Wie wichtig eine kontinuierliche Beobachtung des Gewinnspiel-Markts ist, zeigt sich auch daran, dass nicht einmal „Deutschlands erstes Kinder- und Familienradio“ vor leicht dubiosen Lockrufen zurückschreckt. Der Sender Radio Teddy, der seine vermeintliche Pionierfunktion in diesem Claim abfeiert, präsentierte Ende Januar das Spiel „Koffer packen, Reise einsacken“. Zu gewinnen gab es eine Kreuzfahrt. Im redaktionellen Programm sparten die Moderatoren nicht mit Lobpreisungen für das Schiff, etwa seinen „riesigen Wellnessbereich“ und die 97 Meter lange Wasserrutsche. Die ZAK sah das als unzulässige Schleichwerbung an.