Media-Analyse Audio Warum die Radio-Reichweiten ungenau sind

Beim Hörfunk wird mit der sogenannten Media-Analyse (MA) Audio die Reichweite von Radiosendern ermittelt. Diese Methode ist wesentlich ungenauer als die Messung der TV-Quote. Denn hier wird nur per Telefon abgefragt, wer welche Radio-Stationen gehört.

Ein Mann vermisst ein Radio mit einem Maßband.
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Befragt wird eine repräsentative Gruppe deutschsprachiger Bürger ab 14 Jahren. Wann und wie oft hören die Befragten zu? Erinnern sie sich an die "Station-Claims" einzelner Radio-Sender wie "radio eins - nur für Erwachsene" oder "mdr Sachsen Anhalt - Das Radio wie wir"? - solche Fragen stellen die Interviewer. Für die derzeit aktuelle MA vom Sommer 2020 wurden 67.269 Menschen befragt. Normalerweise finden hier zwei Erhebungen pro Jahr statt - zum Vergleich: Beim Fernsehen wird dagegen pausenlos gemessen. Außerdem kann niemand bei der MA Audio nachprüfen, ob das, was die Befragten zu ihrer Radio-Nutzung sagen, auch wirklich stimmt.

Radio als Nebenbei-Medium

Zwei stilisierte Menschen auf gelben Grund. Eine Figur hat ein Headset auf und telefoniert darüber mit der zweiten Figur. Die Figur mit Headset befragt die Figur mit dem Telefon zu ihren Hörtgewohnheiten im Radio. Auf der Grafik steht der Titel des Videos: Reichweite - So messen die Medien. 2 min
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Alle Medienarten wollen wissen, wie sie genutzt werden. Doch bei den Methoden, mit denen die mediale Reichweite gemessen wird, gibt es große Unterschiede.

Do 01.04.2021 08:00Uhr 01:37 min

https://www.mdr.de/medien360g/medienwissen/so-messen-medien-reichweite-100.html

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Video

Beim Radio kommt erschwerend hinzu, dass man über die Art und Weise der Nutzung wenig sagen kann: Hören die Menschen gebannt zu und saugen beim Feature des Deutschlandfunks jedes Wort begierig auf? Oder nutzen sie das Radio als musikalischen Klangteppich, als "Nebenbeimedium" bei der Arbeit, beim Autofahren oder in der Freizeit? In der Branche gilt, etwas überspitzt formuliert, schon als Erfolg, wenn sich bei der telefonischen Befragung jemand an den Namen der Radio-Welle erinnern kann. Deswegen kann man auch gut merken, wann die nächste MA Audio ansteht. Nämlich immer dann, wenn im Bushaltestellenhäuschen oder auf anderen Plakatwänden ganz viel Werbung für einzelne Radiosender gemacht wird. Und im Programm noch ein paar mehr Stations-Jingles und Station-Claims laufen als sonst.

Nach Pandemie-Pause wird nun wieder gemessen

Hinter der MA Audio steht die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (agma), ein Forschungsverbund von mehr als 200 Unternehmen der Werbe- und Medienwirtschaft. Nachdem nach Einschätzung der agma wegen der Pandemie zeitweilig die "Arbeitsfähigkeit der Marktforschungsinstitute eingeschränkt" war, wurde vom 6. Dezember 2020 bis 28. März 2021 wieder gemessen. Aufschluss über die Online-Nutzung von Radio-Inhalten gibt übrigens eine weitere Untersuchung Media-Analyse: die MA IP Audio.

Konkretere Zahlen bei Youtube & Co.

Die zumindest auf den ersten Blick präzisesten Zahlen findet man bei den sozialen Netzwerken. Bei jedem Youtube-Kanal ist die Zahl der Abonnenten vermerkt. Bei jedem Video sieht man sofort, wie oft es aufgerufen und gelikt wurde. Diese Statistiken können aber auch in die Irre führen. Ist die Zahl der Aufrufe eines Videos hoch, sagt das nicht unbedingt etwas darüber aus, ob es als erfolgreich wahrgenommen wird. Wird ein Song des Musikers Ed Sheeran mehr als fünf Milliarden mal aufgerufen, spricht viel dafür, dass es den Leuten gefällt. Bei Videos politischen Inhalts ist das aber längst nicht gesagt. Hier rufen auch Menschen mit anderen politischen Ansichten den Clip auf - und ärgern sich vielleicht darüber.

Gekaufte Follower in den Sozialen Netzwerken

Nicht zuletzt wird die Aussagekraft von Erfolgszahlen in allen sozialen Medien dadurch abgeschwächt, dass jedermann sich für seine Accounts Follower kaufen kann. Das ist völlig legal - und etwa bei Instagram-Nutzern verbreitet.


Anm. der Red.: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass bei der MA Audio aufgrund der Corona-Pandemie derzeit Pause sei.