YouGov "Online-Umfragen sind mittlerweile die beste Methode“

Wer zur Befragungs-Community von YouGov gehören will, der kann sich mit ein paar Klicks auf ihrer Internetseite registrieren und für Antworten Punkte und Prämien sammeln. Online-Umfragen sind effizient und kostengünstiger als Telefonanrufe - aber sind sie auch repräsentativ?

Das Meinungsforschungsinstitut YouGov ist im Jahr 2000 in London von ehemaligen Abgeordneten gegründet worden und hat sich in Großbritannien in erster Linie über die Wahlforschung einen Namen gemacht. In Deutschland gibt es das Meinungsforschungsinstitut seit 2007 mit einem eigenen Institut in Köln sowie einer Niederlassung in Berlin.

Sprecher des Meinungsforschungsinstituts YouGov Holger Geißler im Gespräch mit MEDIEN360G-Redakteurin Johanna Hoffmeier
Sprecher des Meinungsforschungsinstituts YouGov Holger Geißler im Gespräch mit MEDIEN360G-Redakteurin Johanna Hoffmeier Bildrechte: MEDIEN360G

YouGov arbeitet bei seinen Meinungsumfragen fast ausschließlich über Online-Fragebögen, die an die Befragungs-Community verschickt werden. Auf seinem Internetauftritt schreibt das Institut dazu: "Das Herz von YouGov ist eine Online-Community, in der Millionen Menschen weltweit im Austausch über Sichtweisen, Werte, Nutzungsgewohnheiten und Marken stehen." In Deutschland haben sich mittlerweile 240.000 Menschen registriert. Um Teil dieser "Gemeinschaft" zu werden, kann man sich über ein Online-Formular anmelden. In regelmäßigen Abständen werden den Mitgliedern Umfragen zugeschickt, in denen man seine Antworten gegen Bonuspunkte und diese dann gegen Geld- und Sachprämien eintauschen kann.

Head of Research und Unternehmenssprecher Holger Geißler ist überzeugt, dass Online-Befragungen mittlerweile die beste Methode sind, um Meinungsumfragen durchzuführen. Zum einen könnten die Befragten selbst auswählen, wann sie die Umfragen öffnen und bearbeiten. Zum anderen sei diese Methode weitestgehend frei von der Antwortverzerrung "Soziale Erwünschtheit", da es keinen direkten Interviewer gibt.

Bei der US-Wahl war ja das Beispiel der "Shy-Trumper": Menschen, die man unterschätzt, weil sie nicht zugeben, dass sie eine bestimmte Partei oder einen Präsidenten wählen möchten – das Problem haben wir online nicht.

Daneben ist die Durchführung kostengünstiger als Umfragen mittels Telefonpanel. Dem Vorwurf, dass man so die ältere Generation ausschließt, die keinen Internetanschluss hat, widerspricht der studierte Psychologe.

Wenn wir online arbeiten, bekommen wir schon alle, aber wir haben natürlich in unserem Panel nicht so viele 80-Jährige wie man bekommen würde, wenn man 1000 Telefoninterviews durchführt.

Das Panel komme der bundesweiten Verteilung sehr nah, so Geißler. Die Quotierung richtet sich nach Alter, Geschlecht, Bundesland, politischem Interesse, Bildung, Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl, langfristiger Parteineigung. Diese könnten für die Auswahl der Personen, die eine Umfrage zugeschickt bekommen sollen, in Betracht gezogen werden. So könne sehr fein quotiert werden und man vermeidet, dass bestimmte Gruppen überrepräsentiert werden.

In Bezug auf die Kritik an Meinungsforschungsinstituten, Sie würden wichtige Entscheidungen wie den Brexit falsch vorher sagen, verweist Geißler auf die Knappheit des Ergebnisse und sieht auch die Journalisten in der Pflicht: "Da fängt es an schwierig zu werden, weil man natürlich in den Medien noch immer fokussiert und wenn YouGov sagt, dass wird eine knappe Kiste, das geht 51/49 aus, aber wir können noch nicht genau sagen, wie es ausgeht. Dann machen die Medien daraus 51/49." Und er ergänzt: "Das ist vielleicht ein Learning aus der Brexit-Sache:"

Wir müssen vorsichtiger sein, was aus unseren Ergebnissen gemacht wird.

In Zukunft sieht er viele Veränderungen auf die Marktforschung zukommen, unter anderem, dass weniger Menschen befragt werden und mehr Profile und Daten  kombiniert werden. "YouGov experimentiert jetzt bereits mit solchen Big Data-Ansätzen." Außerdem geht das Nutzerverhalten hin zur Beantwortung der Fragebögen via Smartphone, somit sei eine Vereinfachung der Bögen notwendig. Natürlich immer mit Blick auf den Datenschutz: "Ohne Datenschutz-Konformität wäre unser Geschäft nicht möglich", konstatiert Geißler.