GRIMBERG am 4. April 2019 Fehler 404 – Seite nicht gefunden: Aktionstag gegen Internetzensur

Was auf den ersten Blick wie ein kurioser Feiertag für Internet-Nerds aussieht, ist auf den zweiten Blick ein Aktionstag mit einem ernsten Anliegen und aktuellem Bezug zur Europäischen Urheberrechtsreform und der Diskussion über Uploadfilter.

von Steffen Grimberg

„Error 404 Page not found“.

Diesen Text hat sicherlich jeder schon mal angezeigt bekommen, nachdem er auf einen Link geklickt hat. „Fehler 404 – Seite nicht gefunden“ bedeutet, dass die verlinkte Website nicht oder nicht mehr unter der eingegebenen Web-Adresse zu finden ist. Vergleichbar mit dem Vermerk der analogen Post bei einer gescheiterten Briefzustellung: „Der Empfänger ist unbekannt verzogen – zurück an den Absender“.

Was aussieht, wie ein skurriler Feiertag für Internet-Nerds, hat einen ernsten Hintergrund und einen aktuellen Bezug zur Europäischen Urheberrechtsreform und der Debatte über Uploadfilter. Denn die Fehlermeldung 404 steht sinnbildlich für vorsätzlich geblockte Online-Inhalte an Öffentlichen Schulen und Bibliotheken in den Vereinigten Staaten.

Denn nach dem amerikanischen Children’s Internet Protection Act (CIPA) sind alle öffentlichen Einrichtungen dazu verpflichtet, den Zugang zu anstößigen, rechtswidrigen und pornografischen Inhalten, ob als Text, Bild, Audio oder Video, auf bzw. durch ihre Online-Zugänge verbindlich zu zensieren oder gänzlich zu unterbinden. Was sich in der Theorie nach einer sinnvollen Jugendschutzmaßnahme anhört, erweist sich in der Praxis allerdings als schwierig.

Denn da viele der öffentlichen Einrichtungen juristische Konsequenzen befürchten müssen, werden mit Hilfe automatischer Filter, viel mehr Inhalte geblockt und damit quasi absichtliche 404-Fehlermeldungen erzeugt, als eigentlich notwendig wäre. So werden von den Filtern z.B. auch medizinische Abbildungen und Kunstwerke mit vermeintlich pornografischen Inhalten geblockt. Im Namen des Jugendschutzes wird daher eine pauschale, weil automatisierte Zensur durchgeführt.

Auf dieses Problem möchte die Electronic Frontier Foundation (EFF) zusammen mit der amerikanischen National Coalition Against Censorship und dem Center for Civic Media at MIT am „404-Day“ aufmerksam machen. Das Datum ist mit Bedacht gewählt, der 4. Tag im 4. Monat des Jahres ergibt im amerikanischen Datumsformat (M.TT) die Zahl 404.

Gut gemeint ist also nicht immer auch gut gemacht, womit wir bei der aktuellen Debatte um die europäische Urheberrechtsreform wären. Auch hier besteht die Gefahr, dass Seiten- bzw. Portalbetreiber vorrauseilende automatisierte Zensur von Inhalten durchführen – Stichwort Uploadfilter – nur eben nicht im Namen des Jugendschutzes wie in den USA, sondern im Namen des Urheberrechts.

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2019, 11:43 Uhr