GRIMBERG am 29. Mai 2018 Abpfiff im Free-TV

Am 26. Mai ging eine Ära zu Ende: Zum letzten Mal lief das Finale der Champions League öffentlich-rechtlich im ZDF. Ab der kommenden Saison verschwindet die "Königsklasse" des Fußballs fast vollständig aus dem Free-TV. Dann teilen sich in Deutschland das britische Sport-Streamingportal DAZN und der Abo-Sender Sky die TV-Rechte.

von Steffen Grimberg

Die Partnerschaft von DAZN und Sky, also von Streamingdienst und klassischem Bezahlfernsehen, zeigt, wie sehr der Sportrechtemarkt in Bewegung ist. Wobei der etablierte Anbieter Sky recht eigentlich als Juniorpartner fungiert, gemessen an der Zahl der komplett übertragenen Live-Spiele. Denn Sky zeigt nur zwölf Partien über die vollen 90 Minuten, DAZN übernimmt die anderen 84. Den Rest bietet Sky per Konferenz. Allerdings hat Sky gewissermaßen ein Vorkaufsrecht, sich auszusuchen, welche – was stark dafür spricht, das hier vor allem die Spiele mit deutscher Beteiligung laufen werden. "Keiner zeigt mehr deutsche Partien und alle Entscheidungsspiele deutscher Mannschaften live", bewirbt Sky denn auch sein Angebot.

DAZN weiter auf Einkaufskurs

Immerhin: Dank der im Europarecht verankerten Spielregel, dass zumindest die Endspiele der wesentlichsten europäischen Fußball-Turniere frei empfangbar sein müssen, wird das Finale weiter ohne Pay-Aufschlag auch im Free-TV zu sehen sein. Wo, ist allerdings noch unklar. Klar ist derweil, dass die aggressive Einkaufstour von DAZN mit Sicherheit noch nicht zu Ende ist. Der Streamingdienst ist aktuell in Deutschland, Österreich, Kanada und Japan am Start. In Deutschland bietet DAZN aktuell bereits unter anderem die Spiele der Spitzenligen in Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien und Portugal, aber auch die Begegnungen der NBA (US-Basketball) und der NFL (American Football). Für die deutsche Fußball-Bundesliga ist DAZN dagegen nur Rechteinhaber für die Zusammenfassungen (Highlight-Rechte).

ZDF bedauert das Aus

"Die Zuschauer haben erstens unser hochwertiges Angebot mit einem großartigen Zuspruch belohnt und zweitens hat die Champions League positiv in das Programm des ZDF ausgestrahlt", bedauerte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann im "Tagesspiegel" den Abpfiff bei den Mainzern nach sechs Jahren. Pro Jahr dürfte das ZDF deutlich über 50 Millionen Euro allein in die TV-Rechte an der Champions League gesteckt haben, über solche Summen spricht man in Mainz aber genauso wenig wie bei der ARD.

Beim zweiten europäischen Klub-Wettbewerb, der Uefa Europa League, sind in der kommenden Saison 2018/2019 immerhin noch 15 Spiele im Free-TV zu sehen – bei RTL bzw. dem hauseigenen Digitalableger RTL-Nitro.

Im September startet die Nations League auf ARD und ZDF

Internationaler Fußball findet aber natürlich weiterhin auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen statt. ARD und ZDF übertragen traditionell viele Spiele der Europa- und Weltmeisterschaften. Und damit auch gar nichts schief geht, haben die beitragsfinanzierten Sender tief in die Tasche gegriffen, um sich auch die Spiele der im September erstmals startenden Nations League zu sichern. Die Nations League ersetzt die früher eher mäßig koordinierten Freundschaftsspiele der Nationalmannschaften und soll laut diverser Fußballfunktionäre dazu führen, dass auch kleinere Fußballnationen mal mitkicken können. Kritiker sagen, es gehe genau diesen Fußballfunktionären schlicht darum, hier noch ein paar Milliönchen mehr in die Kasse zu bekommen. Denn pro Spiel dürfte die nun so geadelte Nations League die Sender auf jeden Fall teurer zu stehen kommen als bisher der Freundschaftskick.

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2018, 17:53 Uhr