GRIMBERG am 22. Januar 2019 Facebook will sein Image verbessern

Nach den Skandalen der vergangenen Monate bemühen sich die großen US-Tech-Konzerne massiv um Imageverbesserung. Am Nötigsten hat es dabei offensichtlich Facebook.

von Steffen Grimberg

Teaserbild für GRIMBERG – Die Kolumne am 22. Januar 2019: Schriftzug "22/01". 2 min
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Facebooks Nummer 2, Mark Zuckerbergs Co-Chefin Sheryl Sandberg, kündigte auf der Münchner Digitalkonferenz DLD eine enge Kooperation mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an. Gemeinsam will man bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai Tricksereien und Manipulationsversuchen auf die Spur kommen und verhindern.

7,5 Millionen Dollar für KI-Forschung

Facebook spendiert außerdem der Technischen Universität München ein unabhängiges Forschungszentrum, das unter anderem die ethischen Folgen von Künstlicher Intelligenz (KI) beforschen soll. 7,5 Millionen Dollar will der Konzern nach Presseberichten dafür locker machen.

Und schon vor einigen Wochen hatte Facebook in den USA angekündigt, weltweit einen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag für Medienkooperationen und die Unterstützung journalistischer Projekte locker zu machen. Ob und wer in Deutschland in den Genuss dieser Finanzspritze kommt, ist aktuell noch offen.

Facebook will möglichst wenig Regulierung

Doch forsche Auftritte bei Branchenkonferenzen und – gemessen am Börsenwert von Facebook – eher milde Gaben sind das eine. Auf der anderen Seite bleibt das Grunddilemma: Facebooks Ware sind unsere Daten, und hier bleibt das Unternehmen seinem Image treu. Gleichzeitig mit der Ankündigung der Millionen für die Medien bat Facebook eindringlich, die eigenen Angebote nicht mit zu viel Regulierung, Vorschriften und Verboten zu überziehen – da dies der Pressefreiheit schade.

"Sandberg hat die Demokratie beschädigt"

Auch bei der DLD in München wehte Facebook daher scharfer Gegenwind ins Gesicht. Der IT-Spezialist und heutige Uni-Professor Scott Galloway ging mit Sandberg und dem Konzern hart ins Gericht. Vor zwei Jahren hätten viele Sandberg noch als eine der inspirierendsten Frauen der Welt gesehen, sagte Galloway im Interview mit dem Handelsblatt: "Sie hätte die nächste demokratische Präsidentschaftskandidatin werden können. Jetzt taumelt Facebook von einem Skandal in den nächsten, und Sandberg wird in die Geschichte eingehen als jemand, der die Demokratie beschädigt hat", so der Bestsellerautor ("The Four – Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google").

Facebook habe zwar hervorragende Produkte, aber eine "korrupte Kultur", sagt Galloway. Mark Zuckerberg, Facebook-Gründe und Hauptaktionär und Sheryl Sandberg hätten sehr früh gewusst, „dass ihre Plattform als Waffe eingesetzt werden konnte – sie haben es hingenommen, um noch mehr Wachstum zu generieren“.

Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern steigt

Trotzdem wirke Facebook bei aller Dauerkritik fast unangreifbar. Doch die schlechte Stimmung kommt nun auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Konzerns selbst an. Das Wall Street Journal berichtete jetzt, die Unzufriedenheit unter den knapp 30.000 Angestellten sei stark angestiegen. Laut einer internen Umfrage glaube nur noch rund die Hälfte von ihnen an eine positive Entwicklung. Ein Jahr zuvor habe dieser Wert noch bei über 80 Prozent gelegen.

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 11:43 Uhr