GRIMBERG am 6. Februar 2019 Für freie Mitarbeiter gibt es keine Transparenz

Nach dem Arbeitsgerichtsurteil gegen die ZDF-Reporterin Birte Meier in Sachen Lohngleichheit hagelt es Kritik.

Die ZDF-Reporterin Birte Meier ist in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg mit einer Klage auf Lohngleichheit gescheitert. Laut Gericht gebe es keine ausreichenden Beweise dafür, dass die Mitarbeiterin des Polit-Magazins „Frontal 21“ aufgrund ihres Geschlechts weniger Geld erhielt als männliche Kollegen. Die Anwältin der Journalistin kritisierte das Urteil als "Schlag ins Gesicht“. Das Landesarbeitsgericht bestätigte mit seiner Entscheidung ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin vom Februar 2017.

Gericht: Entgelttransparenzgesetz gilt hier nicht

Birte Meier sieht sich selbst als Opfer des "Sender" Pay Gaps, weil sie für die gleiche Arbeit nach ihrer Darstellung weniger bekommt als ihre männlichen Kollegen. Weil Birte Meier nicht fest beim ZDF angestellt ist, sondern in der beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk üblichen Sonderform als so genannte fest-freie Mitarbeiterin arbeitet, gilt für sie auch nicht das Entgelttransparenzgesetz. Danach können Angestellte von ihrem Unternehmen im Streitfall die Offenlegung von Gehältern verlangen. Das Gericht entschied nun aber, dass dieses Gesetz für sie nicht gilt, weil sie keine Festanstellung beim ZDF hat und damit keine reguläre Arbeitnehmerin sei.

Nora Markard kritisiert den Urteilsspruch

Nora Markard, Juniorprofessorin für Öffentliches Recht an der Universität Hamburg, die Birte Meier unterstützt und das Entgelttransparenzgesetz auch gegenüber MDR MEDIEN360G scharf kritisiert hat, sagte: "Das Urteil heute hat noch einmal gezeigt, dass das Prinzip der Entgeltgleichheit ein Prinzip ohne Praxis ist."

MEDIEN360G im Gespräch mit Nora Markard

Prof. Dr. Nora Markard und Logos von Medienanstalten. 6 min
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Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 11:43 Uhr