GRIMBERG am 9. Mai 2019 Politik und Regierungen setzen auf Newsrooms

Der „Newsroom“ liegt im Trend: Immer mehr Unternehmen, Verbände und auch die Politik bauen ihre klassischen Pressestellen zu redaktionsähnlichen Abteilungen um. Damit wollen sie zum einen besser auf die Anforderungen der schnellen Online-Welt reagieren - andererseits aber auch ganz direkt mit den Menschen kommunizieren.

von Steffen Grimberg

Als vor Kurzem die rheinland-pfälzische Landesregierung in Mainz entsprechende Pläne vorstellte, hagelte es harsche Kritik von Journalistenverbänden. "Die Landesregierung verschärft mit diesem Schritt die von ihr bemängelte sinkende Reichweite klassischer Medien und trägt mit dazu bei, die Pressefreiheit auszuhöhlen und so die Demokratie zu bedrohen", sagte die Landesvorsitzende des Deutsche Journalisten-Verbands (DJV) in Rheinland-Pfalz, Andrea Wohlfart.

Scharfe Kritik vom DJV

Es sei nicht Aufgabe einer Regierung, "Informationen und relevante Themen der Landesregierung zu bündeln, zu vernetzen und zu analysieren", so Wohlfart:  "Das sind originäre Aufgaben der Journalistinnen und Journalisten und somit der freien, unabhängigen Medien".

Landesregierung beteuert, sie wolle keine journalistische Arbeit machen

Die Kritik kam an: Jetzt hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärt, man wolle auch künftig mit einer neu aufgestellten Öffentlichkeitsarbeit nicht in Konkurrenz zu herkömmlichen Medien treten. Es gehe vor allem um eine einheitliche Technik für die Auftritte des Landes in sozialen Medien: "Es ist selbstverständlich, dass wir keine journalistische Arbeit machen", sagte Dreyer. Man wolle lediglich die Selbstdarstellung des Landes in sozialen Medien besser koordinieren, Pressemeldungen der Regierung platzieren und außer der Presseberichterstattung künftig auch systematisch Debatten im Internet verfolgen. Die Aufregung über vermeintlich eigene journalistische Ambitionen beruhe "auf einem Missverständnis".

Es bleibt interessengeleitete Kommunikation

Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn das Netz eröffnet Parteien und Regierungen, aber auch Verbänden und Unternehmen die Möglichkeit, direkt mit den Menschen in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. Je journalistischer die Aufmachung, desto mehr Glaubwürdigkeit genießen solche Angebote, obwohl sie ja gerade kein Journalismus sind, sondern interessengeleitete Kommunikation.

Partei-Newsrooms und Kanzlerin-Podcast

Bei der SPD, die sich für ihre Berliner Zentrale eine ehemalige Social Media-Chefin der Bild-Zeitung an Bord geholt hat, heißt es, man wolle vor allem auf digitalen Kanälen Botschaften verstärken und klassische Medienkommunikation verlängern. Auch andere Parteien nehmen Kurs auf den Newsroom. Die Kanzlerin selbst hat schon lange ihren Podcast, bei dem die zuständige Medienaufsicht zunächst sogar prüfte, ob es sich um ein genehmigungspflichtiges Rundfunkangebot handelte.

AfD will klassisch Medien umgehen

Für die AfD hatte deren Bundestags-Fraktionschefin Alice Weidel schon 2018 verkündet, die klassischen Medien gleich mit eigenen Kanälen zu ersetzen und so die eigenen Botschaften an die Bürgerinnen und Bürger zu bringen. Sogar von einem eigenem TV-Angebot war die Rede, nach einer Recherche des „Tagesspiegel“ entpuppte sich diese Ankündigung bislang allerdings eher als heiße Luft.

Es ist und bleibt PR

Wichtig bleibt bei all diesen Angeboten, ob sie nun „Newsroom“ oder anders heißen, dass die Absender klar benannt sind. Und damit auch, dass es sich gerade nicht um unabhängigen Journalismus, sondern PR handelt.

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2019, 14:06 Uhr