GRIMBERG am 3. Juli 2018 ProSieben & Co. fordern öffentliche Gelder

Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat ihre Forderung erneuert, für mehr gesellschaftspolitisch wertvolles und relevantes Programm mit öffentlichen Geldern bezuschusst zu werden.

von Steffen Grimberg

Teaserbild für GRIMBERG – Die Videokolumne am 3. Juli 2018: Schriftzug "03/07" auf weißem Grund 1 min
Bildrechte: MEDIEN360G

Ja ist denn schon Sommerloch: ProSiebenSat.1 bietet mal wieder an, mehr Information ins Programm zu nehmen, wenn die börsennotierte AG dafür öffentliche Gelder bekäme.

Mo 02.07.2018 14:28Uhr 01:24 min

https://www.mdr.de/medien360g/videokolumne-grimberg/video-209646.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

„Wir wollen die Möglichkeit bekommen, unseren Beitrag zur Meinungsbildung über neue Finanzierungsmöglichkeiten besser wahrnehmen zu können“, begründete ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert in der Zeitung Die Welt diesen Schritt. Man leiste als Privatsender schon jetzt einen „wichtigen Beitrag zur medialen Grundversorgung der Bürger“, so Albert weiter. Da solche Programme – insbesondere Informations- und Nachrichtensendungen – aber schwer zu refinanzieren seien, wäre eine Kofinanzierung durch die Gesellschaft angebracht: „Wir fühlen uns dem öffentlichen Gemeinwohl verpflichtet“ und handle hier „nicht in erster Linie aus ökonomischem Interesse“, so Albert in der Welt.

Duales System

Der Anfang 2018 an die Spitze des Medienkonzerns (ProSieben, Sat.1, Kabel 1) aufgerückte TV-Manager hatte bereits im Sommer 2017 sein Konzept für eine Medienordnung 4.0 vorgestellt, in dem sich bereits entsprechende Vorschläge finden.

Darin heißt es: „Ziel ist es, gesellschaftspolitisch relevante Inhalte (Public-Service-Inhalte) zu fördern und so vermehrt junge Menschen mit demokratiestiftenden, meinungsbildenden und integrativen Angeboten zu erreichen.“ Aktuell erhielten private Rundfunkanbieter in Deutschland im Regelfall keine finanzielle Förderung für Inhalte. „Ein digitales Ökosystem mit starken öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern bildet jedoch die Basis für Meinungs- und Medienvielfalt.“

Konkret schlägt das Papier vor, dass private Anbieter im Rahmen einer Ausschreibung solche Public-Service-Projekte in einem Konzessionsverfahren vorlegen. Eine staatsfern organisierte, unabhängige Kommission solle dann einen Finanzierungsrahmen festlegen und die Auftrags- und Mittelvergabe verantworten. Was genau unter den Public-Service-Begriff fällt, sollen die für die Medienpolitik zuständigen Bundesländer definieren und in einem Staatsvertrag festschreiben.

Gegenüber der Welt betonte Albert, es müsse sich nicht notwendigerweise um einen Anteil am Rundfunkbeitrag handeln, aus dem ARD, ZDF und Deutschlandradio finanziert werden: „Es geht uns in keiner Weise darum, dass ARD und ZDF oder die Rundfunkgebühr wegfallen“.

Die Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe haben derzeit den niedrigsten Anteil an Nachrichten und konkreten Informationssendungen unter den privaten Vollprogrammen. Dass sie überhaupt Nachrichten senden müssen, ist allerdings in ihren Rundfunklizenzen festgeschrieben. Die für die Aufsicht über den privaten Rundfunk zuständigen Landesmedienanstalten (deren Arbeit übrigens überwiegend aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkbeitrag finanziert wird) überprüfen regelmäßig das Programmangebot der Privaten.

Dabei ergab sich für ProSieben und Kabel 1 ein News-Anteil von deutlich unter fünf und für Sat.1 von unter zehn Prozent am Gesamtprogramm (S. 108 des Content-Berichts). Die Werte für den privaten Konkurrenten RTL liegen deutlich höher, außerdem unterhält die RTL-Gruppe mit n-tv einen eigenen Nachrichtenkanal. ProSiebenSat.1 hatte seinen Nachrichtenkanal N24 dagegen 2010 verkauft.

Der Sender gehört heute zum Axel Springer Konzern und wurde Anfang 2018 in Welt umbenannt.

Deutschlands Verleger, allen voran Springer, haben sich übrigens stets gegen eine öffentliche oder staatliche finanzielle Förderung für ihre journalistischen Angebote ausgesprochen.

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2018, 12:02 Uhr