GRIMBERG am 6. Juni 2018 "Hart aber fair" zeigt klare Kante

Weil er die Zeit des Nationalsozialismus als "Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte" bezeichnet hat, wird der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland nicht mehr beim ARD-Polittalk "Hart aber fair" eingeladen.

von Steffen Grimberg

Teaserbild für GRIMBERG – Die Videokolumne am 6. Juni 2018: Schriftzug "06/06" auf weißem Grund 2 min
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"Hart aber fair" zeigt klare Kante. Wegen umstrittener Äußerungen zur NS-Zeit werden die AfD-Politiker Alexander Gauland und Björn Höcke nicht mehr eingeladen.

Mi 06.06.2018 10:27Uhr 01:31 min

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"Wir werden Herrn Gauland nicht mehr in unsere Sendung einladen", sagte Frank Plasberg, der Moderator der ARD-Talkshow, dem Tagesspiegel: "Wer die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert, kann kein Gast bei 'hart aber fair' sein. Daher werden wir Alexander Gauland in Zukunft nicht mehr einladen."

Gauland hatte am 2. Juni 2018 beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte." 

Die Redaktionen der anderen Polittalks bei ARD und ZDF hielten sich laut Tagesspiegel bedeckt. Auch bei "Hart aber fair" sollen weiterhin VertreterInnen der AfD eingeladen werden, wenn dies redaktionell geboten ist. Die quasi-"Ausladung" erstrecke sich nur auf Gauland und den AfD-Fraktionsvorsitzenden im thüringischen Landtag, Björn Höcke. 

Höcke war wiederholt durch rassistische Äußerungen aufgefallen, und hatte 2017 ein Parteiausschlussverfahren knapp überstanden.

Die Kontroverse wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die Rolle der TV-Polittalks in der medialen Welt. Kritiker wie der Publizist Georg Seeßlen werfen den Talk-Formaten vor, Populisten und Schaumschlägern überhaupt erst eine Bühne zu verschaffen und für die demokratische Meinungsbildung kontraproduktiv zu sein. "Vielleicht sind Talkshows ja nicht an allem schuld. Aber so viel ist sicher: Wo es Talkshows gibt, gibt es keine Demokratie. Und mehr Demokratie schon gar nicht", schrieb Seeßlen in der taz.

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2018, 16:12 Uhr