GRIMBERG am 15. Mai 2018 Kommunikation in eigener Sache

Warum fällt es Medienunternehmen so schwer, in eigener Sache zu kommunizieren? Im Umgang mit anderen Unternehmen, mit Behörden und der Politik sind sie alles andere als zimperlich: Da werden kritische Fragen gestellt, nachgefasst, scharf kommentiert. Ist man als Medienunternehmen aber selbst Gegenstand solcher Recherchen und Nachfragen, wird aus dem Schlachtross des kritisch-aufklärerischen Journalismus gern mal ein scheues, angstbesetztes Reh.

von Steffen Grimberg

Teaserbild für GRIMBERG – Die Videokolumne am 15. Mai 2018: Schriftzug "15/05" auf weißem Grund 1 min
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Bei der Medien-Union Ludwigshafen lagen vor ein paar Jahren die Dinge noch ganz klar: Das Medienhaus, das unter anderem die Tageszeitung "Rheinpfalz" herausgibt und Teilhaber der wesentlich größeren Südwestdeutschen Medienholding (u.a. "Freie Presse" Chemnitz, "Stuttgarter Zeitung", "Süddeutsche") ist, hatte es nicht so mit Kommunikation in eigener Sache. Wenn es Journalisten doch einmal gelang, per Telefon ins Büro der Geschäftsführung vorzudringen, lobte die Büroleiterin das Engagement, beschied aber: "Sie kennen doch unser Motto: Keine Fragen, keine Antworten!"

Dass Medienunternehmen mit Kommunikation und Information in eigener Sache so ihre Schwierigkeiten haben, ist ein alter Hut. "Sie werden über den Axel Springer Verlag selten in der 'Bild'-Zeitung oder unseren anderen Blättern lesen", so auch der von 2000 bis 2008 amtierende "Bild am Sonntag"-Chefredakteur Claus Strunz: "Geschichten über Springer lese ich im 'Spiegel'. Medienjournalismus kann man nur als Ganzes verstehen".

Nun ist es auch schon wieder eine ganze Weile her, dass sich der "Spiegel" mal tiefschürfend mit Springer abgab. Doch Kommunikation in eigener Sache tut Not. Vor allem, wenn man in der Krise steckt. Dass Mitarbeiterinnen bei wirtschaftlich kriselnden Unternehmen zu oft erst aus den Medien erfahren, was in ihren Läden längst beschlossene Sache ist, zerstört Vertrauen und Arbeitsmoral.

Bei vielen Medienunternehmen kommt erschwerend hinzu, dass sie im Umgang mit anderen Unternehmen, mit Behörden und der Politik alles andere als zimperlich sind: Da werden kritische Fragen gestellt, nachgefasst, scharf kommentiert. Ist man als Medienunternehmen aber selbst Gegenstand solcher Recherchen und Nachfragen, wird aus dem Schlachtross des kritisch-aufklärerischen Journalismus gern mal ein scheues, angstbesetztes Reh. Wegducken ist dann – zu oft – immer noch angesagt, und manche Kommunikationsstrategie verfährt weiter nach dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Geht es dann, wie aktuell beim WDR, auch noch um Vorwürfe sexueller Belästigung, wird die Lage noch schwieriger: Hier geht es um die vor dem Gesetz zu recht besonders geschützte Privat- und Intimsphäre, es drohen Vorverurteilungen und Rufschädigungen, falls Vorwürfe nicht stimmen, es geht auch um arbeitsrechtliche Konsequenzen. Gleichzeitig lässt sich heute Dank der Macht des Netzes und der sozialen Medien nichts mehr unter der Decke halten – egal wie dünn sie sein mag. Der WDR tut gut daran, sich offensiv und öffentlich – wie in der jüngsten Rundfunkratssitzung – mit den Vorwürfen und den Bemühungen der Anstalt um Aufklärung auseinanderzusetzen.

Doch auch hier offenbart sich – mangelnde Routine. Medienjournalismus hat längst nicht nur bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten zu oft immer noch den Ruf des Nestbeschmutzers, der im Glashaus sitzt und mit Steinen wirft. Dies zeigt sich auch im Programm, wo Medienthemen ein eher stiefmütterliches Dasein führen – auch in Zeiten, wo über nichts weniger als den künftigen Zuschnitt des Mediensystems gestritten und die Frage diskutiert wird, welche Rolle künftig ARD, ZDF und Deutschlandradio darin spielen sollen.

Ein tägliches Medienmagazin gibt es nur bei den KollegInnen vom Deutschlandfunk, wöchentliche Hörfunkmagazine bieten der RBB, WDR, BR und der Saarländische Rundfunk sowie jeden späten Mittwochabend "ZAPP" im NDR Fernsehen. Hier eine Übersicht.

Die gar nicht so steile These: Wenn es hier mehr gäbe, die Kommunikation und Information über Medien und damit auch sich selbst also vom Sonder- zum Regelfall würde, wird sich auch ein routinierterer, souveräner Umgang mit diesen Themen einstellen. Nicht als Pro-domo-Berichterstattung in eigener Sache auf dem Pfad der Pressestellen. Sondern nach den einschlägigen, bewährten journalistischen Kriterien und Spielregeln. Geht bei allen anderen Themen doch schließlich auch.

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 09:51 Uhr