GRIMBERG am 20. Juni 2019 Grimme Online Awards 2019 verliehen

Beim Grimme Online Award wurden wieder die besten publizistischen Angebote im Netz ausgezeichnet. In diesem Jahr gab es auch in der Kategorie Information wieder Preise – und auch funk ist wieder dabei.

von Steffen Grimberg

Auch 2019 zeigt sich beim Grimme Online Award (GOA) das Netz wieder von seiner besten Seite. Die insgesamt neun ausgezeichneten Angebote belegen auch die große Bandbreite der von der GOA-Jury aufgespürten Themen in den vier Kategorien. Acht Preise werden dabei von der Jury vergeben, dazu kommt der durch ein Online-Voting ermittelte Publikumspreis.

Kategorie Information

Hier ging ein Preis an die 2014 mit einer großen Crowdfunding-Aktion gegründeten „Krautreporter“, die heute als Genossenschaft organisiert sind. Ihren hochwertigen Online-Journalismus können Abonnentinnen und Abonnenten nicht nur mit Geld, sondern auch mit eigenen Ideen und Informationen unterstützen. „Die ‚Krautreporter‘ betreiben im besten Sinne konstruktiven Journalismus und nehmen ihren Claim ‚Verstehe die Zusammenhänge‘ ernst“, heißt es in der Begründung der Jury.

Ein zweiter Preis ging an das Recherchekollektiv „CORRECTIV“ für das Projekt „Wem gehört Hamburg, bei dem in einem eigens eingerichteten Crowd-Newsroom Angaben von mehr als 1.000 Mieterinnen und Mietern ausgewertet und so Eigentumsdaten zu über 15.000 Wohnungen ermittelt wurden. „Offengelegt wurden verschachtelte Unternehmensstrukturen, die systematische Verdrängung zur Profitmaximierung und Tricks zu exorbitanten Mietsteigerungen an den Gesetzen vorbei“, lobt die Jury.

Kategorie Wissen und Bildung

Im YouTube-Kanal „Ultralativ“ dreht sich alles um „YouTube, das Internet und den ganzen absurden Rest“. In ihren Videoessays beschäftigen sich die Macher mit dem EU-Urheberrecht, mit der Vorbildfunktion von Influencern oder den Machtverhältnissen auf YouTube. „Animiert, knapp und kritisch“ schaffe „Ultralativ“ ein eigenständiges Format, mit dem sich seine Macher „als Teil der kleinen, medienkritischen Szene auf YouTube genau dort mit ihrem Medium auseinandersetzen“, so die Jury.

Kategorie Kultur und Unterhaltung

Hier gab es gleich vier Preise: Für das „Techniktagebuch“, das seit über fünf Jahren die Veränderungen in der uns umgebenden Alltagstechnik beschreibt und reflektiertErgebnis der Arbeit von über 450 Autorinnen und Autoren.

Für „Buterbrod und Spiele“, eine atemberaubendes Reportageprojekt über Russland während der umstrittenen WM 2018.

Für „Krieg und Freitag“-Zeichner Tobias Vogel, der auf Twitter, Facebook und Instagram regelmäßig mit seinen Strichmännchen-Zeichnungen gesellschaftlichen und politische Themen aufs Korn nimmt.

Und für „Mensch Mutta.“, einen siebenteiligen Podcast, in dem die Journalistin Katharina Thoms mit ihrer Mutter über das Leben in der DDR spricht und viel Unbekanntes über das andere Deutschland erfährt.

Kategorie Spezial

Der Preis in dieser sehr offenen Kategorie ging in diesem Jahr an die Jugendnetzkonferenz TINCON. Sie macht das Internet mit Blick auf die nachwachsende Generation – ältere Semester haben auf der TINCON keinen Zutritt – mit und für diese zum Thema und sorgt für einen digitalen Diskursraum für junge Menschen zwischen 13 und 21 Jahren. „Noch viel zu oft wird Medienbildung als Einbahnstraße gedacht, in der erwachsene Expert*innen die hilf- und ahnungslosen Kids mit erhobenem Zeigefinger belehren – während doch in Wahrheit die Teenager ihren Eltern und den Expert*innen meist um mehrere Nasenlängen voraus sind und einen klareren Blick für Chancen und Risiken der digitalen Lebenswelten haben als diese“, schreibt die Jury in ihrer Begründung.

Publikumspreis

Das Publikumsvoting konnte am Ende der YouTube-Kanal „Einigkeit & Rap & Freiheit“ für sich entscheiden, der in diesem Jahr auch für den Grimme-Preis nominiert war. Hubertus Koch spricht hier mit Deutsch-Rappern nicht nur über ihre Musik, sondern greift auch gesellschaftspolitische Themen wie Politik, Klimawandel oder Antisemitismus auf. Einigkeit & Rap & Freiheit ist eine Produktion von Radio Bremen für funk von ARD und ZDF.

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 14:15 Uhr