GRIMBERG am 19. Juni 2019 Kritik an Landesmedienanstalten wegen Aus für TV-Programmbeobachtung

Weil die Landesmedienanstalten angekündigt haben, ihre bisherige Programmbeobachtung nicht weiter fortzusetzen, fürchten Kritiker jetzt um die systematische Messung der Programmleistung vor allem mit Blick auf die privaten Sender. Die Landesmedienanstalten sagen, sie suchen nach neuen Forschungs-Ansätzen, die auch die Veränderungen der digitalen Medienwelt abbilden können.

von Steffen Grimberg

Seit 1998 gab es sie – die kontinuierliche Fernsehprogrammforschung im Auftrag der Landesmedienanstalten. Die Landesmedienanstalten sind für die Zulassung und Aufsicht über den privaten Rundfunk zuständig. Dabei geht es in erster Linie um Rechtsfragen – aber auch um Programminhalte. Denn auch den privaten TV-Kanälen ist in gewissem Umfang vorgeschrieben, was sie in ihren Kanälen anbieten müssen. Dabei geht es vor allem um Informations- und Nachrichtenprogramme.

Acht Programme untersucht

Um dies überprüfen zu können, untersuchte das GöfaK-Medienforschungsinstitut aus Potsdam seit 1998 die aktuellen Programmentwicklungen in den acht reichweitenstärksten privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehvollprogrammen. Dazu gehören RTL, RTL II und VOX, SAT.1, ProSieben und kabel eins auf der Seite der Privaten sowie das Erste Programm der ARD und des ZDF. Diese acht Kanäle wurden inhaltlich und mit Blick auf ihre Programmstrukturen untersucht. Die Ergebnisse flossen in den jährlichen Programmbericht der Landesmedienanstalten ein, der ab 2016 dann als „Content-Bericht“ firmierte.

Kontinuierliche Fernsehprogrammforschung wird eingestellt

Mit dieser Analyse soll nun Schluss sein: „Mit den im Jahr 2018 durchgeführten Programmanalysen stellen die Medienanstalten ihre kontinuierliche Fernsehprogrammforschung ein“, heißt es bei der im Mai bei den Medientagen Mitteldeutschland in Leipzig vorgestellten Ausgabe des Content-Berichts.

Kritik aus der Wissenschaft

Kritiker wie der Kommunikationswissenschaftler Joachim Trebbe von der Freien Universität Berlin fürchten nun, dass so der Blick auf gesellschaftlich notwendige Informationsleistungen – gerade bei den Privaten – verschwinden könnte. „Vermutlich ist es so, dass das lineare und in Mediatheken verfügbare Fernsehen als ‚Rundfunk‘ an Bedeutung verlieren wird und andere, netzbasierte Berichterstattungsformen und Akteure in der politischen Informationsgebung und der gesellschaftlichen Debatte wichtiger werden“, schreibt Trebbe, der in früheren Jahren selbst an den GöfaK-Untersuchungen beteiligt war, im Berliner „Tagesspiegel“. Damit stehe auch in Frage, wie die Landesmedienanstalten in Zukunft überprüfen wollen, ob die Sender zum einen ihre Lizenzauflagen erfüllen und zum anderen einen Beitrag zur öffentlichen und individuellen Meinungs- und Willensbildung leisten, moniert auch Heiko Hilker vom Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung, der auch im Rundfunkrat des MDR sitzt.

Landesmedienanstalten: Wir suchen neue Ansätze für Forschung

Die Landesmedienanstalten betonen dagegen, dass es auch in Zukunft entsprechende Untersuchungen geben soll, die anders als die bisherige Programmforschung auch der digitalen Entwicklung Rechnung trägt und nicht nur das lineare Programm der bisher beobachteten acht Sender auswertet. Auf Anfrage von MEDIEN360G hieß es bei der Gemeinsamen Geschäftsstelle der Landesmedienanstalten in Berlin, hierzu würden nun neue Strategien und Ansätze gesucht. Noch im laufenden Monat Juni werde man sich mit dem Thema intensiv beschäftigen.

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 13:56 Uhr