GRIMBERG am 3. April 2019 Erfolgreichste deutsche YouTube-Kanäle voller Schleichwerbung

Triviale Unterhaltung und Produktwerbung dominieren die Videoplattform YouTube. Das ist das Fazit der Studie "Unboxing YouTube: Im Netzwerk der Profis und Profiteure" , die die gewerkschaftsnahe Otto Brenner Stiftung jetzt vorgestellt hat.

von Steffen Grimberg

Die Autoren Lutz Frühbrodt und Annette Floren haben dazu die 100 YouTube-Kanäle aus Deutschland mit den meisten Abonnenten untersucht. Ein basisdemokratisches Alternativmedium, das außergewöhnliche kreative Leistungen jenseits des kulturellen Mainstreams entfacht, sei YouTube bestenfalls in seinen weniger frequentierten Nischen, so die Autoren.

Falsche Rollenbilder

"Wenn zuvorderst Comedy, Streiche, Online-Spiele und Schmink-Tipps das ‚Programm‘ beherrschen, dann wird den Heranwachsenden ein falsches Bild von der gesellschaftlichen Realität vorgegaukelt", sagt Prof. Dr. Lutz Frühbrodt, Mediensoziologe an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Viele Influencer führten außerdem ihren meist sehr jungen Nutzerinnen und Nutzern gesellschaftliche Rollenbilder vor, die man für längst überwunden gehalten habe.

„Profaner Konsumismus“

Bei 30 untersuchten Videos zu konsumnahen Themen habe sich zudem gezeigt, dass die große Mehrheit nicht gemäß den werberechtlichen Vorgaben gekennzeichnet sei. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu wiederholten Aussagen der zuständigen Landesmedienanstalten. Die Studie kritisiert, dass die Landesmedienanstalten in Sachen Aufsicht und Kontrolle hier zu nachsichtig seien und fordert ein härteres Durchgreifen der Kontrollbehörden. Außerdem müsse bereits in den Grundschulen mehr Medienkompetenz vermittelt werden, um verdeckte Formen von Werbung besser erkennen zu können. "Die zaghaften gesellschaftlichen Debatten über den Umgang und die Ansätze zur Regulierung dieser neuen Öffentlichkeit, die zurzeit erkennbar sind, greifen noch immer viel zu kurz", sagt der Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand,

funk-Kanäle nicht besonders erfolgreich

YouTube sei also in erster Linie gerade keine Plattform für journalistische Inhalte, Information, Diskurs und Bildung, sondern schlicht und schnöde für Konsum und Marketing, so die Otto Brenner Stiftung. Auch die 65 Kanäle des öffentlich-rechtlichen jungen Angebots funk verschafften hier wenig Abhilfe, so die Studie. Dazu sei ihre Reichweite - gemessen an den Abozahlen der erfolgreichsten YouTube-Kanäle zu gering: "Es sieht nicht so aus, als ob sie mit ihren Inhalten auf YouTube jemals bis ganz nach oben vordringen können", heißt es in der Studie.

„Ungerechtes YouTube-Bashing“?

Die Plattform move36 wirft der Otto Brenner Stiftung dagegen "ungerechtes YouTube-Bashing" vor. Schleichwerbung und vor allem triviale Inhalte seien längst nicht nur auf YouTube zu finden, sondern machten sich seit Langem auch in den klassischen Medien breit.

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 13:09 Uhr