Telemedizin Internetsprechstunde von Weimar nach Afghanistan

Azim Mosafer gibt regelmäßige Sprechstunden von Weimar – übers Internet – nach Afghanistan. Täglich hilft der Wirbelsäulenchirurg aus Bad Berka kranken Menschen in dem Land am Hindukusch. Seit 2008 hat er in den fünf großen Städten Afghanistans ein telemedizinisches Netzwerk aufgebaut.

Der Krieg in Afghanistan ist offiziell vorbei, doch das Land liegt in Trümmern, droht unter Anschlägen und Terror zu versinken. Die Menschen leben in Armut. Viele sind gezeichnet von schweren Leiden, Kriegsverletzungen, Fehlbildungen – darunter auch zahlreiche Kinder.

Für einen Arzt oder eine Behandlung im Ausland reicht meist das Geld nicht. Wer Glück hat, dem hilft Azim Mosafer. Der Wirbelsäulenchirurg ist Oberarzt in der Zentralklinik in Bad Berka in Thüringen. In seiner Freizeit will der Mediziner, der aus Afghanistan stammt, auch heilen.

Portrait Dr. med. Azim Mosafer und Zitat-Schrift: "Wenn Arbeit da ist, bin ich da."
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Vor zehn Jahren startete er Sprechstunden übers Internet für Patienten in Afghanistan. Inzwischen hat er ein telemedizinisches Netzwerk aufgebaut und Spezialisten aus der ganzen Welt mit ins Boot geholt. Gemeinsam helfen sie bei Diagnosen, beraten über Behandlungen.

Mosafer erzählt, dass sie sich immer wieder auf die unterschiedlichen Gepflogenheiten in Afghanistan einstellen müssen. "Wir haben beispielsweise kein Geburtsdatum von den Leuten", berichtet er. "Die wissen gar nicht, wann sie geboren sind. Auch Adressen gibt es nicht. Wir nutzen stattdessen ihre Telefonnummer zur Identifikation. Afghanen ändern ihre Nummer niemals."

Unterstützt wird Mosafer bei seinem Engagement von einem Erfurter Unternehmen, das die cloud-basierte Software entwickelte. Damit können die Ärzte zu jeder Zeit und von jedem Ort auf die Daten ihrer Patienten zugreifen und nach Lösungen suchen.

Portrait Thomas Fischer, TecArt GmbH und Zitat-Text: "Das war ein Punkt, wo wir nicht lange nachgedacht haben. Wir wollten, dass unsere Software als ein kleines Werkzeug hilfreich ist."
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Doch die Telemedizin hat ihre Grenzen. Operationen live über Internet zu begleiten, dafür sei die Verbindung in Afghanistan nicht stabil genug, sagt Mosafer. Deshalb reist er mehrmals im Jahr nach Kabul, um selbst zu operieren und die Ärzte vor Ort zu schulen.

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2018, 15:04 Uhr