Auf schmaler Spur | 31.10.2019 Reif für die Insel: Molli zu Gast bei der Borkumer Inselbahn

Eigentlich ist Molli zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan unterwegs. Wie es kam, dass die Kleinbahn von der Ostsee auf die Nordseeinsel Borkum reiste, um Dampf abzulassen, zeigt "Auf schmaler Spur".

Molli zu Gast bei der Borkumer Inselbahn
Molli-Premiere auf Borkum Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Täglich ist der dampfende Schmalspurzug der Mecklenburgischen Bäderbahn an der Ostseeküste zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan unterwegs. Doch dann findet Jan Methling, der seit knapp 25 Jahren in der Betriebsleitung die Geschicke der Bahn mitgestaltet: "Der Molli ist reif für die Insel!" Und zwar für Borkum; 400 Kilometer entfernt, ein Eiland in der Nordsee. Denn dort fahren Züge auf derselben ungewöhnlichen Spurweite: 900 Millimeter! Da müsse eine Molli-Lok, also die kleine Lok, die im Sommer nicht gebraucht wird, hin. Das wäre doch mal was, wenn die Dampflok von der Ostsee durchs Wattenmeer schnaubt ...

Immer für eine Überraschung gut

Molli zu Gast bei der Borkumer Inselbahn
Jan Methling und seine Mitstreiter sorgen dafür, dass "der Molli" fährt: Täglich zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das gute alte 30-Tonnen-Stück dorthin zu verfrachten, das wird also zum jüngsten Projekt von Jan Methling und seinen Mitstreitern. Als hätten sie zwischen Dienst, Vereinsarbeit und Sonderfahrten nicht schon genug zu tun. In den letzten rund 25 Jahren sorgten sie dafür, dass es an der Mecklenburgischen Bäderbahn wieder wie in einem Schmuckkästchen aussieht. Auf- und ausgebaut wurde auch das Molli-Museum am Endbahnhof in Kühlungsborn-West. Bestaunen lässt sich dort ein historischer Fahrkartendrucker. Retten konnte Methling auch das mechanische Stellwerk vom Bahnhof Partentin, an dem er selbst mal als Lehrling einen Tag Dienst hatte. Kürzlich bekam er ein komplettes Geschirrset geschenkt, das nun in der Ausstellung an die Geschichte der Mitropa-Gaststätten auf den DDR-Bahnhöfen erinnert.

400 Kilometer von der Ostseeküste gen Westen

Molli zu Gast bei der Borkumer Inselbahn
Jetzt geht es mit dem Tieflader auf die Fähre. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Jahr lang haben die Vorbereitungen für das Borkum-Projekt gedauert. Nach vielen Überlegungen steht fest, Molli soll die 400 Kilometer von Bad Doberan zur Fähre nach Emden per Tieflader zurücklegen. Fahrzeug und Fähre sind gebucht. Mitte September ist es soweit. Die Freunde vom Team der sächsischen Preßnitztalbahn sind angereist, um beim Verladen zu helfen. Lokführer und Heizer kommen von der Ostsee mit, denn die kennen die 70 Jahre alte Lok am besten. An der Fähre wird abgewartet, bis die Nordsee die richtige Höhe hat, so dass der Tieflader fast ohne einen Neigungswinkel auffahren kann.

Bei der Ankunft auf der Insel steht schon Theo Robbers, der Chef der Borkumer Kleinbahn, zum Empfang bereit. Bei echtem Schietwetter. Er meint allerdings, dass es nur schlechte Kleidung gibt. Trotz des Regens haben sich viele Schaulustige versammelt, Molli ist vom ersten Augenblick an eine Attraktion. Über eine Rampe rollt sie dann gemächlich vom LKW aufs Hilfsgleis und dann in die richtige Kleinbahn-Spur. Mit Hilfe einer Seilwinde und dem Gesetz der Schwerkraft folgend.

Mit Volldampf über die Insel

Molli zu Gast bei der Borkumer Inselbahn
Großer Bahnhof Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am nächsten Morgen strahlendes Wetter: Der festlich geschmückte Molli fährt mit Jan Methling als Heizer in den Bahnhof Borkum ein. Die Lok der Mecklenburgischen Bäderbahn rangiert vor die Waggons der Insel-Kleinbahn und dann geht es mit Volldampf und den teilweise von weither angereisten Passagieren durchs Naturschutzgebiet Wattenmeer. Mit zur Crew gehört auch Julia Meyer, sonst Zugführerin bei der Borkumer Kleinbahn, ist sie außerdem Tischlerin und sorgt mit dafür, dass die Originalwaggons der Borkumer Kleinbahn so gut erhalten bleiben. Von Jan Methling lernt sie später, wie eine Kohle betriebene Dampflok funktioniert.

Operation Schweineschnäuzchen wartet schon

Molli zu Gast bei der Borkumer Inselbahn
Julia Meyer will wissen, wie es mit Molli läuft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der gefeierten Molli-Premiere auf Borkum werden schon wieder neue gemeinsame Pläne geschmiedet: Theo Robbers und Molli-Geschäftsführer Michael Mißlitz verabreden:

Zum 25-jährigen Jubiläum der Mecklenburgischen Bäderbahn, das 2020 groß begangen werden soll, wird das Borkumer Schweineschnäuzchen, ein Schienenbus, zu Besuch an die Ostsee kommen.