Auf schmaler Spur | MDR FERNSEHEN | 30.03.2018 | 15:55 Uhr Unterwegs mit der Mansfelder Bergwerksbahn

Sie ist die älteste noch betriebsfähige Schmalspurbahn Deutschlands: die Mansfelder Bergwerksbahn. Seit 1880 dampft sie durch die hügelige Landschaft im einstigen Mansfelder Bergbaurevier. Robby Mörre unternimmt eine Zeitreise mit der Museumsbahn.

Zug
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eisenbahnfreunde nennen die Mansfelder Bergwerksbahn kurz und knapp MBB, bei alteingesessenen Mansfeldern ist sie noch heute der "Kokelfred". Diesen Namen verdankt die Bahn ihrer ursprünglichen Bestimmung. Denn sie war einst die Lebensader des Bergbaus, transportierte Erze, Kohle und Koks.

Auf Schienen durchs Revier

Zwischen Hettstedt und Eisleben verband die Bergwerksbahn ab 1880 immer mehr Kupferschiefer-Schächte des Mansfelder Bergbaureviers mit den Kupfer- und Silberhütten. Bis Mitte der 1920er-Jahre wurde das Streckennetz auf 95 Kilometer ausgebaut. Doch die Lagerstätten waren schließlich erschöpft, bis 1969 schlossen alle Schächte des Reviers. Die Streckenlänge der Bahn schrumpfte auf 20 Kilometer. Mit dem Ende des Bergbaukombinats in Eisleben kam schließlich auch das Ende des regelmäßigen Fahrbetriebs der Bergwerksbahn. Nur auf einem Teilstück blieb der Bahnbetrieb erhalten - dank des Vereins Mansfelder Bergwerksbahn e.V., den Bahnfreunde 1991 gründeten und dem drei Dampf- und vier Dieselloks gehören. In Klostermannsfeld-Benndorf betreibt der Verein bis heute einen eigenen Bahnhof. Und von hier rollt die Bahn heute noch auf 11,8 Kilometern bis zur einstigen Kupferkammerhütte in Hettstedt.

Altes Wissen ist gefragt

Historische Dampflok in der MaLoWa Bahnwerkstatt, 2004
Blick in die MaLoWa Bahnwerkstatt. Bildrechte: IMAGO

Gleich neben dem Bahnhof werden die alten Loks wieder fit gemacht. In der Mansfelder Lokomotiv- und Waggonbau Bahnwerkstatt GmbH, kurz MaLoWa. Hier reparieren und restaurieren Fachleute Dampf- und Dieselloks, Personen- und Güterwagen in allen Spurweiten. In zwei riesigen Hallen stehen die Dampfrösser, zerlegt in ihre Einzelteile. Und da es meist keine Ersatzteile zu kaufen gibt, drehen, hobeln und fräsen die Mitarbeiter diese an alten Werkzeugmaschinen selbst. Hier ist noch altes Handwerk und altes Wissen gefragt.

Neues Leben für eine alte Lok

Auch die Dampflok Nr. 20 fuhr schon öfter in die MaLoWa ein. So auch 1996, als sie aus einem estnischen Eisenbahnmuseum nach Benndorf gebracht wurde. Unter der Baureihenbezeichnung GR 320 war die Lok 1951 als Reparationsleistung an die Sowjetunion ausgeliefert worden. Irgendwann in den 1970er-Jahren von der Schiene genommen, hatte man sie danach offenbar nur noch zum Heizen verwendet - bis sie im besagten Museum landete. Dort stöberten sie 1992 Mitstreiter des Vereins auf. Genau eine solche Bahn hatten sie gesucht, denn von 1954 bis 1968 waren bei der Mansfelder Bergwerksbahn zwei baugleiche Loks unterwegs. Im Mai 2000 begann die nun als Lok 20 bezeichnete Maschine ihr neues Leben. Nach einer zweijährigen Zwangspause, bedingt durch einen Unfall 2009, zieht die Lok wieder regelmäßig die Waggons der Mansfelder Bergwerksbahn.

Die Bahn im Kleinen

Modelleisenbahn
Im Refugium des Modeleisenbahners Michael Kulke Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Mansfelder Bergwerksbahn hat es auch Michael Kulke angetan. Der Modelleisenbahner stieg vor einigen Jahren vom H0-Maßstab (1:87) auf Gartenbahn-Größe (1:22,5) um. Seitdem baut er in Eigenregie und detailliert die großen Vorbilder nach. 10 mal 3 Meter groß ist seine Anlage inzwischen. Mittlerweile drehen hier vier Loks ihre Runden - und eine "Dampflok Nr. 20 en miniature" ist selbstverständlich auch dabei.

Faktencheck: Die Lok 20 der Mansfelder Bergwerksbahn
Hersteller Lokomotivbau Babelsberg
Herstellungsjahr 1951
Bauart Dh2t
Spurweite 750 mm
Höchstgeschwindigkeit 35 km/h
Länge mit Puffer 12,014 m
Höhe 3,4 m
Leermasse 23,4 t
Leistung 220 kW

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2018, 10:23 Uhr

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