Die Preßnitztalbahn - Wie aus Dampf und Tradition die Zukunft entsteht
Rund 20 Enthusiasten sind mit dabei, wenn die Gleise neu verlegt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf schmaler Spur | MDR FERNSEHEN | 31.10.2018 | 14:50 Uhr Die Preßnitztalbahn - Wie aus Dampf und Tradition die Zukunft entsteht

Einige "der Verrückten" sind schon seit Anfang der 1990er-Jahre im Verein, der offiziell "IG Preßnitztalbahn" heißt. Andere sind über die Jahre dazu gekommen. Sie haben erlebt, dass hier neben der Museumsbahn hunderte Arbeitsplätze entstanden sind. Es gibt viele Geschichten zu erzählen, die alle mit dem Preßnitztahler Pioniergeist und dem Gleisbau-Projekt beginnen.

Die Preßnitztalbahn - Wie aus Dampf und Tradition die Zukunft entsteht
Rund 20 Enthusiasten sind mit dabei, wenn die Gleise neu verlegt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wiedererstehen lassen! So lautete im Jahr 1992 das große Motto. Die Schmalspurbahn war komplett abgebaut, Gleise und Waggons - Schrott. Enthusiasten wie Mario Böhme und Jörg Müller beschlossen: Wir bauen ein Stück der Bahn wieder auf - und dieses Ziel schweißt "die Verrückten" - wie sie selbst im Heimatort genannt wurden - bis heute zusammen. Inzwischen gehört die Preßnitztalbahn mit ihren historischen Zügen wieder zu den schönsten Museumsbahnen in Europa. Auf acht Kilometern lädt sie zu einer Zeitreise ins vergangene Jahrhundert, die Strecke führt durch die unverwechselbare sächsische Landschaft südlich von Annaberg-Buchholz, von Jöhstadt über Schlössel und Schmalzgrube zum Endbahnhof Steinbach - und retour.

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Jörg Müller ist einer der Pioniere und im Verein zuständig für die Infrastruktur. Er leitet das Gleisbau-Projekt.

Auf schmaler Spur Mi 31.10.2018 14:50Uhr 01:10 min

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Zur Zeit endet die Fahrt allerdings noch in Jöhstadt vor dem Lokschuppen. Das Ziel der Preßnitztalbahner aber ist es, dass der Zug wieder den Bahnhof erreicht. Dazwischen wurde in den 1980er-Jahren ein Plattenbau errichtet. Kurzerhand kaufte ihn der Verein, um ihn abreißen und neue Gleise verlegen zu können. An der südlichen Einfahrt wird gebaut. Bis die neuen Gleise wieder vor dem Bahnhof liegen, werden noch ein paar Jahre vergehen.

Vereinsvorsitzender Mario Böhme meint, wichtig sei es, nicht schnell, schnell fertig zu werden, sondern das Gesamtziel im Auge zu behalten, "hier diesen Bahnhof wieder aufzubauen - mit allem, was dazu gehört":

Das Ziel schweißt alle zusammen!

Mario Böhme, Vereinsvorsitzender

Moderner Gütertransport und Sonderfahrten mit alten Dampfross

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Das Bauvorhaben, die Instandhaltung des Bestehenden nicht zu vergessen, reichte den Enthuasiasten nicht: Um die Eisenbahner in der Region zu halten, gründeten sie im Jahr 2000 die PRESS GmbH. Am Anfang fuhr das Unternehmen mit einer einzigen Diesellok Güterzüge für die Bahn. Heute betreibt die PRESS mit rund 250 Mitarbeitern Regionalbahnen und Loktransporte. Modernste Güterzüge fahren vom erzgebirgischen Jöhstadt aus gelenkt durch halb Europa, bedient werden die Häfen von Wismar und Rostock, an Baustellen der Bahn wird Zugdienst geleistet, Schotter gefahren, werden Schienen gezogen.

Der PRESS GmbH gehört allerdings auch eine der größten Deutschen Dampfloks, die 01 509. Im August reisten 500 Fahrgäste mit ihr auf einer Sonderfahrt von Marienberg nach Wittenberg. Martin Hallbauer und Heizer Lars Fiedler fuhren mit der Lok knapp 120 Kilometer pro Stunde - nahe an der Höchstgeschwindigkeit. Vier Stunden dauerte die Fahrt, unterwegs winkten die Leute begeistert. "Hier sieht man noch, wie was arbeitet, dass ich für mich die Faszination", sagte einer der Mitreisenden. Allerdings braucht das alte Dampfross auch viel Pflege, wie Hallbauer erklärt. Ein Aufwand, den man in Zahlen gar nicht ausdrücken könne: "Also die Lok braucht einen Tag vorher mindestens, wo die Fremddampf kriegt, dass man das Öl vorwärmen kann, dass sie genug Druck auf dem Kessel hat, dass sie selbstständig arbeiten kann." Die Lok ist die einzige der Baureihe 01 5, die Ölfeuerung hat - ein Unikat. Ein Vorteil für den Heizer: Er muss nicht schippen. Bei Sonderfahrten ist sie besonders beliebt. Nach einer umfangreichen Aufarbeitung absolvierte sie seit 2010 inzwischen gut 100 Fahrten. Eine Lok der Baureihe 86 gibt es jetzt auch noch, ebenfalls die letzte fahrende ihrer Art.

Im Museum kann sie sich jeder angucken, aber das ist immer wie 'ne Leiche. Eine lebendige Lok, die unter Dampf steht, hat doch wesentlich mehr zu bieten.

Mit 40 Ziegen auf schmaler Spur

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Gregor Steffens reist aus Erfurt an, um dabei zu sein. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN

Im Preßnitztal auf der Schmalspurbahn geht es gemütlicher zu - bei höchstens mal 30 km/h. Die Loks, etwa die Sächsische IV K, haben schließlich mehr als 100 Jahre auf dem Buckel.

Am Regler steht manchmal Gregor Steffens aus Erfurt, der auch beim Gleisbau mitgeholfen hat. Im Hauptberuf ist er Arzt, doch Vater und Großvater seien Ingenieure gewesen, sagt er, daher komme vielleicht sein Faible für die Technik. Er ist schon seit Anfang der 1990er-Jahre dabei - ihm imponiert die Gradlinigkeit der Preßnitztalbahner:

Da werden nicht 20 Schrottfahrzeuge auf den Hof gestellt, die dann 20 Jahre vor sich hin rosten, sondern die werden dann aufgearbeitet. Auch wenn es viel Mühe ist und Geld kostet: Es wird was zu Ende gebracht, das ist ja ganz wichtig.

Bilderstrecke Die Preßnitztaler: Von der Museumsbahn zur PRESS GmbH

Einige "der Verrückten" sind seit Anfang der 1990er-Jahre im Verein IG Preßnitztalbahn. Andere sind später dazu gekommen. Sie alle haben erlebt, dass neben der Museumsbahn hunderte Arbeitsplätze entstanden sind.

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Einige "der Verrückten" sind schon seit Anfang der 1990er-Jahre im Verein, der offiziell "IG Preßnitztalbahn" heißt. Andere sind über die Jahre dazu gekommen. Sie alle haben erlebt, dass hier neben der Museumsbahn hunderte Arbeitsplätze entstanden sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Heizer Lars Fiedler beim "Abölen". Einige der Bauteile sind älter als 80 Jahre. Pflege ist alles. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
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An den Wochenenden und Feiertagen ist die kleine Bahn unterwegs. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
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Die Personenbeförderung steht im Mittelpunkt ... Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
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Es gibt viele Geschichten zu erzählen, die alle mit dem Preßnitztahler Pioniergeist und dem Gleisbau-Projekt beginnen. Um die Eisenbahner in der Region zu halten, gründeten die Enthusiasten im Jahr 2000 die PRESS GmbH, heute ein mittelständisches Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Sitz in Jöhstadt. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
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Modernste Güterzüge fahren vom erzgebirgischen Jöhstadt aus gelenkt durch halb Europa, bedient werden die Häfen von Wismar und Rostock, an Baustellen der Bahn wird Zugdienst geleistet, Schotter gefahren, werden Schienen gezogen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Heute verfügt die PRESS GmbH über 70 Lokomotiven und es gibt bereits eine Außenstelle in Espenhain bei Leipzig mit 15 Mitarbeitern, geleitet von Benjamin Weitzdörfer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dort werden Diesel- und Elektroloks der PRESS repariert und gewartet. Außerdem bedienen die Bahner zwei Nebengleise und übergeben von dort Waggons ans große Bahnnetz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Einige "der Verrückten" sind schon seit Anfang der 1990er-Jahre im Verein, der offiziell "IG Preßnitztalbahn" heißt. Andere sind über die Jahre dazu gekommen. Sie alle haben erlebt, dass hier neben der Museumsbahn hunderte Arbeitsplätze entstanden sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Jörg Müller ist einer der Pioniere und im Verein zuständig für die Infrastruktur. Er leitet den Gleisbau: "Eine Schweiß treibende Angelegenheit", lacht er. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
Die Preßnitztalbahn - Wie aus Dampf und Tradition die Zukunft entsteht
Inzwischen gehört die Preßnitztalbahn mit ihren historischen Zügen wieder zu den schönsten Museumsbahnen in Europa. Die Strecke führt von Jöhstadt über Schlössel und Schmalzgrube zum Endbahnhof Steinbach - und retour. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
Die Preßnitztalbahn - Wie aus Dampf und Tradition die Zukunft entsteht
Zum Unternehmen gehört auch eine der größten deutschen Dampfloks, die 01 509, Martin Halbauer bereitet sich vor auf die Sonderfahrt von Marienberg bis Wittenberg. Vier Stunden dauert die Reise, teilweise in Höchstgeschwindigkeit: knapp 120 Kilometer pro Stunde! Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
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Im Preßnitztal auf der Schmalspurbahn geht es mit Tempo 30 gemütliocher zu. Am Regler steht Gregor Steffens aus Erfurt, der auch schon beim Gleisbau mitgeholfen hat. Im Hauptberuf ist er Arzt. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
Die Preßnitztalbahn - Wie aus Dampf und Tradition die Zukunft entsteht
... aber manchmal wird auch ein Güterwaggon voller Ziegen angehängt und dann geht es zum "Schönheitswettbewerb" nach Steinbach. Bildrechte: Auf schmaler Spur / MDR FERSEHEN
Die Preßnitztalbahn - Wie aus Dampf und Tradition die Zukunft entsteht
Am Anfang fuhr das Unternehmen mit einer einzigen Diesellok Güterzüge für die Bahn. Heute betreibt die PRESS mit rund 250 Mitarbeitern Regionalbahnen und Loktransporte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Mario Böhme, auch Vereinsvorsitzender, kann es selber kaum glauben, was seit 1992 alles entstanden ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Nicht nur für Mario Böhme ist es ein "Gänsehaut-Moment", als im Sommer wieder eine Lok fährt, genau an der Stelle, wo dies vor 34 Jahren das letzte Mal der Fall war: "Das ist ein kleiner Meilenstein beim großen Projekt: Wiederaufbau Bahnhof Jöhstadt - in seiner ursprünglichen Form." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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An jedem Wochenende und an Feiertagen ist die kleine Bahn unterwegs. Dass sie 1892 hauptsächlich als Güterbahn gedacht war, merkt und sieht man heute kaum noch. Die Personenbeförderung steht im Mittelpunkt. Einmal im Jahr ist das anders, nämlich beim Steinbacher Ziegentreffen. Mit dem Güterwaggon geht' auf die Reise. Am Haltepunkt Wildwasser warten diesmal hunderte Fans. Gut 40 Ziegen und ihre Halter sind zum Wildbach gekommen - zum Schönheitswettbewerb - und zum Ziegenrennen.

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Mit der Preßnitztalbahn auf dem Weg zum Ziegen-Schönheitswettbewerb Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die nächste Generation

Freizeit-Gaudi und Traditionspflege ist das eine, das andere ist knallhartes Geschäft. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag disponieren die Press-Mitarbeiter Güter- und Bauzüge. Mit einer Lok fing im Jahr 2000 alles an, für Rangier- und Baustellenarbeiten, erinnert sich Martin Halbauer, der für das Flottenmanagement zuständig ist.

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Mario Böhme kann es selber kaum glauben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Heute verfügt die PRESS GmbH über 70 Lokomotiven und es gibt eine Außenstelle in Espenhain bei Leipzig. Dort werden Diesel- und Elektroloks der PRESS repariert und gewartet. Außerdem bedienen die Bahner zwei Nebengleise und übergeben von dort Waggons ans große Bahnnetz. Inzwischen übernimmt schon die nächste Generation der Preßnitztalbahner Verantwortung, sagt Mario Böhme stolz. Traditionsbewusstsein werden sicher auch sie beweisen - so wie die PRESS GmbH zuletzt vor zehn Jahren, als der "Rasende Roland" vor die Wand zu fahren drohte. Die Rügensche Bäderbahn stand vor der Pleite. Wegen juristischer Streitereien gab es nicht mal Loks und Wagen. Die Sommersaison 2008 drohte auszufallen. PRESS sprang ein und ließ erst mal rollendes Material, sprich Leihfahrzeuge aus Sachsen, auf die Insel bringen. Züge vom Fichtelberg am Ostseestrand - das ist längst Vergangenheit. Heute zählt der Fuhrpark der RÜ BB, der Rügenschen Bäderbahn, neun Dampfloks und mehr als 30 Wagen. In der Hauptsaison sind drei Züge gleichzeitig unterwegs. Schon früher war der Zug beliebt - aber vor allem ein notwendiges Transportmittel. Heute ist er - dank der Preßnitztalbahner - immer noch eine touristische Attraktion. Darauf sind auch Einheimische wie der Modelleisenbahner Andreas Thiele aus Sassnitz stolz. Sein Klub arbeitet schon lange mit der Bäderbahn zusammen. Demnächst werden RüBB und Sassnitzer MEC wieder gemeinsam einen Sonderzug aufs Gleis stellen.

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Dass aus kleinen Anfängen viel Großes entstehen kann, das haben die Preßnitztaler inzwischen unter Beweis gestellt. Derzeit tun die freiwilligen Helfer beim Gleisbau alles, damit die Bahn wieder in Jöhstadt einfahren kann - so wie auf der Modellbahn von Eckhard Graf, der in den 1970er-Jahren fotografierte und später auch auf dem Gelände und an der Strecke filmte, und somit Dokumente einer Epoche sammelte.

Die Preßnitztaler wissen um ihre Vergangenheit, wenn sie ihre Zukunft mal wieder in die eigene Hand nehmen.

Das ist schon ein Moment mit Gänsehaut. Vor über 34 Jahren, im Januar 1984 ist hier genau an dieser Stelle die letzte Lok, die letzte Eisenbahn gefahren. Das ist ein kleiner Meilenstein beim großen Projekt: Wiederaufbau Bahnhof Jöhstadt - in seiner ursprünglichen Form.

Mario Böhme, Vereinsvorsitzender
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Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2018, 12:21 Uhr